Gestern Abend verwandelte sich das Waitzinger Keller-Gewölbe in Miesbach in eine schillernde Bühne für die Aufführung der Nestroy-Revue „Tschiritschari“. Das Programm war ausverkauft und erlebte mit einer Warteliste eine immense Nachfrage. Regisseurin Steffi Baier präsentierte ein buntes Potpourri aus vier gekürzten Stücken des berühmten österreichischen Dramatikers Johann Nestroy. Wie das Merkur berichtet, beeindruckten die Darsteller:innen mit ihrem Können und sorgten für viele heitere Momente.
Die Darsteller, darunter Theresia Benda-Pelzer, Gabriele Steinberger, Gabi Neuner, Daniel Rasch und Christian Selbherr, brachten nicht nur die Textkunst Nestroys auf die Bühne, sondern schöpften auch aus musikalischen Elementen mit Einflüssen von Rock, Landlern und Dixie-Jazz. Besonders das Eröffnungsstück war ein Genuss: Die humorvolle Verfremdung von Richard Wagners „Tannhäuser“ zog das Publikum sofort in ihren Bann. Kulturvision hebt hervor, dass Theresia Benda-Pelzer und Gisela Steinberger als Tannhäuser und Venus begeistert hätten, während Christian Selbherr und Gabi Neuner in komischen Rollen brillierten.
Nestroys Vielseitigkeit erleben
Der Titel „Tschiritschari“, was so viel wie kunterbunt oder durcheinander heißt, passt perfekt zum Stil des Abends. Mit einer Mischung aus Sprachwitz und schrägem Humor wurde Nestroys weitreichendes Werk präsentiert. Die Auswahl der Stücke reichte von dem zivilisationskritischen „Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl“ bis hin zu „Staberl im Feendienst“, in dem Nestroy seine Sprachkunst mit Wortspielen eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dabei wird die Gesellschaft mit einem Augenzwinkern hinterfragt – ein Markenzeichen Nestroys, der für seine beißende Satire bekannt ist.
Nestroy, geboren am 15. April 1801 in Wien, war nicht nur als Dramatiker, sondern auch als Komiker und Sänger aktiv. Er hat 83 Stücke verfasst, darunter das berühmte „Lumpazivagabundus“. Seine Werke sind durchdrungen von einer Kritik an menschlichen und gesellschaftlichen Schwächen, die auch in der aktuellen Aufführung nicht zu kurz kam. Zu Nestroys besten Zeiten nutzte er die Lockerungen der Zensur im Jahr 1848, um seine Stücke ungehindert auf die Bühne zu bringen, was einen wahren Boom seiner Karriere zur Folge hatte. Ein umfangreicher Blick auf sein Leben und Wirken zeigt die Wikipedia.
Das Publikum im Miesbacher Waitzinger Keller zeigte sich begeistert: Es gab großzügigen Schlussapplaus und viel Gelächter durch die verschiedenen Szenen, die allesamt zum Nachdenken und Schmunzeln anregten. „Tschiritschari“ wurde ein voller Erfolg, der die Tradition Nestroys ehrenvoll weiterführte und zeigt, dass seine Werke auch in der heutigen Zeit nichts von ihrem Reiz eingebüßt haben. Eine gelungene Hommage an einen der bedeutendsten Dramatiker des deutschsprachigen Raums!