Im Großraum Ulm und Neu-Ulm sind sie keine Seltenheit: Jets und Hubschrauber der Bundeswehr, die über die Stadtteile gleiten. Besonders in der vergangenen Woche sorgten vier Hubschrauber, die zwischen Reutti und Schwaighofen gefilmt wurden, für Aufsehen. Diese Maschinen gehören zum Hubschraubergeschwader 64, das in Laupheim stationiert ist. Dabei handelt es sich um den speziellen Typ H145M LUH SOF, der deutschlandweit nur an diesem Standort zu finden ist. Die „vierte fliegende Staffel“ (4./ FlgStff HSG 64) wird als die „Spezialkräfte der Luftwaffe“ bezeichnet und hat eine bedeutende Rolle in der Einsatzstruktur der Bundeswehr.

Der H145M, der eine gräuliche, fast anthrazitfarbene Lackierung trägt, ist bei schlechten Sichtverhältnissen kaum zu erkennen. Frank Steinle, der das beeindruckende Video der Hubschrauber aufnahm und selbst bei der Bundeswehr diente, hatte anfangs Schwierigkeiten, die Maschinen zu identifizieren. Der H145M gilt als einer der leisesten seiner Klasse und kann bis zu vier voll ausgerüstete Soldaten der Spezialkräfte transportieren. Dank seiner ummantelten Heckrotor-Technologie (Fenestron) und der hohen Wendigkeit kann der Hubschrauber schnell von einer Angriffsrolle in eine Spezialeinsatzversion umgestaltet werden. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 268 km/h ist der H145M sowohl tags als auch nachts einsatzbereit. Der Einsatz dieser Hubschrauber bleibt jedoch aus militärischen Sicherheitsgründen geheim, sodass weitere Details zu ihren Missionen nicht bereitgestellt werden können.

Neue Beschaffungen und Entwicklungen

Die Bundeswehr hat kürzlich beschlossen, 82 neue H145M-Hubschrauber zu bestellen, die aus dem Sondervermögen der Bundeswehr finanziert werden. Diese Entscheidung wurde im Dezember 2023 vom Bundestag getroffen und stellt eine Reaktion auf die sicherheitspolitischen Herausforderungen der letzten Jahre dar. Der Gesamtwert des Auftrags beläuft sich auf rund 2,6 Milliarden Euro. Ursprünglich wurden 62 Hubschrauber bestellt, aber die Option auf 20 weitere Maschinen wurde ebenfalls eingelöst. Ein weiterer Aspekt, der die Bedeutung dieser Bestellung unterstreicht, ist die Rolle des H145M als Übergangslösung, bis ein Nachfolger für den Kampfhubschrauber Tiger gefunden wird.

Der H145M ist die militärische Version des zivilen H145 und wird von zwei Safran Arriel 2E-Triebwerken mit voll digitaler Triebwerkssteuerung (FADEC) angetrieben. Mit einer modernen Helionix-Avionik-Suite und einem Vier-Achsen-Autopiloten wird die Arbeitsbelastung der Piloten erheblich reduziert. Diese modulare Bauweise ermöglicht eine schnelle Umrüstung für verschiedene Missionen, sei es für Truppentransporte oder bewaffnete Einsätze. Geplant ist, dass die ersten Maschinen bereits im November 2024 an die Bundeswehr übergeben werden.

Einsatzmöglichkeiten und internationale Bedeutung

Die H145M-Hubschrauber bieten eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten und sind nicht nur in Deutschland, sondern weltweit im Einsatz. So nutzen beispielsweise die US-Armee, Ungarn, Serbien und Belgien diese Hubschrauber für unterschiedliche Aufgaben. Der Vertrag für den Kauf von bis zu 82 H145M umfasst auch sieben Jahre Support- und Serviceleistungen, was die langfristige Nutzung der Maschinen sichert. In Deutschland sind 57 Hubschrauber für das Deutsche Heer und 5 für die Spezialkräfte der Luftwaffe vorgesehen.

Insgesamt hat die H145-Familie bereits über sieben Millionen Flugstunden absolviert. Die Bundeswehr betreibt derzeit bereits 16 H145M LUH SOF und 8 H145 LUH SAR-Hubschrauber, die ebenfalls wichtige Aufgaben im Rahmen der Luftunterstützung übernehmen. Die Einführung der H145M wird als bedeutender Schritt in der Weiterentwicklung der deutschen Luftstreitkräfte angesehen und zeigt die Priorität der Bundesregierung für die Landes- und Bündnisverteidigung.

Für weitere Informationen zu den Hubschraubern und deren Einsatzmöglichkeiten können Sie die Artikel auf Augsburger Allgemeine, Flug Revue und Bundeswehr Journal besuchen.