20 Jahre Polio-Selbsthilfe: Gemeinsam stark in Rottal-Inn!

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Jubiläum der Polio-Selbsthilfegruppe Rottal-Inn: 20 Jahre Gemeinschaft für Betroffene, gefeiert in Pfarrkirchen mit Ehrengästen.

Jubiläum der Polio-Selbsthilfegruppe Rottal-Inn: 20 Jahre Gemeinschaft für Betroffene, gefeiert in Pfarrkirchen mit Ehrengästen.
Jubiläum der Polio-Selbsthilfegruppe Rottal-Inn: 20 Jahre Gemeinschaft für Betroffene, gefeiert in Pfarrkirchen mit Ehrengästen.

20 Jahre Polio-Selbsthilfe: Gemeinsam stark in Rottal-Inn!

Das 20-jährige Bestehen der Polio Selbsthilfegruppe Rottal-Inn wurde kürzlich mit einer festlichen Jubiläumsfeier in der Stadthalle Pfarrkirchen begangen. Unter den Ehrengästen befand sich unter anderem der stellvertretende Landrat Kurt Valleé, der in seiner Ansprache die bedeutende Rolle der Gruppe hervorhob. „Gemeinschaft ist das A und O, besonders für die Betroffenen von Polio und dem Post-Polio-Syndrom“, betonte Traudl Meister, die Sprecherin der Gruppe und selbst betroffen. Auch Anne Rausch vom Landesverband Bayern lobte die Arbeit der Selbsthilfegruppen als essenziell für die Lebensqualität der Betroffenen und sagte: „Ohne euch wäre vieles nicht möglich.“

Die Veranstaltung war nicht nur gut besucht, sondern wurde auch musikalisch durch den Gospelchor Pfarrkirchen und die „Rottaler Polio Gang“ gestaltet. Höhepunkt der Zeremonie war die Überreichung eines Schecks durch Valleé als Dank für das ehrenamtliche Engagement der Gruppe, ein Zeichen der Wertschätzung für die Unterstützung, die sie für Menschen mit Langzeitfolgen der Kinderlähmung leisten.

Ein Blick auf die Geschichte der Polio

Poliomyelitis, meist einfach als Polio bezeichnet, zählt zu den gefährlichen Infektionskrankheiten, die vor allem durch die hochinfektiösen Polio-Viren verursacht werden. Ansteckung erfolgt vorwiegend über Schmierinfektionen, und dennoch zeigt ein Großteil der Erkrankten keine spezifischen Symptome. Bei etwa 0,5% der Infizierten entwickelt sich das Vollbild der Kinderlähmung, das oft schwere Lähmungen zur Folge hat, die nicht selten auch nach einer akuten Erkrankung zurückbleiben können, wie die Experts berichten.

Fast jede Kinderlähmungsinfektion hinterlässt Schäden im zentralen Nervensystem. Etwa 80% der Betroffenen mit Lähmungsfolgen entwickeln nach durchschnittlich 35 Jahren das Post-Polio-Syndrom (PPS), eine chronische Erkrankung, die mit neuen Schwächen und Lähmungen einhergehen kann. Dr. med. Axel Ruetz, als Festredner bei der Jubiläumsfeier anwesend, erklärte, dass PPS nicht ansteckend ist, aber dennoch erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität mit sich bringt. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht überlasten, denn auch eine Normalbelastung kann bei uns zu einer Überlastung führen“, so Ruetz.

Die heutige Relevanz der Selbsthilfe

Die Selbsthilfegruppe in Rottal-Inn hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten als wichtige Anlaufstelle für Betroffene etabliert. In Deutschland leiden noch etwa 50.000 Menschen an den Folgeschäden von Polio, die oft in Form des PPS auftreten. Dies zeigt einmal mehr, wie wichtig die Arbeit solcher Gruppen ist. Christine Cwik, stellvertretende Heimleiterin vom Alten- und Pflegeheim St. Vinzenz, drückte dies aus, indem sie Blumen an Traudl Meister überreichte, um die Hingabe der Gruppe zu würdigen.

Diese Feier wies nicht nur auf die Bedeutung der Gemeinschaft hin, sondern auch auf die Herausforderungen, die sich aus den Langzeitfolgen von Polio ergeben. Die Veranstaltung wurde durch eine Gedenkfeier für die Verstorbenen der Polio Rottal-Inn ergänzt, bei der Kaplan Stefan Jell sowie Mitglieder der Selbsthilfegruppe Fürbitten vortrugen und Kerzen entzündeten. „Wir vergessen die, die es nicht geschafft haben, nie“, so ein Gruppenmitglied.

Alles in allem kann die Selbsthilfegruppe mit Stolz auf zwei Jahrzehnte voller Engagement und Unterstützung zurückblicken, und die Herausforderungen, die das Post-Polio-Syndrom mit sich bringt, bleiben auch künftig ein zentrales Thema. Denn obwohl die Impfungen große Erfolge gegen Polio erzielt haben, ist das Thema längst nicht Geschichte – es bleibt weiterhin aktuell, und die Zusammenarbeit in der Gemeinschaft ist entscheidend.