Der Forggensee, der größte künstlich angelegte Stausee Deutschlands, erstreckt sich über eine Fläche von 15,2 Quadratkilometern und liegt malerisch bei Füssen im Ostallgäu, der höchstgelegenen Stadt Bayerns. Dieser beeindruckende See übertrifft in Größe nicht nur den Edersee (11,8 Quadratkilometer) und die Möhnetalsperre (10,4 Quadratkilometer), sondern zieht auch zahlreiche Besucher an, die den Blick auf das weltberühmte Schloss Neuschwanstein genießen möchten. Interessanterweise dient der Forggensee nicht nur als beliebtes Ausflugsziel, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle in der Stromerzeugung und dem Hochwasserschutz am Lech.
Der Bau des Forggensees, auch als Lechspeicher bekannt, begann im Jahr 1950 und wurde Ende 1954 abgeschlossen. Trotz heftiger Proteste von Anliegern, die aufgrund der Flutung 32 bewohnte Gebäude verlassen mussten, wurde die Baustelle zur größten Europas in den frühen 1950er Jahren, mit bis zu 1000 Arbeitern. Der Forggensee bildet die zweite Staustufe im Verlauf des Lechs und hat einen Speicherraum von 168 Millionen Kubikmetern. Bei Normalstau hat der See eine Fläche von 16 km² und speichert 166 Millionen Kubikmeter Wasser. Die Zuflüsse kommen von Lech, Füssener Ache und Mühlberger Ache, während der Abfluss ebenfalls über den Lech erfolgt.
Wassermanagement und Hochwasserschutz
Ein bemerkenswerter Aspekt des Forggensees ist seine Funktion im Hochwasserschutz. Er verfügt über ein Rückhaltevolumen von 15 Millionen Kubikmetern, das insbesondere bei Hochwasserereignissen wie dem Pfingsthochwasser 1999 von Bedeutung war. In den letzten Jahren wurden verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Speicherbewirtschaftung umgesetzt. Dazu gehören die Vorabsenkung des Wassers bei Hochwassergefahr und der Umbau der Hochwasserentlastungsanlage am Kraftwerk Roßhaupten, um die Abgabekapazität zu erhöhen. Diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, die Hochwasserspitze bei einem Hochwasserereignis im August 2005 um 50 % zu senken.
Im Winter 2024/2025 war der Forggensee trotz der üblichen Praxis, ihn bis zum Frühjahr abzulassen, mit Wasser gefüllt, was einen ungewöhnlichen Anblick bot. Normalerweise wird der See bis Ende Mai wieder auf sein Stauziel von 780,20 Metern über Normalnull gefüllt. Aktuell liegt die Füllhöhe bei 776,92 Metern über Normalnull (Stand: 19. März, 16 Uhr). Diese saisonalen Veränderungen ziehen nicht nur Naturfreunde an, sondern auch Wassersportler, die sich auf Segeln, Surfen, Angeln und Schwimmen freuen.
Ein beliebtes Freizeitparadies
Der Forggensee gilt als wahres Wassersportparadies und bietet zwei Fahrgastschiffe, die „MS Allgäu“ und die „MS Füssen“, die Rundfahrten über den See anbieten. Viele Allgäuer und Touristen kommen regelmäßig, um die Schönheit des Sees zu genießen. Auch die Wassersportler haben den Forggensee für sich entdeckt. Während der Sommermonate können zahlreiche Aktivitäten wie Stand-up-Paddeln und Schwimmen genossen werden. Dennoch ist Vorsicht geboten, da sich Wassersportler und Ausflugsschiffe den See teilen, was für unerfahrene Paddler gefährlich sein kann.
Der Forggensee ist nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch ein Raum, der strengen Naturschutzbestimmungen unterliegt. Wildcampen im Landschaftsschutzgebiet rund um den See ist verboten, und die Polizei kontrolliert regelmäßig die Parkplätze, um die Einhaltung der Regeln zu gewährleisten. Bei Verstößen können Bußgelder von bis zu 1.500 Euro pro Person verhängt werden. Trotz dieser Einschränkungen zieht der See viele Besucher an, die die Schönheit und den Frieden des Forggensees genießen möchten.
Insgesamt ist der Forggensee ein faszinierendes Beispiel für die Verbindung von Natur und Technik, das sowohl für die lokale Bevölkerung als auch für Touristen einen hohen Stellenwert hat. Er bleibt ein beliebtes Ziel für Ausflüge und bietet gleichzeitig wichtige Funktionen für die Region im Hinblick auf Energieerzeugung und Hochwasserschutz. Weitere Informationen finden Sie in den Artikeln der Allgäuer Zeitung, Wasserwirtschaftsamt Kempten und BR.de.



