Heute ist der 19.04.2026, und während die Welt sich weiter dreht, bleibt auch in Freising der Blick auf die Kirche und ihre Mitgliederzahlen nicht aus. Trotz der teils rückläufigen Zahlen gibt es einen spürbaren Bezug zur Kirche, der weniger durch Institutionen, sondern mehr durch persönliche Erfahrungen geprägt ist. Dies betonen sowohl Dekan Daniel Reichel (katholisch) als auch Dekan Christian Weigl (evangelisch) in ihren jüngsten Äußerungen zur Situation der Gemeinde.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 2025 traten 159 Mitglieder der evangelischen Gemeinde Freising aus, was einen leichten Rückgang im Vergleich zu den 203 Austritten im Jahr 2023 darstellt. Bei den Katholiken im Landkreis gab es hingegen 1252 Austritte, ein Anstieg um 11 im Vergleich zu 2024, jedoch weit weniger als die 2249 Austritte aus dem Jahr 2022. Die Gründe für diesen Mitgliederschwund sind vielfältig und reichen von persönlichen Verletzungen über kritische Erfahrungen bis hin zu einer allgemeinen Distanz zu kirchlichen Missständen.
Die Gruppen der Gemeindemitglieder
Weigl unterscheidet in seiner Analyse zwischen vier Gruppen von Gemeindemitgliedern: den engagierten, wohlwollenden, sporadischen und distanzierten. Diese Differenzierung zeigt, dass es innerhalb der Gemeinde unterschiedliche Einstellungen und Bindungen zur Kirche gibt. Immer mehr Menschen scheinen die Institution Kirche eher als persönlichen Bezugspunkt zu sehen und weniger als ein starres, institutionelles Gebilde.
Ein Blick auf die bundesweiten Trends offenbart ein ähnliches Bild. Laut ZDF treten in Deutschland im Jahr 2024 alle 47 Sekunden Menschen aus der katholischen oder evangelischen Kirche aus. Die Gründe für den Austritt sind häufig individuell, doch es ist unbestreitbar, dass der Skandal um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, insbesondere die Veröffentlichung eines Gutachtens im Jahr 2022, die Mitgliedszahlen stark beeinflusst hat.
Perspektiven für die Zukunft
Trotz der Herausforderungen plädiert Reichel für eine stärkere Nähe zur Gemeinde, mehr Zuhören und glaubwürdiges Handeln. Er betont die Bedeutung von Transparenz und Dialogbereitschaft, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen. Reichel blickt zuversichtlich in die Zukunft und glaubt, dass die Kirche, auch wenn sie sich weiter verändern muss, weiterhin eine zentrale Rolle im Leben der Menschen spielen kann.
Die Entwicklung der Kirchenzugehörigkeit ist nicht nur ein lokal begrenztes Phänomen. Seit 1965 verzeichnen die Kirchen in Deutschland einen kontinuierlichen Mitgliederschwund, der sich in den letzten Jahren verstärkt hat. Besonders betroffen sind jüngere Generationen, die seltener getauft werden, was auf eine veränderte gesellschaftliche Einstellung zu Religion hinweist. In den östlichen Bundesländern ist der Anteil der Nicht-Mitglieder am höchsten, während in Regionen wie Bayern der Anteil der Katholiken nach wie vor groß ist.
Während die Gründe für den Austritt von Mitgliedern individuell sind, ist es klar, dass die Herausforderungen, vor denen die Kirche heute steht, eine tiefere Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen und Wünschen der Gemeindemitglieder erfordern. Der Dialog über diese Themen wird entscheidend sein, um die Kirche als wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens in Freising und darüber hinaus zu erhalten.