In Regensburg hat das Bistum Regensburg am 20. Februar 2026 einen bedeutenden Schritt in Richtung digitale Seelsorge unternommen. Die Hauptabteilung Seelsorge wurde erweitert und die „Fachstelle Medien & Digitales“ in „Fachstelle Medien & Digitalpastoral“ umbenannt. Dies ist nicht nur eine einfache Namensänderung, sondern spiegelt ein tiefgreifendes Ziel wider: die Verbindung von digitaler Bildung mit pastoralem Handeln. Die Fachstelle ist eine der ersten im deutschsprachigen Raum, die den Titel „Digitalpastoral“ trägt. Sie wird als Ergänzung zu traditionellen kirchlichen Angeboten betrachtet und fokussiert sich auf die Seelsorge in digitalen Räumen, wo Menschen ihren Alltag gestalten.

Die Technik wird dabei als Brücke für Begegnungen und Austausch genutzt. Digitale Räume sollen als kirchliche Handlungsräume verstanden werden, die eigene Kommunikationsregeln besitzen. Ein zentrales Anliegen der pastoralen Arbeit ist es, den Dialog auf Augenhöhe zu fördern und digitale Räume für Gottesbegegnung und Glaubenskommunikation zu öffnen. Die Fachstelle unterstützt pastorale Multiplikatoren durch Qualifizierung und Begleitung und vermittelt KI-Kompetenz als zentralen Bestandteil der Neuausrichtung. Dieses Engagement schließt auch die Unterstützung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der ethischen Bewertung des KI-Einsatzes ein.

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz in der Kirche

Ein interessantes Beispiel für den Einsatz von KI in der Kirche bietet Christoph Martsch-Grunau, der als Digitalpfarrer in Delmenhorst tätig ist. Er leitet Workshops über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und ist der erste Pastor in der oldenburgischen Kirche mit einem eigenen Stellenanteil als „Digitalpastor“. Martsch-Grunau begann bereits 2022 mit dem Einsatz von KI, bevor ChatGPT im Dezember 2022 veröffentlicht wurde. Seine Erfahrungen reichen von der Erstellung von Predigtentwürfen bis hin zu Ablaufplänen für den Konfirmandenunterricht und sogar Vorlagen für T-Shirts.

Die Rückmeldungen aus seinen Workshops sind gemischt. Während einige Teilnehmende positive Erfahrungen machen, zeigen sich andere mit den Ergebnissen unzufrieden. Martsch-Grunau betont, dass ein bewusster Umgang mit KI wichtig ist und dass nicht alle Mitarbeitenden der Kirche diese Technologie nutzen müssen. Seelsorgerliche Gespräche könne KI zudem nicht ersetzen. Er schließt seine Workshops mit der biblischen Jahreslosung: „Prüft alles, das Gute behaltet.“

Empfehlungen für den Umgang mit KI

Das Thema Künstliche Intelligenz in der Kirche wird auch in einem 78-seitigen Arbeitspapier der Schweizerischen Evangelischen Allianz behandelt. Dieses Dokument richtet sich an kirchliche Mitarbeiter, insbesondere an Führungspersonen, und bietet einen Überblick über die Definition und Funktionsweise von KI sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Technologie. Der erste Teil des Papiers bietet eine theologische Perspektive auf KI in 11 Thesen, die unter anderem die gesellschaftliche Bedeutung der Technologie und die Bewertung im Kontext des christlichen Menschenbildes beleuchtet.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Empfehlungen für Leitungspersonen, die auf die möglichen negativen Implikationen von KI hinweisen. Dazu zählen beispielsweise die Benachteiligung älterer oder weniger gebildeter Personen sowie das Problem von Deepfakes. Die Notwendigkeit von Schulungen und klaren Richtlinien für den Einsatz von KI in der Kirche wird ebenfalls thematisiert. Praktische Anwendungen von KI werden in verschiedenen Bereichen wie Gottesdiensten, Administration, Dienst am Menschen und in der Jugendarbeit vorgestellt.

Insgesamt zeigt sich, dass die digitale Transformation auch vor der Kirche nicht haltmacht. Die Entwicklungen im Bistum Regensburg und die Erfahrungen von Digitalpfarrern wie Christoph Martsch-Grunau verdeutlichen, wie wichtig die Auseinandersetzung mit neuen Technologien für die Seelsorge von morgen ist. Der Austausch über die Integration von KI in kirchliche Abläufe und die ethischen Fragen, die damit verbunden sind, wird weiterhin von zentraler Bedeutung sein.

Weitere Informationen und spannende Projekte zur Digitalpastoral finden Sie auf der Webseite www.digitalpastoral.de.