In Neu-Ulm sind die Gemüter erhitzt: Die Stadt plant die Fällung von 14 Bäumen, darunter acht stattliche Großbäume, am beliebten Donauufer. Dies geschieht im Zuge der Verbreiterung des Geh- und Radweges – ein Vorhaben, das beim BUND, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, auf wenig Verständnis stößt. In einer aktuellen Stellungnahme äußert der Kreisgeschäftsführer Bernd Kurus-Nägele, dass bauliche Aufwertungen auch ohne Baumfällungen realisierbar seien, was einen tiefergehenden Streit über die städtische Verkehrsplanung auslösen könnte. Laut Augsburger Allgemeine will die Stadt die für Dienstag angesetzten Fällungen nun auf Eis legen und die Situation am Mittwoch im Stadtrat besprechen. Dies könnte der Beginn eines größeren Dialogs um den Erhalt der grünen Lunge in der Stadt sein.
Doch mit dem Donauufer-Projekt ist es nicht getan: Auch der Umbau des Barfüßer-Geländes wirft Schatten auf die städtische Baumvielfalt. Der Bund Naturschutz sieht akuten Handlungsbedarf, denn für das geplante Bauvorhaben müssten mehrere Altbäume, darunter fünf Rotbuchen und zwei Bergahorn, weichen. Diese Bäume haben beeindruckende Altersdimensionen von 100 bis 120 Jahren und sind allesamt in gutem Gesundheitszustand. Doch gerade dieser Altbaumbestand ist in der aktuellen Debatte von großer Bedeutung, wie die Schwäbische berichtet. Die Bäume leisten nicht nur essentielle „siedlungsökologische Leistungen“, wie die Produktion von Sauerstoff und die Verbesserung des innerstädtischen Klimas, sondern bieten auch Lebensraum für vielfältige Tierarten wie Fledermäuse und heimische Vögel.
Verantwortung für die Natur
Besonders pikant ist, dass die Bäume im Barfüßer-Gelände gemäß den Plänen selbst trotz ihrer Vitalität gefällt werden sollen. Den Naturschützern zufolge haben die Bäume keine gravierenden Schäden, die eine Fällung rechtfertigen würden. Sie fordern daher den Schutz der alten Baumbestände und machen auf die Verantwortung aufmerksam, die die Stadt gegenüber ihrer Natur hat. Eine Baumschutzsatzung, die diesen Altbaumbestand schützt, könnte in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle spielen.
Ein entscheidender Punkt in der Diskussion wird auch die Frage der Kompensation für gefällte Bäume sein. Die aktuelle Schätzung des BUND schlägt vor, dass über 20.000 Jungbäume gepflanzt werden müssten, um den Verlust zu kompensieren. Die Frage, ob diese Maßnahme tatsächlich ausreicht, bleibt allerdings zu klären. Schließlich sind die alten Bäume nicht nur Schattenspender, sondern auch Ökosysteme, die nicht einfach durch Neupflanzungen ersetzt werden können. Laut Kurus-Nägele ist der Baumerhalt „für Mensch und Tier das Gebot der Stunde“.
Es bleibt abzuwarten, wie die Stadt Neu-Ulm auf die berechtigten Belange der Naturschützer reagiert und ob die Bürger ihre Stimme für den Erhalt der Grünen Lunge erheben werden. In dieser städtischen Auseinandersetzung geht es um weit mehr als um ein paar Bäume; es geht um Lebensqualität, um Biodiversität und um die Verantwortung, die wir gegenüber unserer Umwelt tragen.