Ukrainomania: Ein Theaterabend zwischen Komik und Kriegstragik!
Am 15. Januar 2026 feierte die Revue "Ukrainomania" im Wiener Volkstheater Premiere, inspiriert von Joseph Roths Erlebnissen und der Ukraine.

Ukrainomania: Ein Theaterabend zwischen Komik und Kriegstragik!
Am 15. Januar 2026 fand im Volkstheater Wien die Premiere der Revue „Ukrainomania – Revue eines Lebens nach Joseph Roth“ statt. Die Inszenierung, unter der Regie von Jan-Christoph Gockel, vermischt Komik und Ernst und zieht eine Brücke zwischen dem literarischen Erbe des jüdischen Schriftstellers und der gegenwärtigen Lage in der Ukraine. Das Publikum erlebte eine interessante Mischung aus Theater und interaktiven Elementen. So trat die Conferencière Solomiia in direktem Kontakt mit den Zuschauern auf und holte die Live-Zeichnerin Sofiia Melnyk als Übersetzerin auf die Bühne, während ein QR-Code für Solomiias Instagram auf den Vorhang projiziert wurde. Die Inszenierung thematisiert die Dokumentation des Krieges in der Ukraine und bringt Joseph Roths vielfältiges Erbe ins Spiel.
Der Beginn der Aufführung wirkt auf den ersten Blick eher überraschend: Ein Totengräber, gespielt von Samouil Stoyanov – einem Schauspieler, der schon mit mehreren Theaterpreisen ausgezeichnet wurde – schaufelt ein Grab für Joseph Roth. Doch schon bald entspinnt sich ein Streit zwischen Solomiia und dem Totengräber in einer Mischung aus Ukrainisch und Bulgarisch. Die Provokationen und der Austausch zwischen den beiden Charakteren bringen Schwung in die Geschichte.
Ein Blick auf Joseph Roth
„Ukrainomania“ ist nicht nur ein Theaterstück, sondern auch eine Hommage an Roths Reise, die er 1924 unternahm, um seine alte Heimat Brody und die Stadt Lemberg – heute Lviv – zu besuchen. Diese Städte erlebten im 20. Jahrhundert eine ständige Wandlung, wechselten mehrmals ihren Namen und die Staatszugehörigkeit. Roths Schrift „Ukrainomanie. Berlins neueste Mode“ aus dem Jahr 1920 wird im Programm zitiert und wirft einen interessanten Blick auf die Wahrnehmung bedrohten Staaten als Schauplatz für das Publikum. Ein Element der Aufführung sind die interaktiven Momente, in denen das Publikum zum Beispiel echten Schnaps angeboten bekommt, was zu einer lebendigen Atmosphäre beiträgt.
Der Schauspieler Bernardo Arias Porras verkörpert Joseph Roth, als dieser aus dem Grab steigt und durch Lviv reist. Kritiker haben seine Darstellung als übertrieben karikaturistisch bezeichnet, was jedoch möglicherweise Teil der humorvollen Inszenierung ist. Besonders bemerkenswert ist eine Szene, die Roths Beerdigung auf dem Cimetière Parisien de Thiais zeigt, die nicht auf dem Montmartre, wie oft vermutet, dargestellt wird. Das Stück spielt mit den Bruchstellen zwischen Theater und Realität und zeigt auf unterhaltsame Weise Roths Alkoholismus, während Solomiia und Samouil einige komödiantische Einlagen bieten, die als Lichtblicke gelten.
Kritik und Publikumsecho
Die Kritiken zur Premiere sind durchwachsen. Während einige die Umsetzung als ungeschickt und peinlich beschreiben, hebt die Freude am Spiel in den komödiantischen Einlagen von Solomiia und ihrem Partner hervor. Das Finale, bei dem Solomiia allein auf der Bühne bleibt, während das Licht erlischt, lässt Raum für Interpretationen und regt zum Nachdenken über die Themen Krieg und Exil an. In der Inszenierung wird Roths Geburtsort und die Diskussion um den Namen „Szwaby“ thematisiert, was zur Geschichte und den kulturellen Wurzeln des Schriftstellers beiträgt.
Die Aufführung dauert etwa zwei Stunden und kommt ohne Pause aus, was die Zuschauer in einen durchgehenden Fluss von Emotionen und Gedanken eintauchen lässt. „Ukrainomania“ ist ein Versuch, die Komplexität von Roths Werk in die heutige Zeit zu übertragen und macht deutlich, dass der Blick auf solch historische Figuren auch in turbulenten Zeiten von Bedeutung ist. Veranstalter bieten mittlerweile sogar Reisen „auf den Spuren Joseph Roths“ an, die jedoch seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zurückgegangen sind. Dennoch bleibt das Interesse an den Verflechtungen von Geschichte, Kultur und Identität ungebrochen.
Dass das Publikum an einem solchen Abend gefragt wird, mit Schnaps in der Hand, die Ernsthaftigkeit der Themen aufzulockern, ist ein kreativer Ansatz von Gockel und seinem Team. Denn letztlich gilt es nicht nur, die Geschichten der Vergangenheit zu erzählen, sondern auch, sie erfahrbar zu machen.