Das 10. Bayerische Landestreffen der Gehörlosen- und Gebärdensprachgemeinschaft hat am 10. und 11. April in Würzburg stattgefunden und war ein voller Erfolg. Unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Markus Söder kamen rund 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, um gemeinsam zu feiern und wichtige Themen rund um die Gehörlosengemeinschaft zu diskutieren. Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden nicht nur die Möglichkeit, sich auszutauschen, sondern stellte auch einen bedeutenden Ort der politischen Teilhabe dar. Wie Mainpost berichtet, fand die Eröffnung im ehrwürdigen Ratssaal des Würzburger Rathauses statt.
Der Vorsitzende des Landesverbandes, Marcus Willam, erinnerte an die Gründung des Verbandes am 4. März 1951 und hob die Entwicklung von der Unterdrückung der Gebärdensprache zu einer politisch aktiven Gemeinschaft hervor. Ein Fachvortrag von Markus Beetz thematisierte die bewegte Geschichte des Verbandes und gab den Anwesenden wertvolle Einblicke. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Treffens war die Veröffentlichung der Stellungnahme „Gute Pflege dahoam – auch in Gebärdensprache?“, die besonders auf die Lage von etwa 5000 gehörlosen Senioren in Bayern hinweist.
Dringender Handlungsbedarf in der Pflege
Der Verband machte deutlich, dass es dringend einer gebärdensprachfreundlichen Pflege bedarf. In diesem Kontext wurde ein bayerisches Gehörlosengeld gefordert, um den speziellen Bedürfnissen der gehörlosen Seniorinnen und Senioren gerecht zu werden. Ein Impulsvortrag und eine Podiumsdiskussion zu dieser Thematik zogen zahlreiche Experten und Entscheidungsträger an. Hierbei wurde über die Situation in der Pflege für Gebärdensprachnutzer und die biografischen Belastungen durch jahrzehntelanges Verbot der Gebärdensprache diskutiert. Auch das Versagen herkömmlicher Pflegekonzepte wurde thematisiert. lvby erwähnt, dass Ute Fröhlich, Achim Blage und Daniel Büter zu den Referenten gehörten und die besonderen Herausforderungen in der Pflege beleuchtet haben.
Ein künstlerisches Highlight des Treffens waren vier kurze Theaterstücke der „FrankenDeafShow“, mit denen die Barrieren im pflegerischen Alltag eindrucksvoll verdeutlicht wurden. Die Podiumsdiskussion bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, direkt mit Entscheidungsträgern in Kontakt zu treten, darunter auch Dr. Bernhard Opolony, Leiter der Abteilung Pflege im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention.
Vielfältiges Rahmenprogramm
Das Rahmenprogramm des Landestreffens war abwechslungsreich und beeindruckend. Neben den städtischen Führungen und einem ökumenischen Gottesdienst gab es zahlreiche Theateraufführungen und festliche Galaabende. Besonders gewürdigt wurden Menschen, die sich um die Gehörlosengemeinschaft verdient gemacht haben. Dazu gehörten Ehrungen für Bernd Schneider für seine zwölfjährige Arbeit als Landesvorsitzender sowie für Helmut Vogel, der sich um die finanzielle Stabilisierung des Deutschen Gehörlosen-Bundes verdient gemacht hat. Auch Christian Ebmeyer wurde für seine wertvolle Aufarbeitung des Unrechts an Gehörlosen in Heimen und Schulen geehrt. Ute Fröhlich erhielt eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk, und das Team von HAND DRAUF wurde für seine Pionierarbeit auf Instagram gewürdigt.
Mit einem klaren Ausblick in die Zukunft gaben die Organisatoren bekannt, dass das bayerische Landestreffen künftig alle drei Jahre stattfinden wird. Das nächste Treffen ist bereits für das Jahr 2029 in Landsberg am Lech geplant, und es bleibt zu hoffen, dass auch dort wichtige Fortschritte im Bereich der Gehörlosenpflege und -integration erreicht werden können.