Im schönen Starnberg brodelt es: Die Haushaltsberatungen sind in vollem Gang und schon heute zeichnet sich ab, dass die Kommune vor enormen finanziellen Herausforderungen steht. Bürgermeister Patrick Janik fasst die Lage treffend zusammen, indem er sie als „dramatisch“ bezeichnet. Das war nicht immer so, denn in der Vergangenheit hatte Starnberg mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich durch eine Kombination aus knappen Kassen, steigenden Pflichtaufgaben und massiv steigenden Kreisumlagen verschärften. So beträgt die Kreisumlage in diesem Jahr alarmierende 26,4 Millionen Euro und bleibt ein strittiges Thema, das weiterhin ungelöst ist.

Der Stadtrat hat den Haushaltsplan für 2026 nun mit einem Gesamtvolumen von 143,6 Millionen Euro verabschiedet – ein absoluter Rekordwert. Doch die Planung für die kommenden Jahre zeigt sich als wackelig, mit hohen Kreditaufnahmen, die abgelehnt wurden. Ab 2027 könnte die Stadt in Schwierigkeiten geraten, einen genehmigungsfähigen Haushalt vorzulegen, so Stadtkämmerer Florian Forster. In ihm sah man den Wendepunkt in der Finanzgeschichte Starnbergs – dabei droht der Schuldenstand bis zum Jahresende auf 21 Millionen Euro zu steigen und könnte bis 2029 sogar auf schwindelerregende 50 Millionen Euro anwachsen, wodurch die Pro-Kopf-Verschuldung von aktuell 450 Euro auf 833 Euro, dem Landesdurchschnitt, steigen könnte. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über diese besorgniserregenden Entwicklungen.

Die Grundpfeiler des Haushalts

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wo das Geld hinfließt. Im Verwaltungshaushalt, der auf 100,7 Millionen Euro anwächst, sind die größten Einnahmeposten die Gewerbesteuer mit 25,6 Millionen Euro und die Beteiligung an der Einkommensteuer mit 25,2 Millionen Euro. Doch die Ausgaben blasen ebenfalls auf: Die Kreisumlage und Personalkosten alleine summieren sich auf 25,6 Millionen Euro. All diese Faktoren führen dazu, dass die Rücklagen auf mageren sechs Millionen Euro schrumpfen. Der Stadtkämmerer sieht die Notwendigkeit zur Konsolidierung, um die rechtlichen Anforderungen an die Haushaltswirtschaft zu erfüllen.

Was den Bürgern Sorgen bereitet, ist die drohende Einsparungen in freiwilligen Leistungen. Zuwendungen an Sport, Kultur und karitative Einrichtungen stehen auf der Kippe und könnten in der Zukunft stark gefährdet sein.Der Kreisfinanzbericht aus Baden-Württemberg zeigt, dass die Situation auch bei den Nachbarn alles andere als rosig aussieht. Dort können 89 Prozent der Landkreise ihre Aufwendungen nicht mehr aus laufenden Erträgen decken. Ein klarer Appell wird an die Staatsebene gerichtet, die kommunale Selbstverwaltung und -verantwortung durch Reformen zu sichern.

Ein negativer Trend

Die desolate Lage der Finanzen wird durch den jüngsten „Kommunalen Finanzreport 2025“ der Bertelsmann Stiftung verstärkt. Dieser berichtet von einem flächendeckenden Einbruch der Finanzlage der Kommunen in Deutschland, wo Steuereinnahmen aufgrund einer schwachen Konjunktur stagnieren. Die Ausgaben für Personal, Sachaufwand und soziale Aufgaben wachsen ungebremst weiter. Auch hier zeigt sich, dass ohne eine umfassende Reform der kommunalen Finanzen die Handlungsfähigkeit schwer eingeschränkt bleibt. Die Bertelsmann Stiftung macht deutlich, wie dringend ein Umdenken nötig ist, um diese strukturellen Probleme richtig anzugehen.

Starnberg steht also vor einer Weggabelung: Auf der einen Seite der Drang, an den notwendigen Investitionen festzuhalten, auf der anderen Seite die drängenden Fragen der finanziellen Stabilität. Die kommenden Monate und Jahre werden entscheidend sein, ob die Stadt sich aus diesem finanziellen Dilemma befreien kann oder ob die Herausforderungen noch größer werden.