Ukrainomania im Volkstheater: Joseph Roths bewegendes Erbe präsentiert
Am 16. Januar 2026 feiert das Volkstheater Wien die Revue "Ukrainomania" über den Schriftsteller Joseph Roth, deren Inszenierung die Themen Krieg und Heimat beleuchtet.

Ukrainomania im Volkstheater: Joseph Roths bewegendes Erbe präsentiert
Am Volkstheater Wien bringt der Regisseur Jan-Christoph Gockel eine Revue auf die Bühne, die dem Leben und Werk des bedeutenden österreichischen Schriftstellers Joseph Roth gewidmet ist. Die Inszenierung trägt den Titel „Ukrainomania“ und ist eine Koproduktion mit dem Nationaltheater Marija Sankowezka in Lwiw. Dabei wird das Thema Krieg immer wieder in den Fokus gerückt, was besonders in der aktuellen politischen Lage von zentraler Bedeutung ist. Roth, der 1894 in Brody, im heutigen Gebiet der Ukraine, geboren wurde und 1939 in Paris als Flüchtling starb, ist bekannt für seine Werke wie den „Radetzkymarsch“. Diese Revue bietet einen eindrucksvollen Einblick in sein Leben, geht jedoch nicht auf ein bestimmtes Werk ein, sondern reflektiert seine Erfahrungen und Emotionen in einer chaotischen Welt.
Der Charakter von Roth wird von Bernardo Arias Porras verkörpert, der den Schriftsteller als egozentrischen, grunge-artigen und karikaturistisch übertriebenen Protagonisten darstellt. In einer humorvollen, aber auch berührenden Aufführung werden visuelle Elemente wie Live-Zeichnungen und Fotografien von der Recherchereise eingebaut, die die Verlorenheit der von Roth beschriebenen Welt unterstreichen. Ein Kühlschrank und ein Grab für Roth sind dabei zentrale visuelle Anker. Die Musik von Jacob Suske trägt zur emotionalen Untermalung bei und verstärkt die verschiedenen Stimmungen der Darbietung, die insgesamt zwei Stunden dauert.
Ein Blick auf Roths Erbe
„Ukrainomania“ stützt sich auf den Essay „Ukrainomanie. Berlins neueste Mode“ aus dem Jahr 1920, in dem Roth über das Schicksal von Nationen spricht, die ihre staatliche Selbstständigkeit verlieren. Die Inszenierung thematisiert das Interesse der Zuschauer an bedrohten Staaten und ist inspiriert von Roths Reise in seine alte Heimat Brody und Lemberg im Jahr 1924, die mehrfach den politischen Rahmen wechselte. Gockel und sein Team haben sich auch mit den historischen Stätten in der Ukraine auseinandergesetzt und zeigen, wie diese Orte Roths Leben prägten, während sie gleichzeitig die aktuellen Entwicklungen im Land reflektieren. Dabei fließen Roths Texte in die Dramaturgie ein, um Resonanzen zur Gegenwart zu finden und eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen.
Ein besonders eindrucksvoller Moment in der Inszenierung ist ein Interview von Arias Porras, in dem Roths Bedeutung für die Ukraine und die Herausforderungen, die das Land aktuell durchlebt, hervorgehoben werden. Interessant ist, dass während eines Szenenwechsels der Strom im Café ausfällt, was auf die Kriegssituation hinweist und die Zuschauer dazu anregt, über die Realität nachzudenken.
Die Herausforderungen der Inszenierung
Die Inszenierung zeigt nicht nur Roths literarische Hinterlassenschaft, sondern auch die Herausforderungen der aktuellen Situation in der Ukraine. Gockel und sein Team berichteten, dass bei ihren Proben in Lwiw der Strom oft aus Spargründen abgeschaltet wird und oft im Kerzenlicht geprobt wird. Diese Aspekte werden in die Aufführung integriert und verstärken die emotionale Wirkung des Stücks. Die Reise des Theaterschaffenden in die Ukraine war von Angst vor Raketenangriffen geprägt, sodass die Inszenierung auch als eine Art „Revue gegen den Krieg, gegen Düsternis und Verzweiflung“ beschrieben wird.
Die Premiere von „Ukrainomania“ ist für Juli in Lwiw vorgesehen, wobei unterschiedliche Besetzungen in Wien und Lwiw für frische Perspektiven sorgen. Roths Geburtshaus, das in der Inszenierung thematisiert wird, und die damit verbundene Diskussion über den Namen „Szwaby“, das Viertel in Brody, wo er geboren wurde, zeigen die Verknüpfung zwischen Roths individuellem Schicksal und dem größeren historischen Kontext.
Das Stück endet eindrucksvoll mit authentischen Tönen, die an die gegenwärtigen Bedrohungen in der Ukraine erinnern. Diese Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Realität, sorgt dafür, dass „Ukrainomania“ nicht nur eine Hommage an Joseph Roth ist, sondern auch ein Zerrspiegel der gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen darstellt. So berichtet Die Deutsche Bühne über die tiefgründige Wirkung des Stücks, während Die Presse die Verknüpfung zwischen Roths Werken und dem aktuellen Zeitgeist beleuchtet. Des Weiteren hebt Profil die Bedeutung von Roths literarischem Erbe für das heutige Verständnis von Identität und Zugehörigkeit hervor.