Wirbel um Ahmed: Plakataktion sorgt für hitzige Debatte in Nürnberg
Ahmeds Plakataktion in Nürnberg sorgt für gemischte Reaktionen und wirft Fragen zu Rassismus und Identität auf.

Wirbel um Ahmed: Plakataktion sorgt für hitzige Debatte in Nürnberg
Der Wahlkampf um die Oberbürgermeisterwahl in Nürnberg hat mit einer umstrittenen Plakataktion von Ahmed für hitzige Diskussionen gesorgt. „Mein N-Wort ist Nürnberg“ prangt überdimensioniert auf den Plakaten, und die Reaktionen darauf sind so gemischt wie die Stadt selbst. Positive Stimmen auf Instagram zeigen sich begeistert, beispielsweise formuliert ein Nutzer: „Etwas so Negatives positiv zu drehen, ist wahre Größe.“ Auch Martin Hagen, der frühere bayerische FDP-Landeschef, gibt ein erstklassiges Feedback: „Nice!“ Häufig klingt jedoch die Kritik lauter, viele Nutzer bezeichnen die Aktion als „absolut geschmacklos“ und fordern Ahmed auf, das Plakat zu löschen. Kritiker wie die Autorin Gina Hitsch bemängeln, dass Betroffene kostenlose Aufklärungsarbeit leisten müssen, während Ahmed Wahlkampf betreibt. Die ärgerlichen Beiträge zeigen, dass das N-Wort immer noch ein heißes Eisen ist.
Ein besonders scharfes Urteil kommt von Aktivist Jireh Emanuel, der darauf hinweist, dass die Kampagne antirassistisch intendiert sein soll, jedoch problematische Wirkungen zur Normalisierung eines geschichtlichen Gewaltinstrumentes aufweist. Er erklärt, dass Ahmed der notwendigen Sensibilität und dem Austausch mit der betroffenen Community fehlt.
Rassismus im Sprachgebrauch
Apropos Sprachgebrauch: Die Initiative „N-Wort stoppen“, gegründet Ende 2019 in Städten wie Köln und Bonn, hat das klare Ziel, das N-Wort und rassistische Sprache im Deutschen zu ächten. Die Gründung war eine Reaktion auf ein Gerichtsurteil, das den Einsatz des N-Wortes in politischen Erörterungen nicht als herabwürdigend einstufte. Sprache bedeutet Macht, und sie hat in Deutschland eine lange, von Diskriminierung geprägte Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Rassistische Begriffe schädigen nicht nur das Bild marginalisierter Gruppen, sondern auch die psychische Gesundheit der Betroffenen. Zwei französische Forscher*innen berichteten von der erschreckenden Statistik, dass bis zu 49% der deutschen Bevölkerung an die Existenz von Menschenrassen glauben!
Der Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König (CSU) hat die Problematik ebenfalls aufgegriffen. Er erinnert daran, dass die Stadt das N-Wort 2024 offiziell geächtet hat und betont, dass es als Beleidigung und Ausdruck von Gewalt gegen schwarze Menschen verwendet wird. König macht klar: „Die Bekämpfung von Rassismus ist eine zentrale menschenrechtliche Schutzpflicht des Staates.“
Ein Plädoyer für Chancen
Trotz der Kritik erklärt Ahmed, dass er mit der Botschaft hinter seinem Plakat für ein Nürnberg der Chancen stehe. Hier sollen alle Menschen die Möglichkeit haben, sich unabhängig von Geldbeutel, Herkunft und anderen Hürden zu entfalten. Im Zuge der Diskussion hebt er hervor, dass er mit seinem eigenen Migrationshintergrund und seiner schwarzen Identität für Vielfalt eintrete. Die Rückmeldungen aus der Nürnberger Community seien überwiegen positiv, gibt er an und zeigt sich kampagnenfähig.
Die Auseinandersetzung um die Plakataktion von Ahmed unterstreicht die Notwendigkeit eines Dialogs über Rassismus und Sensibilität in der Sprache. Ein weiterführender Austausch mit den betroffenen Gruppen und eine Sensibilisierung in Bildungseinrichtungen könnten Wege in eine respektvollere und gerechtere Gesellschaft aufzeigen.