Am 23. Februar 2026 ist die Zukunft von „München Ticket“ ungewiss. München gilt als eine der wichtigsten Konzertstädte Deutschlands, und das städtische Unternehmen „München Ticket“ ist seit seiner Gründung im Jahr 1993 für den Verkauf von Eintrittskarten für kommunale Veranstaltungen verantwortlich. Berichte deuten jedoch darauf hin, dass das Unternehmen vor dem Aus steht. Die Einnahmeverluste in Millionenhöhe, die seit der Corona-Pandemie entstanden sind, setzen „München Ticket“ stark zu. So wurde allein im Jahr 2020 ein Verlust von rund 4 Millionen Euro verzeichnet, gefolgt von einem geschätzten Verlust von 671.000 Euro im Jahr 2022 und 750.000 Euro im Jahr 2023. Trotz einer kleinen Verbesserung im Jahr 2024, als das Unternehmen einmal schwarze Zahlen schrieb, bleibt die finanzielle Lage angespannt.

Zusätzlich hat „München Ticket“ mit Marktveränderungen zu kämpfen, da große Veranstalter das Ticketing zunehmend selbst übernehmen und das regionale Unternehmen dadurch nicht mehr konkurrenzfähig ist. Um das Unternehmen zu retten, wird eine Finanzspritze von rund 1 Million Euro benötigt. Im Gespräch sind mehrere Lösungsansätze zur Zukunft von „München Ticket“, darunter eine dauerhafte Bezuschussung oder der Verkauf der städtischen Anteile, die derzeit zu 100% von der Stadt München über die Gasteig München GmbH und die Olympiapark München GmbH gehalten werden. Ungenutzte Zuschüsse von etwa 1,25 Millionen Euro sollen in „München Ticket“ fließen, doch das Wirtschaftsreferat und die Geschäftsführung stehen einem Verkauf skeptisch gegenüber und glauben an eine wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens. Eine Entscheidung über die Zukunft von „München Ticket“ soll vor den Kommunalwahlen am 8. März fallen.

Schwere Vorwürfe und interne Probleme

Die Situation wird durch schwere Vorwürfe gegen die München-Ticket GmbH weiter kompliziert. Das Unternehmen steht unter Verdacht, Kundendaten missbraucht und treuhänderische Pflichten verletzt zu haben. Richard Quaas, der kulturpolitische Sprecher der CSU-Fraktion, fordert eine schnelle Aufklärung durch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Es wird behauptet, dass Geschäftsführer Stephan Rusch kleinere Konkurrenten wie Bell’Arte und EuropaClassic durch eine exklusive Werbebroschüre ausgebootet hat. Diese 35-seitige Broschüre, die an über 100.000 Kunden versandt wurde und das Weihnachtsprogramm bewirbt, sorgt für zusätzlichen Unmut in der Branche.

Die Vorwürfe sind nicht zu unterschätzen, da sie auch die kulturelle Vielfalt in München gefährden könnten. Michael Grill von der Theatergemeinde München äußert Bedenken, dass ein Monopolist die Vielfalt der Veranstaltungen und Anbieter in der Stadt bedroht. Andreas Bauerdie von der CSU spricht sogar von einer möglichen finanziellen Übervorteilung im Hunderttausende-Euro-Bereich. Die Anwaltskanzlei Nachmann vertritt die betroffenen Veranstalter sowohl zivil- als auch strafrechtlich, während München-Ticket sich bisher nicht zu den Anschuldigungen geäußert hat.

Die Herausforderungen des Ticketmarktes

In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, die Struktur des Ticketmarktes zu betrachten. Der Online-Verkauf von Eintrittskarten erfolgt über verschiedene Plattformen, die erhebliche Unterschiede in Preis und Lieferung aufweisen. Es gibt Erstmarkt-Plattformen, die Tickets direkt von Veranstaltern verkaufen, sowie Zweitmarkt-Plattformen, auf denen bereits gekaufte Tickets durch private oder gewerbliche Verkäufer angeboten werden. Diese Zweitmarkt-Plattformen sind oft mit Problemen behaftet, wie der Lieferung falscher Tickets oder hohen Servicegebühren. Käufer sollten sich daher gut informieren, bevor sie Tickets erwerben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zukunft von „München Ticket“ von mehreren Faktoren abhängt. Die finanziellen Herausforderungen, die internen Vorwürfe und die sich verändernde Marktlandschaft stellen das Unternehmen vor große Hürden. Ob es gelingt, sich in dieser schwierigen Zeit neu zu positionieren, bleibt abzuwarten. Für die Stadt München und die Kultur in der Region wäre es jedoch eine große Verlust, wenn das Unternehmen scheitern sollte. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um die Weichen für die Zukunft von „München Ticket“ zu stellen.

Weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen finden Sie in den Artikeln von Augsburger Allgemeine und Bayerische Staatszeitung.