Heute ist der 8.04.2026. In den letzten Tagen sorgte ein mutmaßlicher Wolfsriss für Aufregung am Stadtrand von Dorfen. Der Kadaver eines Rehbocks wurde nur 200 Meter vom Schulzentrum gefunden, was Fragen zur Sicherheit der Anwohner aufwarf. Wölfe gelten als scheue Tiere, jedoch hat sich dieser Wolf offenbar weit in die Nähe einer menschlichen Siedlung gewagt. Thomas Schreder, Vorsitzender des Kreisjagdverbands, warnt vor Panikmache und betont, dass er davon ausgeht, dass der Wolf inzwischen weitergezogen ist.

Im Landkreis Erding sind bislang keine Risse von Nutztieren durch Wölfe bekannt. Auch Irmgard Posch, Bezirksbäuerin, hat keine Informationen über Wolfsrisse in angrenzenden Landkreisen. Es scheint, als ob Wölfe auch abseits gelegene Höfe meiden und ihre Scheu vor Menschen nicht verloren haben. Schreder erläutert, dass junge Rüden im Frühjahr aus ihren Rudeln vertrieben werden und auf der Suche nach neuen Revieren sind. Dabei können sie große Strecken zurücklegen und sogar gefährliche Bereiche wie Autobahnen überqueren.

Die Lebensumstände der Wölfe

In dicht besiedelten Landkreisen, wie rund um München, finden Wölfe keine geeigneten Lebensräume. Der Wolf benötigt Deckung, Fressen und Unterschlupf sowie ein Revier mit einem Weibchen. In der Region Erding gibt es keine solchen geeigneten Reviere, weshalb Wölfe in diesen Gebieten oft umkehren. Bei einer Begegnung mit einem Wolf im Landkreis Erding ist eine Gefährdung unwahrscheinlich. Dennoch empfiehlt Schreder, Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, insbesondere beim Gassi gehen mit Hunden. Hunde sollten angeleint werden, und im Fall einer Wolf-Sichtung sollte man ruhig rückwärts den Platz verlassen.

Wölfe sind faszinierende Tiere, die in Deutschland eine lange und wechselvolle Geschichte haben. Rund 150 Jahre lang waren sie in Deutschland ausgerottet. Erst 2000 wurden die ersten Wolfswelpen wieder in Freiheit geboren, und seither erobern sich die Wölfe langsam ihre alten Lebensräume zurück. Jährlich ziehen sie Nachwuchs auf, doch sie sind auch gefährdet: Verkehrsunfälle und illegale Tötungen fordern viele Leben. Laut einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz gibt es in jedem Bundesland geeignete Regionen für Wölfe, außer in Hamburg, Berlin und Bremen. Das bedeutet, dass Deutschland voraussichtlich nicht flächendeckend, sondern eher in einem Flickenteppich von Wölfen besiedelt sein wird.

Aktuelle Wolfsbestände in Deutschland

Aktuell leben in Deutschland 219 Wolfsrudel, 43 Paare und 14 sesshafte Einzeltiere (Stand November 2025). Auch wenn die Wolfspopulation in den letzten Jahren gewachsen ist, zeigte das Monitoringjahr 2024/25 eine Stagnation des Bestands, was auf eine Verlangsamung des Wachstums hindeutet. Historisch waren Wölfe bis zur Jungsteinzeit fast auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet, leben heute jedoch nur noch auf weniger als zwei Dritteln ihres ursprünglichen Lebensraums. Die letzten Hinweise auf ein Wolfsrudel verschwanden in Deutschland um 1850 in Brandenburg. 1990 wurden Wölfe bundesweit unter gesetzlichen Schutz gestellt, was ihren Wiederaufbau in der Natur einerseits erleichterte, sie aber andererseits auch in Konflikt mit menschlichen Aktivitäten bringen kann.

Für die Region Erding bleibt die Situation spannend. Die Begegnung mit einem Wolf mag für viele Menschen aufregend sein, doch die Experten betonen, dass der Landkreis aufgrund intensiver Nutzung kein geeigneter Lebensraum für Wölfe ist. Die Natur ist in ständiger Veränderung und es bleibt abzuwarten, wie sich die Wolfspopulation in Zukunft entwickeln wird. Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel der Süddeutschen Zeitung und auf der Webseite des NABU.