Im Landkreis Tirschenreuth wird der Fachkräftemangel immer drängender. Der aktuelle „Fachkräftereport 2026“, veröffentlicht durch das Bildungsbüro des Landkreises, hebt hervor, dass die demografischen Veränderungen eine zentrale Rolle in dieser Entwicklung spielen. Bis zum Jahr 2043 wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter im Landkreis spürbar sinken. Viele Beschäftigte stehen kurz vor dem Ruhestand; ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer ist bereits über 55 Jahre alt. Trotz einer seit Jahren stabilen, niedrigen Arbeitslosenquote hat sich die durchschnittliche Dauer zur Besetzung offener Stellen nahezu verdoppelt. Besonders betroffen sind die Branchen des verarbeitenden Gewerbes, des Bauwesens, des Handels sowie der Gesundheits- und Sozialbereich. Auch der Ausbildungsmarkt zeigt Herausforderungen, da zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben und viele junge Menschen in andere Regionen pendeln, um Arbeit oder Ausbildung zu finden.

Besonders erfreulich ist jedoch die steigende Zahl der Einpendler und die überwiegend positive Wanderungsbilanz im Landkreis. Landrat Roland Grillmeier betont die Relevanz des Berichts für die strategische Ausrichtung des Landkreises und nennt die Ziele, die Ausbildung zu stärken, die Zuwanderung zu gestalten und die Region für Fachkräfte attraktiv zu halten. Den vollständigen Bericht finden Interessierte online unter www.kreis-tir.de/bildung, gedruckte Exemplare können per E-Mail bestellt werden. Für fachliche Auskünfte steht Dr. Wolfgang Heß, Bildungsmonitorer, zur Verfügung. Der Bericht ist Teil des Bundesprogramms „Bildungskommunen“, das durch das Bundesministerium für Bildung und den Europäischen Sozialfonds gefördert wird.

Fachkräftemangel in ganz Deutschland

Der Fachkräftemangel ist nicht nur ein Problem im Landkreis Tirschenreuth, sondern betrifft viele Unternehmen in ganz Deutschland. Laut dem Fachkräftereport der DIHK haben 36% der fast 22.000 befragten Unternehmen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen, weil geeignetes Personal fehlt. Dieser Anteil hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozentpunkte verringert, bleibt jedoch angespannt. Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind betroffen: Über 40% haben Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der DIHK, warnt vor einer trügerischen Entspannung in Bezug auf den Fachkräftemangel.

83% der Unternehmen erwarten in den kommenden Jahren negative Auswirkungen durch den Mangel an Arbeits- und Fachkräften, was ein Anstieg im Vergleich zu 2023 ist. Die häufigsten Sorgen beziehen sich auf steigende Arbeitskosten (63%) und die Mehrbelastungen für die Belegschaft (55%). Zudem wird der Verlust betriebsspezifischen Wissens durch das altersbedingte Ausscheiden erfahrener Mitarbeiter als ernstes Problem angesehen. Besonders gefragt sind Fachkräfte mit dualer Berufsausbildung; 57% der Unternehmen mit Besetzungsproblemen finden keine geeigneten Bewerber in diesem Segment. Dercks betont die Notwendigkeit, alle Potenziale zu heben, einschließlich Weiterbildung, Zuwanderung und der Beschäftigung älterer Menschen.

Strategien zur Fachkräftesicherung

Die Bundesregierung hat bereits Maßnahmen ergriffen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dazu gehört die Aktivrente, die einen ersten Schritt zur Beschäftigung älterer Menschen darstellt. Auch die Arbeits- und Fachkräftezuwanderung aus dem Ausland wird als wichtiges Instrument zur Fachkräftesicherung hervorgehoben. Dercks fordert transparente Zuwanderungsregelungen und effiziente Verwaltungsverfahren, um diesen Prozess zu erleichtern. Geplant ist eine digitale „Work-and-stay-Agentur“ (WSA), die als zentrale Anlaufstelle für Zuwanderungsanträge dienen soll.

Ein Blick auf die Mittelfristprognose des Fachkräftemonitorings zeigt, dass bis 2029 rund 530.000 Fachkräfte in Deutschland fehlen könnten. Die Prognose berücksichtigt Faktoren wie Digitalisierung, Klimawandel und die Energiewende und identifiziert Fokusberufe mit potenziellen Engpässen. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Nicht-Deutschen könnte langfristig positive Effekte auf das Arbeitskräfteangebot haben. Darüber hinaus wird Weiterbildung als entscheidend angesehen, um den Mismatch zwischen Qualifikationen und Anforderungen zu vermeiden. Der Strukturwandel, verstärkt durch Demografie, Digitalisierung und Dekarbonisierung, führt zu Fachkräfteengpässen, die dringend angegangen werden müssen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Fachkräftemangel eine zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre darstellt. Sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene sind gezielte Maßnahmen und Strategien notwendig, um die Situation zu verbessern und die Region sowie das Land attraktiv für Fachkräfte zu halten. Weitere Informationen finden Sie im Fachkräftereport der DIHK unter dihk.de und im Fachkräftemonitoring des BMAS unter bmas.de.