
In Deutschland wird die Ungleichheit zwischen akademischer und beruflicher Bildung zunehmend zum Thema öffentlicher Diskussion. Während Universitäten eine vollständige staatliche Förderung für Investitionen erhalten, müssen Handwerkskammern einen Großteil ihrer Kosten selbst tragen. Dies führt zu einem spürbaren Nachwuchsproblem im Handwerk. Karl-Michael Hopf, Kreishandwerksmeister in Bayreuth, macht deutlich, dass die akademische Ausbildung als wertvoller angesehen wird, was das Ansehen des Handwerks beeinträchtigt. Dies zeigt, wie die Wahrnehmung der dualen Ausbildung unter dieser Ungleichbehandlung leidet. Kurier berichtet, dass dieser Trend langfristig negative Auswirkungen auf die Fachkräftesituation im Land haben könnte.
Aktuell fehlen im Handwerk rund 250.000 Fachkräfte, Tendenz steigend. Jährlich bleiben etwa 20.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Vor diesem Hintergrund wurde am 7. Februar eine umfassende Handwerkskampagne gestartet, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die zentralen Fragen der Kampagne lauten: „Was hindert so viele daran, Handwerk zum Beruf zu machen?“ Die Kampagne wird durch Plakate, TV-Spots und soziale Medien unterstützt und soll ein gesellschaftliches Umdenken fördern. Die Wahrnehmung des Handwerks als wertvoller Beruf muss gestärkt werden, so der Aufruf der Initiatoren. Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Herbst 2021 halten 93% der Deutschen das Handwerk für wichtig, doch nur 36% schätzen dessen Ansehen als hoch ein. Handwerksblatt informiert über diese Kampagne und die damit verbundenen Herausforderungen.
Handwerk im Kontext gesellschaftlicher Herausforderungen
Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Klimaschutz, Digitalisierung und die Modernisierung der Infrastruktur sind nur einige der Bereiche, in denen Handwerker gefordert sind. Diese Aspekte haben eine hohe Nachfrage nach handwerklichen Berufen zur Folge, die zudem eine niedrigere Arbeitslosenquote aufweisen als akademische Berufe. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer und Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein, betonen die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung und fordern mehr politische Anerkennung und Förderung der beruflichen Bildung.
Ein weiterer wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Fachkräftemangels könnte das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz sein, das von Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil vorgestellt wurde. Mit diesem Gesetz soll die Einwanderung qualifizierter Drittstaatsangehöriger um jährlich bis zu 60.000 Personen erhöht werden. Besonders die Einführung einer „Chancenkarte“ auf Basis eines Punktesystems könnte innovative Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern anziehen. ver.di berichtet darüber und sieht darin Potenzial, um die Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu schließen.
Insgesamt bleibt die Situation im Handwerk angespannt. Während viele die Bedeutung des Handwerks erkennen, zeigt sich ein dringender Handlungsbedarf. Politische Maßnahmen, gesellschaftliches Umdenken und gezielte Investitionen in die berufliche Bildung sind jetzt gefragt, um dem Fachkräftemangel wirksam entgegenzutreten.