Heute, am 8. Februar 2026, fand eine aufschlussreiche Sitzung des DGB-Kreisverbands im Landkreis Rottal-Inn statt, bei der die Kandidierenden für das Amt des Landrats zu Gast waren. Diese Versammlung bot eine wertvolle Plattform, um die Belange der Arbeitnehmer zu diskutieren und die Ansichten der verschiedenen Kandidaten zu erfahren. Unter den Anwesenden waren Benjamin Lettl von der SPD, Martin Koppmann von den Freien Wählern (FW), Larissa Hausberger von den Grünen und Sepp Rettenbeck von der ödp. Der DGB-Kreisvorsitzende Thomas Asböck betonte in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung einer starken Vertretung der Arbeitnehmerinteressen und einer soliden öffentlichen Daseinsvorsorge.

In einer Zeit, in der der Fachkräftemangel und die medizinische Versorgung zentrale Themen sind, wurde deutlich, dass alle Kandidaten Handlungsbedarf in diesen Bereichen erkennen. Die Diskussion um Finanzierung und personelle Unterlegung der Ziele war ein weiterer Punkt, der die Anwesenden beschäftigte. Die AfD war bei diesem Treffen nicht vertreten, da ihr Kandidat nicht eingeladen wurde, und auch der amtierende Landrat Michael Fahmüller von der CSU konnte aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen.

Positionen der Kandidaten

Benjamin Lettl von der SPD stellte sein Leitmotiv „Gemeinsam. Gerecht. Zukunftsstark.“ vor und fokussierte sich auf die Ansiedlung von Gewerben sowie die Förderung der Wirtschaft, um krisenfeste Arbeitsplätze zu schaffen. Ein wichtiges Anliegen ist die Modernisierung der Verwaltung, einschließlich schnellerer Genehmigungsverfahren und digitaler Ausstattung. Lettl betonte auch die Notwendigkeit, die Bildung durch moderne Schulen und verlässliche Schülerbeförderung zu verbessern und eine Mitgliedschaft im MVV zu prüfen, um den öffentlichen Nahverkehr zu optimieren.

Martin Koppmann von den Freien Wählern forderte einen neuen Politikstil und wirtschaftliche Stabilität. Er sprach sich für den Abbau von Bürokratie und die Unterstützung von Firmenübergaben aus, um die medizinische Versorgung zu sichern, insbesondere im Hinblick auf den Ärztemangel. Zudem betonte er die Bedeutung von Anreizsystemen zur Fachkräftesicherung in der Erziehung.

Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung

Larissa Hausberger von den Grünen setzte einen klaren Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und sozialen Zusammenhalt. Hierzu gehört der Aufbau eines Frauenhauses und eines zentralen Pflegestützpunkts sowie die Förderung regenerativer Energieversorgung. Sie sprach sich auch für die Verbesserung der Mobilität durch sichere Radwege und ein Rufbus-System aus, um die Erreichbarkeit im Landkreis zu erhöhen. Ein offener Führungsstil im öffentlichen Dienst sowie transparente Entscheidungsprozesse waren weitere zentrale Punkte ihrer Agenda.

Sepp Rettenbeck von der ödp, der auf eine fast 25-jährige Erfahrung in der Kreispolitik zurückblicken kann, forderte den Erhalt der Kliniken in öffentlicher Hand und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Auch er hob die Dringlichkeit der Glasfasererschließung und die Elektrifizierung der Bahnlinie nach Simbach hervor. Die Verbesserung des ÖPNV für Auszubildende und Senioren stand ebenfalls auf seiner Liste der Prioritäten.

Fachkräfte finden und fördern

Parallel zu den politischen Diskussionen im Landkreis Rottal-Inn startete das Forum Unternehmertum unter dem Jahresthema „Fachkräfte finden. Halten. Fördern.“ Hierzu sind Unternehmerinnen und Unternehmer, Selbstständige sowie Führungskräfte eingeladen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Thorsten Moortz, ein Experte für Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen, wird als Hauptredner auftreten und zeigen, wie soziale Medien wie TikTok und Instagram genutzt werden können, um als Arbeitgeber sichtbarer zu werden und passende Mitarbeitende zu gewinnen. Die Teilnahme am Forum ist kostenfrei, jedoch ist eine Anmeldung erforderlich.

Diese Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Fachkräftemangel in Deutschland als drängendes Problem wahrgenommen wird. Laut dem Fachkräftemonitoring des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wird bis 2029 mit einem Mangel von rund 530.000 Fachkräften gerechnet. Besonders betroffen sind strukturschwache Regionen, in denen die Erwerbsbeteiligung von Frauen, Nicht-Deutschen und älteren Arbeitnehmern gezielt erhöht werden könnte, um den Bedarf zu decken.

In diesem Kontext ist die Vernetzung von Unternehmen und die Schaffung eines attraktiven Arbeitsumfeldes von entscheidender Bedeutung. Die in der DGB-Sitzung angesprochenen Themen spiegeln die Herausforderungen wider, vor denen der Landkreis steht. Es bleibt abzuwarten, wie die zukünftigen Landratskandidaten ihre Visionen umsetzen und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Arbeitsmarktsituation in Rottal-Inn nachhaltig zu verbessern.