In der beschaulichen Stadt Weiden in der Oberpfalz hat eine bedeutende Veränderung in der Militärseelsorge stattgefunden. Günter Daum wurde als neuer evangelischer Militärpfarrer in der Major-Radloff-Kaserne eingeführt. Der feierliche Akt fand im Rahmen eines Festgottesdienstes unter der Leitung von Militärbischof Bernhard Felmberg statt. Daum bringt eine Vielzahl an Erfahrungen aus der Bundeswehr, Auslandsdiensten und dem Rettungsdienst mit. In seiner neuen Rolle betont er die Wichtigkeit des Respekts, der für die Ausübung seiner Aufgaben unerlässlich ist. Neben Weiden wird Daum auch in den Standorten Bayreuth, Grafenwöhr, Hof und Schwarzenbach am Wald tätig sein.

Die Herausforderung, die Daum annehmen muss, ist das Spannungsfeld zwischen der christlichen Botschaft der Nächstenliebe und dem Dienst an der Waffe. Militärbischof Felmberg erklärte, dass der Widerspruch zwischen Nächstenliebe und Gewalt im Dienst vereinbar sei, da Christen dazu aufgerufen sind, Menschen zu schützen. Laut einer Studie der evangelischen Militärseelsorge betreffen die Themen, die Soldaten anvertrauen, häufig alltägliche Belastungen wie Fernbeziehungen, Überforderung, Geldsorgen oder Trauer. Daum ist bereit, für alles da zu sein, was Soldaten ihm anvertrauen, und dies stets unter Wahrung des Seelsorgegeheimnisses.

Die Rolle der Militärseelsorge

Aktuell arbeiten etwa 200 Seelsorger aus drei Religionsgemeinschaften – evangelische Kirche, katholische Kirche und Judentum – in der Bundeswehr. Diese Seelsorger haben die Aufgabe, den Soldaten zu ermöglichen, ihren Glauben auch in Einsätzen zu praktizieren. Die evangelische Kirche sucht Soldaten an 90 Standorten der Bundeswehr und in Auslandseinsätzen auf. Seit Oktober 2020 leitet Bernhard Felmberg als Evangelischer Militärbischof die Militärseelsorge und engagiert sich für die Unterstützung bei ethischen Fragen, insbesondere zur Berechtigung des Waffeneinsatzes und der Friedenssuche.

Die Militärseelsorge in Deutschland ist einzigartig, da die Militärgeistlichen außerhalb der Kommandostruktur der Bundeswehr stehen und sich sowohl weltlichen als auch religiösen Anliegen widmen. Ihre Arbeit umfasst das Feiern von Gottesdiensten an Standorten und die Organisation eines kompletten Gemeindelebens in Auslandseinsätzen. Zudem bieten sie „Lebenskundlichen Unterricht“ im Rahmen der soldatischen Ausbildung an, um die inneren Belastungen von Auslandseinsätzen zu verarbeiten.

Kritik und Herausforderungen

Obwohl die Militärseelsorge in der Bundeswehr weitgehend positiv bewertet wird – 91% der Soldaten im Grundbetrieb und 95% im Einsatz äußern sich zustimmend – gibt es auch kritische Stimmen. Soziologin Petra-Angela Ahrens hebt hervor, dass solche hohen Zustimmungsraten in der empirischen Forschung eher selten sind. Dennoch ist rund die Hälfte der Bundeswehrsoldaten konfessionslos, was Kritik an der bestehenden Seelsorge auslöst. Kritiker fordern zusätzliche, weltanschaulich neutrale Angebote, und Sven Thale vom Humanistischen Verband schlägt ein Pilotprojekt mit etwa zehn humanistischen Seelsorgern vor, um diesem Bedarf gerecht zu werden.

In den Niederlanden sind bereits 25% der Militärseelsorger humanistisch, was zeigt, dass es auch alternative Ansätze zur Unterstützung von Soldaten gibt. In Deutschland sind die Herausforderungen aufgrund der wachsenden Zahl aktiver Soldatinnen und Soldaten, die von 180.000 auf 260.000 steigen soll, nicht zu unterschätzen. Militärbischof Felmberg weist darauf hin, dass es problematisch ist, dass in Auslandseinsätzen monatelang kein Seelsorger vor Ort ist, wenn kein Militärgeistlicher anwesend ist.

Die Militärseelsorge bleibt also ein wichtiges, wenn auch herausforderndes Feld, in dem die Balance zwischen Glauben, Dienst und den realen Herausforderungen des Soldatenlebens gefunden werden muss. Der neue Militärpfarrer Günter Daum wird zweifellos eine wesentliche Rolle in dieser sensiblen Aufgabe spielen. Weitere Informationen zu seiner Einführung und den Aufgaben der Militärseelsorge finden Sie unter OTV, und zur Rolle des Militärbischofs unter EKD. Für eine tiefere Analyse der aktuellen Herausforderungen in der Militärseelsorge und deren Bewertung besuchen Sie bitte MDR.