Weihnachten im Gefängnis – ein ganz spezielles Fest, das viele Emotionen weckt. In der JVA Würzburg kümmern sich die Seelsorger:innen besonders um die Frauen, die hier ihre Weihnachtstage verbringen. Doris Schäfer, eine katholische Seelsorgerin der christlichen Gemeinschaft Sant’Egidio, ist seit Jahren mit Herzblut bei der Sache. „Keine der Frauen wollte Weihnachten im Gefängnis verbringen“, gesteht sie. Dennoch ist es ihr Ziel, den Insassinnen das Gefühl zu vermitteln, Teil einer großen Familie zu sein. Dabei organisiert Sant’Egidio weltweit Weihnachtsfeiern für Menschen, die sonst oft alleine wären, sei es in Altersheimen, auf der Straße oder eben hinter Gittern.
Am 24. Dezember wird in der JVA Würzburg nicht nur der Baum geschmückt und die Krippe aufgebaut, sondern es wird auch für ein besinnliches Miteinander gesorgt. So bietet sich den Frauen die Möglichkeit, das Weihnachtsfest in einem etwas anderen Rahmen zu erleben. „Die Hoffnung ist, dass diese Tradition auch nach meinem Ruhestand weitergeführt wird“, äußert Schäfer, deren Engagement im Gefängnis eine wertvolle Stütze für die Insassinnen darstellt.
Festliche Atmosphäre und Gemeinschaftsgeist
Die feierliche Stimmung ist jedoch nicht nur in der JVA Würzburg zu spüren. An Heiligabend und den beiden Feiertagen wird in der JVA Heilbronn ein besonderes Weihnachtsmenü serviert. Anstaltsleiter Andreas Vesenmaier legt großen Wert darauf, dass auch die Gefangenen an festlichen Feierlichkeiten teilnehmen. „Die Mahlzeiten werden zwar aus Sicherheitsgründen in den Zellen eingenommen, aber der Weihnachtsgottesdienst in der JVA-Kirche bringt die Insassen zusammen“, berichtet Vesenmaier. Die Kirche wird von den Gefangenen dekoriert, und sogar ein Chor singt während des Gottesdienstes.
Während der Adventszeit haben die Insassen die Möglichkeit, sich in geselligen Aktivitäten zu üben, an Freizeitgruppen teilzunehmen und Ehrenamtliche zu empfangen. Was viele Gefangene emotional besonders bewegt, ist die Tatsache, dass es einige gibt, die noch nie von Weihnachten gehört haben oder den Glanz des Festes draußen vermissen. „Die sozialen Kontakte sind wichtig für die Resozialisierung“, betont Vesenmaier und weist darauf hin, dass während der Weihnachtszeit zusätzliche Besuche für die Gefangenen möglich sind, um diese Bindungen zu stärken.
Vielfalt der Feste im Gefängnis
In der JVA Heimsheim, die insgesamt 600 Gefangene beherbergt, ist der Weihnachtsbaum im Flur ein sichtbares Zeichen für die festliche Zeit. Der Insasse Sandor verbringt seine erste Weihnachtszeit in der 20 Quadratmeter großen Zelle und plant, diese Zeit mit Lesen und Fernsehen zu verbringen. „Manchmal hilft es, sich mit Arbeit abzulenken“, berichtet er. Justizbeamte registrieren eine klare Stimmungsschwankung unter den Gefangenen in dieser emotionalen Zeit. „Wir merken, dass viele gesprächsbedürftig sind“, erzählt Justizdienstleiter Steffen Schelenz. Auch spezielle Angebote wie Sportturniere oder Weihnachtsgottesdienste tragen dazu bei, diesen besonderen Tagen eine gewisse Normalität zu verleihen.
Die verschiedenen Feste in den Justizvollzugsanstalten zeigen eindrucksvoll, dass auch in schwierigen Zeiten Gemeinschaft und Miteinander aufrecht erhalten werden. In diesem Jahr wurden in Baden-Württemberg zudem 201 Gefangene durch die Weihnachtsamnestie begünstigt, die die humanitären Aspekte der Feiertage unterstreicht und Obdachlosigkeit über Weihnachten verhindern soll.
So unterschiedlich die Geschichten und Erlebnisse in den verschiedenen JVA sind, bleibt am Ende das gleiche Gefühl: Weihnachten ist ein Fest der Hoffnung, Gemeinschaft und Menschlichkeit – auch und gerade in der JVA.
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