In der heutigen digitalisierten Welt sind Kommunikationsnetze von zentraler Bedeutung für unsere tägliche Interaktion, sei es beim Telefonieren, Surfen im Internet oder bei digitalen Arbeitsprozessen. Die Herausforderung, solche Netzwerke zu überwachen und zu optimieren, wird insbesondere bei größeren Netzen mit über 10.000 Knoten immer komplexer. Hier kommen die sogenannten „Network Digital Twins“ (NDT) ins Spiel, die als digitale Zwillinge physischer Netze fungieren und in nahezu Echtzeit betrieben werden können. Ein Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat sich dieser Technologie angenommen und arbeitet seit Januar 2025 an einem NDT-Projekt, das vom Bayerischen Verbundforschungsprogramm gefördert wird. Projektpartner ist die Würzburger Firma Infosim GmbH & Co. KG, die auf Network Management Systeme spezialisiert ist.
Die grundlegende Idee hinter NDTs ist es, Simulationen, Analysen und Optimierungen durchzuführen sowie potenzielle Probleme in Netzwerken zu identifizieren. Ein funktionierender Topologie-Generator, der die Anordnung von Geräten in einem Netzwerk darstellt, wurde bereits entwickelt. Dieser Generator ermöglicht es, potenzielle nationale Netze basierend auf Bevölkerungsdaten zu konzipieren und hat auf der NetSys-Konferenz 2025 in Ilmenau großen Zuspruch gefunden. Der NDT-Generator bietet somit eine wertvolle Grundlage für zukünftige Netz-Optimierungen durch Internet-Anbieter.
Technische Grundlagen und Komponenten
Die Architektur eines Network Digital Twins umfasst vier Hauptklassen: Daten, Modelle, Schnittstellen und Zuordnungen. Zu den Kernkomponenten eines NDT gehören das Datenrepository, das alle Netzwerkdaten sammelt und speichert, sowie das Management-System, das die NDT-Operationen überwacht und die Leistung sowie den Ressourcenverbrauch kontrolliert. Das Datenrepository bezieht seine Informationen über Eingabeschnittstellen von den Netzwerk-Elementen, während die Service Mapping Models sowohl grundlegende als auch funktionale Modelle bereitstellen, die für Analysen, Diagnosen und Prognosen genutzt werden können. Diese Modelle können je nach Netzwerktyp und Funktionalität angepasst werden, was die Flexibilität und Anwendbarkeit der Technologie erhöht.
Die digitale Nachbildung eines physischen Netzwerks, wie sie durch NDTs ermöglicht wird, hat das Potenzial, das Management von Telekommunikationsnetzen erheblich zu revolutionieren. Betreiber können Änderungen und Optimierungen durch Simulationen testen, bevor sie in das Live-Netzwerk implementiert werden, was eine proaktive Problemerkennung und -behebung ermöglicht. Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in diesen Prozess erlaubt es, große Datenmengen effizient zu analysieren und prädiktive Analysen durchzuführen.
Herausforderungen und Zukunftsausblick
Trotz der vielversprechenden Möglichkeiten, die NDTs bieten, stehen die Betreiber vor Herausforderungen wie Datenmanagement, Interoperabilität und Sicherheit. Auch menschliche Faktoren und organisatorische Barrieren spielen eine Rolle. Die Telekommunikationsbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, insbesondere mit der Entwicklung von 5G und der bevorstehenden Einführung von 6G. Bis 2030 wird die Anzahl vernetzter Geräte voraussichtlich auf 30 bis 40 Milliarden ansteigen, was die Notwendigkeit für innovative Netzwerkmanagement-Lösungen weiter verstärkt.
Zusammengefasst ermöglichen NDTs eine Transformation von reaktiven zu proaktiven, intelligenten Systemen in der Telekommunikation. Sie bieten kontinuierliche Transparenz, antizipieren Probleme und fördern schnelle Entscheidungen, wodurch die Ausfallsicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit in Telekommunikationsnetzen signifikant gesteigert werden können. Die Entwicklung und Umsetzung dieser Technologien wird entscheidend für die Zukunft der Telekommunikation sein, insbesondere in einer Zeit, in der die Anforderungen an Netzwerke ständig steigen.



