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Der demografische Wandel und der damit verbundene Fachkräftemangel machen der Pflegebranche ganz schön zu schaffen. Wie sich der Pflegealltag durch Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) unterstützen lässt, war das zentrale Thema einer Informationsveranstaltung des BRK Ostallgäu, die kürzlich im Clemens-Kessler-Haus für Senioren stattfand. Eingeladen waren Leitungskräfte aller stationären und ambulanten Einrichtungen des Kreisverbands, um sich über die Zukunft der Pflege zu informieren. Die Veranstaltung wurde von Philipp Heidrich, Wirtschaftsförderer aus Marktoberdorf, moderiert, und es konnten spannende Impulse erwartet werden.

Besonders vollzog Prof. Manuel Giuliani von der Hochschule Kempten, der Gastredner der Veranstaltung, durch seine Präsentation das Bild der Zukunft in diesem Bereich. Er leitet das Labor Care and Mobile Robots und gab Einblicke in verschiedene Arten von Robotern, die in der Pflege eingesetzt werden könnten. Dazu zählen Haushalts-, Service-, humanoide Roboter und spezielle Pflegeroboter. Das Hauptaugenmerk seiner Forschung liegt auf Kommunikations- und Interaktionsrobotern, die darauf abzielen, soziale Kontakte zu fördern und therapeutische Angebote bereitzustellen. „Die Vision ist es, erschwingliche und individualisierbare Kommunikationsroboter zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse von Senioren eingehen“, so Giuliani. Solche Roboter könnten Erinnerungen an Veranstaltungen senden, Bewohner motivieren und sogar zur Vernetzung untereinander beitragen.

Technische Innovationen auf dem Vormarsch

Wie Renate Dantinger vom BRK Ostallgäu betont, zeigt der Verband eine große Offenheit für technische Innovationen, die die Pflegebranche unterstützen können. Das Interesse der Leitungskräfte an Kommunikationsrobotern wurde deutlich, wobei auch die gesellschaftlichen und ethischen Fragen, die mit der Robotik einhergehen, zur Diskussion stehen. „Wir müssen darauf achten, dass Robotik das menschliche Miteinander nicht ersetzt, sondern unterstützt“, lautet Giulianis Appell. Helga Lehmann von BRK-Tagespflegen warnte jedoch auch vor möglichen Nachteilen und Fehlanreizen.

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Die Entwicklungen in der Robotik sind vielfältig und versprechen einige spannende Fortschritte. So arbeitet die TU München seit über fünf Jahren im Bereich Geriatronik und hat mit GARMI einen Pflegeassistenzroboter in Entwicklung, der vielfältige Aufgaben übernehmen kann, darunter Hol- und Bringdienste sowie physiotherapeutische Anwendungen. Die Fortschritte werden auf internationalen Robotik-Konferenzen wie der IROS 2024 in Abu Dhabi präsentiert. Auf diese Weise wird nicht nur der technische Aspekt der Automation erörtert, sondern auch die praktische Anwendbarkeit in realen Pflegeumgebungen.

Ein Blick auf den Markt

In der Praxis zeigt sich, dass Roboter wie der soziale Roboter Navel, der seit Januar 2024 in mehreren Senioren-Einrichtungen eingesetzt wird, einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung des Pflegepersonals leisten können. Mit einem Preis von fast 30.000 Euro erkennt Navel Gesicht und Stimmung der Bewohner und führt einfache Unterhaltungen, was die Interaktion intensiviert. Langfristig ist geplant, dass soziale Roboter mehr als nur Unterhaltung bieten und auch als emotionale Stütze fungieren können.

  • AIREC: Dieser Pflegeroboter wird derzeit in Japan getestet und soll physisch belastende Aufgaben wie das Heben von Personen übernehmen. Geplant ist ein Marktstart frühestens 2030 mit einem geschätzten Preis von rund 70.000 Dollar.
  • GARMI: Ein vielseitiger Helfer, der Telemedizin und physiotherapeutische Anwendungen bietet.

Globale Trends zeigen, dass auch in Ländern wie China massiv in KI-gestützte Robotik für die Pflege investiert wird. Unternehmen wie Ubtech Robotics und Unitree arbeiten an humanoiden Helfern, die das Potenzial haben, Pflege und Assistenz sowohl in Einrichtungen als auch in Privathaushalten zu revolutionieren. Innovative Ansätze sind auch in der Entwicklung von individuelle Ausstattungspaketen für Pflegeassistenten zu finden.

Die Zukunft der Robotik in der Pflege ist voller Möglichkeiten. Auch wenn es noch viel zu klären gibt – insbesondere in Bezug auf Finanzierung und Regulierung von KI – so steht fest, dass die menschliche Interaktion und Mitgefühl eine zentrale Rolle spielen müssen. Denn letztlich geht es darum, dass neue Technologien die Pflegekräfte unterstützen und nicht ersetzen. Der Weg in diese Zukunft ist geprägt von technischem Fortschritt, öffentlichem Interesse und einer gesunden Portion Skepsis gegenüber den Herausforderungen.

Für mehr Informationen zu den Entwicklungen in der Robotik und deren Anwendungen in der Pflege, werfen Sie einen Blick auf die Berichterstattung von Wir sind Kaufbeuren, TU München und ERGO.