
Christina Ascherl, eine engagierte Journalistin und Autorin, hat kürzlich ihr Buch „Jüdische Familien – Schicksale hinter den Stolpersteinen in Weiden in der Oberpfalz“ veröffentlicht. Das Werk ist im Battenberg Bayerland Verlag erschienen und umfasst 126 sorgfältig gestaltete Seiten. Ascherl möchte mit diesem Buch die Erinnerung an die jüdischen Familien in Weiden während der schwierigen NS-Zeit lebendig halten. Die Idee für das Buch wurde während einer Stolpersteinverlegung im Jahr 2022 geboren. Bei dieser Zeremonie wurde der jüdischen Vergangenheit der Stadt gedacht, die durch den Holocaust tief betroffen war.
Trotz des hohen Alters von Daniel Heimann, dem letzten Überlebenden, wurde das Buch bereits veröffentlicht, da noch zehn Stolpersteine fehlen. Daniel Heimann, 98 Jahre alt und Enkel des ehemaligen Weidener Glasfabrikdirektors Isidor Adler, erhielt nach 82 Jahren ein Paket mit Dokumenten, die seine Familiengeschichte umfassen. Sein Vater und seine Mutter wurden in Vernichtungslagern ermordet, was seine Erinnerungen an einen turbulenten Teil der Geschichte umso schmerzlicher macht.
Die Zielsetzung des Buches
Das Buch enthält Portraits, Fotografien und Dokumente von jüdischen Familien, die während des Holocausts betroffen waren. Ascherl betont, dass ihr Werk einfach zu lesen sein soll und nicht wissenschaftlichen Charakter hat. Unterstützung erhielt sie von Historiker Sebastian Schott, der bei der Recherche half, sowie von Professor Michael Brenner, der bei der Suche nach Nachfahren tatkräftig zur Seite stand. Zu den Schicksalen, die beleuchtet werden, gehören unter anderem die Familien Hutzler und Kahn, die nach England emigrierten und dort als vermeintliche Spione verhaftet wurden.
Das jüngste Holocaust-Opfer in dem Buch ist die 13-jährige Hannelore Kahn. Ascherl hat in den letzten zwei Jahren unermüdlich an diesem Projekt gearbeitet, oft neben ihrem Alltag. Ihre Recherchen führten sie durch Online-Archive und Zeitzeugenberichte, um die Geschichten der jüdischen Familien zusammenzutragen und ein umfassendes Bild zu zeichnen.
Veranstaltungen und Perspektiven
Die offizielle Buchvorstellung ist für den 9. April 2024 im Kulturzentrum Hans Bauer geplant, der Eintritt ist kostenfrei. Zusätzlich sind Lesungen in Weiden, Pressath und Tirschenreuth in Vorbereitung. Am 30. April 2025 findet eine weitere Veranstaltungsreihe im Maria-Seltmann-Haus statt, die sich dem Thema der jüdischen Geschichte in Weiden vor und nach dem Zweiten Weltkrieg widmet. Vor dem Krieg lebten etwa 200 Juden in Weiden, verteilt auf rund 40 Familien. Nach 1945 überlebte keine der jüdischen Familien, und mindestens 56 Weidener Juden wurden während des Holocausts ermordet.
Das Buch von Christine Ascherl soll nicht nur der Erinnerung dienen, sondern auch als Mahnung gegenüber der fortwährenden Bedrohung, die Antisemitismus noch heute für Juden in Europa darstellt. Viele Überlebende erlitten nach dem Krieg erneut Verfolgung, insbesondere in kommunistischen Diktaturen Osteuropas.
Die Geschichten in Ascherls Buch sind Teil eines größeren Narrativs über die Herausforderungen und Schicksale jüdischer Familien, die durch politische Veränderungen und Kriege geprägt wurden. In diesem Kontext werden die Familienwege von elf jüdischen Familien detailliert thematisiert, was die Auswirkungen historisch-politischer Ereignisse auf das Leben der Juden in Europa verdeutlicht. Es ist ein wertvoller Beitrag zur Aufarbeitung und dem Verständnis jener Zeit.