Am Donnerstag, den 23. April, ist es wieder soweit: Der „Girls‘ und Boys’ Day“ findet im Ostallgäu statt. Dieser bundesweite Aktionstag bietet Schülerinnen und Schülern der fünften bis zehnten Klassen die Möglichkeit, geschlechtsuntypische Berufe hautnah kennenzulernen. In dieser Region engagieren sich insgesamt 31 Unternehmen und Institutionen für den Girls‘ Day, während 26 Kindertagesstätten und 12 Pflegeeinrichtungen Plätze für den Boys‘ Day bereitstellen. Ein besonderes Highlight ist das Schnupperangebot des Landratsamtes Ostallgäu, bei dem 10 Mädchen den Beruf der Fachinformatikerin und 20 Jungen den Beruf des Verwaltungsfachangestellten erkunden können.

Heike Krautloher, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Ostallgäu, hebt die Wichtigkeit der selbstständigen Suche nach Schnupperplätzen hervor. Eltern und Schulbehörden müssen ihre Erlaubnis erteilen, und es wird geraten, sich frühzeitig um einen Platz zu kümmern. Wer mehr Informationen benötigt, findet diese auf der Webseite www.ostallgaeu.de/girls-and-boys-day. Alternativ können Interessierte auch telefonisch unter 08342/ 911-287 oder per E-Mail an gleichstellungsstelle@lra-oal.bayern.de Kontakt aufnehmen.

Ein Blick über den Tellerrand

Der Girls‘ Day und Boys‘ Day sind nicht nur lokale Events, sondern verfolgen auch ein übergeordnetes Ziel: Die klischeefreie Berufsorientierung für Jungen und Mädchen. Der Girls‘ Day soll insbesondere das Interesse von Mädchen an neuen Berufsfeldern stärken und ihnen Einblicke in Werkstätten, Büros, Laboren und Redaktionsräumen bieten. Im Rahmen dieser Initiative gibt es auch digitale Hilfsmittel wie den Girls‘ Day Radar, der eine Suchfunktion für Angebote in der Nähe bereitstellt. Für den Boys‘ Day wurde ein ähnliches Informationsangebot entwickelt, das sowohl für Jungen als auch für Eltern, Lehrkräfte und Unternehmen nützlich ist.

Die Aktionstage sind Teil einer breiteren Strategie, Geschlechterklischees bei der Berufswahl aufzubrechen. In Deutschland sind Frauen in Ingenieurswissenschaften und Informatik nach wie vor unterrepräsentiert, während nur zwei Prozent der medizinischen Fachangestellten männlich sind. Die geschlechterstereotypen Einflüsse beginnen bereits in der Kindheit und zeigen sich in der Berufswahl, wobei Jungen tendenziell für technische Fächer und Mädchen für soziale oder sprachliche Fächer ermutigt werden.

Die Bedeutung für die Zukunft

Angesichts des steigenden Fachkräftemangels in vielen Branchen ist es entscheidend, dass Geschlechterstereotype aufgebrochen werden. Rund 15.000 Unternehmen und Organisationen bieten an den Aktionstagen Einblicke in MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Während die Zielsetzung besteht, bis 2030 mindestens 45 Prozent der Auszubildenden in MINT-Berufen weiblich zu haben, liegt der aktuelle Anteil bei etwa 13 Prozent. Auch im Hochschulbereich wird angestrebt, den Anteil weiblicher MINT-Studierender auf 40 Prozent zu erhöhen, was derzeit rund 33 Prozent entspricht.

Insgesamt sind der Girls‘ Day und Boys‘ Day wertvolle Gelegenheiten, um den jungen Menschen von heute eine breitere Perspektive auf die Berufswelt zu ermöglichen und die Gleichstellung von Männern und Frauen in verschiedenen Berufsfeldern voranzutreiben. Sie fördern nicht nur das Interesse an Berufen, die traditionell von einem Geschlecht dominiert werden, sondern tragen auch dazu bei, die Weichen für eine gerechtere Zukunft zu stellen.