Geiseln der Landshut fordern Hilfe: Dobrindt muss handeln!
Zum 50. Jahrestag der Entführung der Lufthansa "Landshut" fordern Geiseln eine Dokumentation und erinnern an die Verantwortung des Bundesinnenministers.

Geiseln der Landshut fordern Hilfe: Dobrindt muss handeln!
Die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ im Jahr 1977 zieht bis heute ihre Spuren und beeinflusst nicht nur die Erinnerungen der Betroffenen, sondern bremst auch die öffentliche Auseinandersetzung mit den traumatischen Erlebnissen. In einem jüngst veröffentlichten offenen Brief appellieren die Geiseln der Entführung an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und erinnern ihn an seine Verantwortung für die geplante Dokumentation zum 50. Jahrestag der Entführung, die im Jahr 2027 in Friedrichshafen entstehen soll. Laut Welt haben die Geiseln klare Vorstellungen davon, wie sie als Teil dieser Erinnerungskultur wahrgenommen werden möchten.
Die „Landshut“ wurde am 13. Oktober 1977 auf dem Weg von Palma de Mallorca nach Frankfurt von einem Terrorkommando der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) entführt. Bewaffnet mit Pistolen, Handgranaten und Sprengstoff forderten die Entführer die Freilassung von elf RAF-Terroristen sowie zwei anderen politischen Häftlingen und eine Summe von 15 Millionen Dollar. Die Piloten wurden gezwungen, die Maschine nach Rom und später nach Zypern zu steuern, wobei sie letztlich in Bahrain und Dubai landeten, bevor es zu einem dramatischen weiterflug nach Mogadischu kam. An Bord herrschte eine angespannte Stimmung, denn die Entführer hatten ihre Drohung bereits ausgesprochen, die Geiseln zu erschießen, wie Zeitklicks berichtet.
Befreiung durch die GSG 9
Nach 106 Stunden voller Angst und Unsicherheit stürmte die elite GSG 9 der deutschen Bundespolizei am 18. Oktober 1977 die Maschine und befreite alle Geiseln außer dem mutig agierenden Kapitän Jürgen Schumann, der bei einem Verhandlungsversuch von seinen Entführern erschossen wurde. Dieser dramatische Einsatz katapultierte die GSG 9 in die internationale Öffentlichkeit und hinterließ einen bleibenden Eindruck über die Handhabung von Terroranschlägen in Deutschland.
Ein Aufruf zur Erinnerung
Im offenen Brief fordern die ehemaligen Geiseln, dass die „Landshut“ nicht einfach als Wrack konserviert, sondern im design der Lufthansa präsentiert werden sollte. Es gehe ihnen nicht nur um den äußeren Zustand des Flugzeugs, sondern insbesondere um das Gefühl der Enge innerhalb der Maschine, das sie während der Entführung erfahren mussten. Zudem verlangen sie, dass die Gesichter der entführten Personen und deren Geschichten erzählt werden, um die menschliche Seite des Ereignisses in den Vordergrund zu rücken. Unterstützung erhalten sie dabei von Hanns Eberhard Schleyer, dem Sohn des entführten Arbeitgeber-Präsidenten, was die Wichtigkeit dieser Erinnerungsarbeit weiter unterstreicht.
Ein weiterer Punkt der Kritik bezieht sich auf die Finanzierungsansätze der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die für die Dokumentation verantwortlich ist. Es wurde zwar ausreichend Geld eingeplant, jedoch für aus ihrer Sicht falsche Aufgaben. Dobrindt hat die Möglichkeit, eine Neuausrichtung des Projektes herbeizuführen, insbesondere nachdem der Präsident der bpb, Thomas Krüger, im Jahr 2025 abtritt. Der Verein „Victims of Terrorism Germany“, der gegründet wurde, um die Interessen von Überlebenden und Angehörigen zu vertreten, sieht dies als notwendige Maßnahme an, um die Erinnerung an die Abwehr des linksextremen Terrorismus wach zu halten und den Geiseln eine umfassende und gerechte Darstellung zu ermöglichen.