Die Lage im bayerischen Nahverkehr spitzt sich zu: Die Gewerkschaft Verdi hat einen Warnstreik für Dienstag, den 14. April, angekündigt. In zehn Städten werden U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen betroffen sein. Zu den Städten zählen München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Fürth, Bayreuth, Dachau, Passau, Landshut und Schweinfurt. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) rechnet mit erheblichen Einschränkungen im Betrieb. Besonders betroffen wird die U-Bahn und die Tram in München sein, während S-Bahn und Regionalzüge regulär verkehren. Für viele Pendler wird dies eine Herausforderung, denn die MVG warnt, dass eine gleichmäßige Verteilung der verfügbaren Busse durch einen Notfahrplan sichergestellt werden soll, um dennoch ein gewisses Maß an Mobilität zu gewährleisten. Rund die Hälfte des Busangebots wird weiterhin durch private Omnibusunternehmen bereitgestellt, die nicht am Streik teilnehmen werden. Mutig, aber risikobehaftet, rät die MVG, dass Fahrgäste auf alternative Verkehrsmittel umsteigen oder sogar das Homeoffice einplanen sollten, um dem Stau vorzubeugen. Dies haben auch Berichte von merkur.de untermauert.
Was treibt die Gewerkschaft Verdi zu diesem Schritt? Es sind klare Forderungen im Spiel: Eine Gehaltserhöhung um insgesamt 550 Euro, aufgeteilt auf zwei Raten innerhalb von 24 Monaten, wird gefordert. Zudem möchte man die Wochenarbeitszeit verringern und eine maximale Schichtlänge von elf Stunden durchsetzen. Diese Forderungen kommen nicht von ungefähr, denn die Arbeitgeber zeigen laut Verdi kaum Bewegung in den Verhandlungen, während die Frustration unter den Fahrgästen wächst.
Wie geht es weiter?
Diese Woche wird Verdi alles daran setzen, Druck auf die Verhandlungen mit dem kommunalen Arbeitgeberverband auszuüben. Nächste Woche sind besonders wichtige Gespräche in Nürnberg geplant. Doch zunächst ist die Lärm- und Unruhestiftung in der bayerischen Verkehrslandschaft angesagt. Einige Autofahrer und Radfahrer könnten die Gelegenheit auch nutzen, um die Ruhe der Stadt zu genießen. In München beginnen die Warnstreiks am Mittwoch um 11 Uhr und sollen bis Freitag um 4 Uhr weitergehen, was auch eine erhebliche Beeinträchtigung für das Champions-League-Spiel zwischen FC Bayern und Atalanta Bergamo mit sich bringt. Die Verkehrsbetriebe bemühen sich, den Betrieb während der Rushhour aufrechtzuerhalten, ähnliche Maßnahmen wie etwa bei den DFB-Pokalspielen sind in Erwägung gezogen.
Die MVG hat zudem angekündigt, dass ganztägige Streiks im Fahrgastservice und der Leitstelle stattfinden. So kann man sicher sein, dass die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste durch längere Wartezeiten abgemildert werden – zumindest, solange das Angebot durch private Betreiber gewährleistet bleibt. Es bleibt abzuwarten, ob Verdi während der Warnstreiks weitere Aktionen in anderen Städten plant, sich bereits auf der Liste befinden: Bamberg, Bayreuth, Regensburg, Dachau, Passau, und weitere.
Die Forderungen von Verdi umfassen nicht nur eine Lohnerhöhung, sondern auch eine reduzierte Arbeitszeit von 38,5 auf 35 Stunden pro Woche. Arbeitgeber bringen bisher lediglich ein Angebot von 5 Prozent Lohnerhöhung, basierend auf dem Vorjahr, auf den Tisch – dieses wurde jedoch von Verdi eindringlich abgelehnt. Bei den bevorstehenden Verhandlungen am 23. März hofft die Gewerkschaft auf mehr Unterstützung durch die Politik, um dem öffentlichen Nahverkehr den nötigen Rückhalt zu geben. Das ist eine enge und zähe Auseinandersetzung – die nächsten Tage werden entscheidend sein.
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