In einem spannenden Austausch trafen sich Mitglieder des IHK-Gremiums Rottal-Inn mit dem Bundestagsdirektabgeordneten Günter Baumgartner im Digitalen Gründerzentrum GREG in Pfarrkirchen. Bei der Sitzung am 7. Dezember 2025 standen wichtige Themen auf der Agenda, wie Bürokratie, Energiekosten, steigende Sozialabgaben und regionale Anliegen. Laut dem Bericht von PNP betonte Baumgartner dabei die Notwendigkeit eines Lückenschlusses für den Verkehr in der Region Rottal-Inn. Er zeigte sich optimistisch über Fortschritte in der Planung, dank regelmäßiger Gespräche mit dem Verkehrsministerium.
Allerdings kam aus dem Gremium auch deutliche Kritik. Der schleppende Fortschritt wurde als symptomatisch für die gesamte deutsche Bürokratie bezeichnet. Neben den Verkehrsanliegen, war die Diskussion über mögliche Windkraftanlagen im Landkreis ein weiterer zentraler Punkt. Hier trifft der große Energiebedarf auf die touristische Attraktivität, was zu Spannungen in der Akzeptanz vor Ort führt.
Energiewende im Fokus
Im Landkreis wird bereits ein Vielfaches des Eigenbedarfs an erneuerbaren Energien durch Photovoltaik erzeugt. Dennoch forderten die Unternehmer eine funktionierende Energiewende sowie leistungsfähige Stromtrassen. Die steigende Belastung durch Vorschriften und Dokumentationspflichten wurde als ein enormes Problem für mittelständische Betriebe identifiziert. Während große Konzerne die komplexen Vorgaben besser meistern können, sieht der Mittelstand seine Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.
Michaela Baumgartner, IHK-Vizepräsidentin, äußerte ihre Besorgnis über die zunehmende Komplexität der Regularien und stellte fest, dass Bürokratie, steigende Arbeitskosten und Sozialabgaben erhebliche Risiken für Unternehmen darstellen. Die Gremiumsmitglieder forderten Reformen beim Bürgergeld und anderen Transferleistungen, um Arbeit attraktiver zu gestalten und damit dem gesamtwirtschaftlichen Stillstand entgegenzuwirken.
Herausforderungen der Genehmigungsverfahren
Diese Sorgen über die gesamtwirtschaftliche Lage spiegeln sich auch in nationalen Statistiken wider. Laut einer Analyse von Tagesschau hat die Bundesregierung bis 2030 das Ziel, 80% des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen, insbesondere durch Windenergie. Aktuell wurde jedoch nur etwa 20% der Ausbauziele erreicht. Die langwierigen Genehmigungsverfahren und überlasteten Behörden sind die Hauptgründe für das Verfehlen dieser Ziele. Genehmigungsverfahren haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, wobei die durchschnittliche Dauer mittlerweile fast 26 Monate beträgt.
Wie Landrat Dirk Neubauer aus Mittelsachsen berichtet, können diese Verfahren sogar bis zu sieben Jahre in Anspruch nehmen, was den Ausbau der Windkraft erheblich behindert. Fast 60% der Unternehmen planen, in Zukunft nicht mehr in Deutschland zu investieren, was die besorgniserregende Situation untermauert.
Um die Genehmigungsprozesse zu beschleunigen, plant das Landratsamt in Mittelsachsen, bereits im Vorfeld Ausgleichsmaßnahmen zu schaffen. Experten wie Sozialpsychologe Oliver Decker weisen darauf hin, dass der Rückzug des Staates aus ländlichen Regionen auch zur Erschwerung der Bürokratie geführt hat.
Die IHK-Führung sieht Handlungsbedarf in Bereichen wie Infrastruktur, Energie, Bürokratie und Arbeitsbedingungen. IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner prognostiziert kein nennenswertes Wachstum in diesem Jahrzehnt und setzt die Hoffnung auf Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen, um zukünftige Investitionen und damit das Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln.



