Fällt der Karfreitag, dann wird es in Ulm und Neu-Ulm wieder lebendig! Pünktlich um 18 Uhr startet der „Lebendige Kreuzweg“ vom Rathausplatz in Neu-Ulm bis hin zum Münsterplatz in Ulm. Die Route erstreckt sich über die Donau und umfasst mehrere eindrucksvolle Stationen wie den Petrusplatz, den Marktplatz und den Weinhof. Dieses Jahr wird die Veranstaltung bereits zum 21. Mal durchgeführt, ohne dass es seit 2025 nennenswerte Änderungen im Ablauf oder an der Strecke gegeben hat.
Über 200 Mitwirkende bringen die zentralen Szenen der Passion Christi – die Gefangennahme, das Verhör und die Kreuzigung – eindrucksvoll auf die Straße. Der Verein „Via Crucis – Lebendiger Kreuzweg Ulm/Neu-Ulm“, unter der Leitung von Nicola Albarino, sorgt für die Organisation und das Rahmenprogramm. Die Kostüme, die hier zum Einsatz kommen, sind teilweise schon jahrelang im Gebrauch, während einige neu angefertigt wurden. Ein besonders einprägsamer Teil dieser Inszenierung ist der Hauptdarsteller Gianni Crusafio, der die Rolle von Jesus verkörpert.
Ein berührendes Erlebnis für alle
Der Kreuzweg zieht in jedem Jahr Tausende von Besuchern an, darunter auch viele aus dem Ausland, etwa aus Frankreich, Belgien und der Schweiz. Zahlreiche Zuschauer sind so emotional berührt, dass sie teilweise schweigend mitgehen und sich in eine nachdenkliche Stimmung versetzen lassen. Historisch betrachtet ist der Kreuzweg, auch bekannt als „via crucis”, eine lange Tradition der Römisch-katholischen Kirche, die den Leidensweg Jesu Christi nachbildet. Laut Wikipedia sind Kreuzwege oft als Bilderzyklus oder Skulpturengruppe gestaltet, wobei die Darstellung auch in Freilandkreuzwegen stattfindet.
In der Vergangenheit haben Pilger an zwei bedeutenden Stationen des Leidenswegs in Jerusalem Halt gemacht: der Verurteilung durch Pontius Pilatus und der Kreuzigung am Golgota. Der große Anklang, den solche Darstellungen bis heute genießen, ist nicht zuletzt den Franziskanern zu verdanken, die die Tradition mit Prozessionen im Mittelalter prägten. Diese Form der Andacht wurde im 18. Jahrhundert in vielen Kirchen etabliert und zeigt 14 Stationen, die den Weg Jesu von der Verurteilung bis zur Grablegung nachzeichnen.
Freier Eintritt und Gemeinschaftssinn
Ein ganz besonderes Merkmal des „Lebendigen Kreuzwegs“ in Ulm und Neu-Ulm ist der freie Eintritt. Die gesamten Kosten von über 10.000 Euro werden durch Spenden gedeckt, sodass jeder die Möglichkeit hat, an dieser einzigartigen Veranstaltung teilzuhaben. Der Wunsch des Organisators ist es, dass alles ruhig und friedlich verläuft – eine Atmosphäre, die auch durch das Wetter unterstützt werden sollte.
In diesen bewegenden Stunden am Karfreitag kommen Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen, um gemeinsam die Passion Christi zu erleben. Diese Veranstaltung bleibt nicht nur ein festes Ritual im Kalender, sondern schafft auch eine tiefere Verbundenheit zwischen den Teilnehmern und Zuschauern. Ein Erlebnis, das die Herzen berührt und unvergessliche Eindrücke hinterlässt.



