Wie steht es um die Radinfrastruktur in München? Die bayerische Landeshauptstadt hat zwar eine solide Grundlage mit bestehenden Radwegen, doch die Qualität und die Verfügbarkeit lassen oft zu wünschen übrig. Ein Blick nach Utrecht zeigt, wie es besser geht. Dort gilt das Fahrrad als das wichtigste Verkehrsmittel, mit täglich etwa 125.000 Radfahrenden – das sind rund ein Drittel der Bevölkerung. Im Vergleich dazu nutzen in Deutschland nur 23 Prozent der Pendler*innen das Rad für Kurzstrecken. Das zeigt, dass München hier noch einiges Potenzial hat. Laut Abendzeitung wären ähnliche Maßnahmen wie in Utrecht möglich, da die Straßen in der Stadt breit genug sind.
Paris dient als weiteres Beispiel für eine gelungene Radinfrastruktur. In den letzten zehn Jahren hat die Stadt mindestens 700 Kilometer neuer Radwege geschaffen, oft auf Parkplätzen und Fahrspuren. Diese Maßnahmen führen nicht nur zu einem Anstieg des Radverkehrs, sondern auch dazu, dass Rettungsfahrzeuge schneller ans Ziel kommen können, weil sie auf breiten Radwegen an Autos vorbeifahren dürfen. Zudem gibt es in Utrecht Parkhäuser am Stadtrand, die für Anwohner günstiger sind als herkömmliche Parkausweise, was wiederum den Autoverkehr verringert. Das klingt nach einem klugen Plan, um die Straßen zu entlasten und Platz für Radfahrende zu schaffen.
Erfolgreiche Umgestaltungsmaßnahmen
Ein Blick nach Wien gibt Anlass zur Hoffnung. Dort wurde die Mariahilfer Straße zwischen 2014 und 2015 neu gestaltet. Mit autofreien Zonen und verbesserten Fahrradspuren stieg die Frequenz von Besucher*innen um 10 bis 20 Prozent. Einzelhändler berichten von Umsatzsteigerungen von bis zu 10 Prozent, während die Anzahl der Geschäftsaufgaben zurückging. Solche Erfolge könnten auch in München erzielt werden, wenn Politiker den Mut haben, Parkplätze zu streichen und den njerë duo nach dem Zweck dieser Maßnahmen zu erklären.
Erfreuliche Nachrichten kommen auch aus Kopenhagen: Dort wurde die Nørrebrogade in eine fahrrad- und fußgänger*innenfreundliche Zone umgestaltet. Der Autoverkehr reduzierte sich um etwa 40 Prozent, während die Zahl der Radfahrenden stieg. Ein Erlebnis, wie auch die wirtschaftliche Situation vieler Läden sich verbesserte. Das wird klar, wenn man bedenkt, dass 61 Prozent der Geschäftsinhaber*innen anfangs Bedenken wegen der verminderten Autozugänge hatten, jedoch letztlich von einer Umsatzsteigerung von etwa 10 Prozent profitieren konnten.
Ein Blick auf europäische Maßnahmen
Wie steht es in anderen europäischen Städten? Die Antwort ist klar: Viele Städte reagieren stark auf das veränderte Mobilitätsverhalten ihrer Bürger*innen. Laut einem Bericht des Europäischen Radfahrerverbandes haben 31 von 94 der größten EU-Städte während der Pandemie Radinfrastrukturmaßnahmen angekündigt oder umgesetzt. Pop-up Bike-Lanes entwickeln sich auch in Städten wie Berlin, Stuttgart und Düsseldorf. Leider hat München hier nur im Schnitt drei Kilometer im Angebot. Im Gegensatz dazu plant Rom 150 Kilometer neuer Radwege.
Die Entwicklungen sind vielversprechend. Kohärente Investitionen in die Fahrradinfrastruktur könnten die Luftqualität verbessern, Lärm reduzieren und die allgemeine Lebensqualität steigern. Ein gutes Beispiel setzt auch die Stadt Ljubljana, die eine “Vision von Ljubljana 2025” verfolgt und ein autofreies Stadtzentrum anstrebt. In den letzten Jahren sank der Anteil der Autonutzung dort von 60 Prozent auf 41 Prozent – eine Entwicklung, die wir uns auch für München wünschen.
Fazit: Ob in Paris, Utrecht oder Kopenhagen – europäische Städte zeigen, dass eine gute Radinfrastruktur nicht nur das Radfahren fördert, sondern auch positive wirtschaftliche Effekte mit sich bringt. Es liegt an den Münchner Politiker*innen, sich ein gutes Beispiel an diesen Vorreitern zu nehmen und aktiv an einer radfreundlicheren Stadt zu arbeiten. Schließlich muss der Drahtesel nicht nur im Freizeitsport, sondern auch im Alltag eine Hauptrolle spielen.
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