In Miesbach geht es in diesem Jahr besonders festlich zu, denn die Kolpingsfamilie hat sich etwas ganz Einzigartiges einfallen lassen: Erstmals wird eine Nikolausschule angeboten, die am 5. und 6. Dezember ihre Pforten öffnet. Ziel dieser Schule ist es, neue Nikoläuse auf ihre wichtige Rolle vorzubereiten und so die steigende Nachfrage an Nikolausauftritten zu decken. Die Organisatoren, Michael Griesbeck und Joachim Baumann, haben ein abwechslungsreiches Programm erstellt, das sowohl erfahrene als auch neue Darsteller anspricht.
Rund 15 Nikoläuse im Alter von 20 bis 60 Jahren werden an den beiden Tagen im Einsatz sein und damit viele Familien in dieser besinnlichen Zeit erfreuen. Die Suche nach geeignetem Nikolaus-Personal hat sich als eine echte Herausforderung erwiesen, da Nikolausfeiern mit mehreren Familien besonders gefragt sind. „Es gibt keinen festen Zehn-Punkte-Plan für einen gelungenen Nikolausabend, da jede Situation anders ist“, so Griesbeck. Vielmehr soll die Schule einen Rahmen bieten, in dem Fragen gestellt, Erfahrungen ausgetauscht und Rollenspiele geübt werden.
Die Rolle des Nikolaus
Eine der wichtigsten Botschaften dieser Schulung ist, dass der Nikolaus als Ermutiger der Kinder auftreten soll. Es geht darum, Freude zu bringen und nicht Angst zu schüren. Hierbei spielt auch das traditionelle Begleitzen der Figur eine Rolle. Der Krampus, der als dunkles Pendant zum Nikolaus betrachtet wird, gehört zu vielen traditionellen Feiern und soll das Bewusstsein für die Herausforderungen des Lebens schärfen. Frauen sind ebenfalls eingeladen, als Nikoläuse aufzutreten, obwohl die Rolle historisch als männlich gilt.
„Ein kleines Nikolaus-Handbuch mit Praxistipps fließt in die Schulung ein“, verraten die Organisatoren. So wird nicht nur das theoretische Wissen vermittelt, sondern es wird auch konkret geübt, wie man die Kinder mit einer passenden Haltung und Gestik ansprechen kann. Diese praktischen Übungen sind besonders wertvoll und sollen dazu beitragen, dass jeder Teilnehmer ein gutes Gespür für seine Aufgabe entwickelt.
Einblick in die Nikolaustradition
Doch was macht den Nikolaus eigentlich so besonders, abgesehen von der Motivation, Freude zu bringen? Der Heilige Nikolaus von Myra, dessen Geschichte sich hinter der Figur verbirgt, hat über die Jahre hinweg viele Traditionen und Bräuche hervorgebracht. Nikolaus ist bekannt dafür, am Vorabend der Feier die geputzten Stiefel der Kinder zu füllen. Dies können Süßigkeiten, Gebäck, Obst, Nüsse und kleine Geschenke sein. In vielen Familien ist es Brauch, an Nikolaus Geschichten zu lesen oder Adventslieder zu singen, was das Fest noch lebendiger macht. Auch auf Weihnachtsmärkten ist der Nikolaus oft als Gabenbringer anzutreffen, manchmal begleitet von einem aufmerksamkeitsstarken Begleiter, der das Benehmen der Kinder im Auge behält.
Die Gesellschaft hat immer wieder darüber nachgedacht, wie sich die Rolle des Nikolaus an die moderne Zeit anpassen kann. Besonders in der Diskussion stehen Varianten, bei denen Nikolaus Kinder auch tadelt. Christof Langer und Werner Hofmann, die zu einer Schulung am 25. September eingeladen haben, sind erfahrene Nikolaus-Darsteller und Theologen, die einen Dialog darüber anstoßen wollen, wie Nikolaus heute wahrgenommen wird und was seine Rolle für Kinder bedeutet. Die Fragen sind dabei oft so vielfältig wie die Bräuche selbst.
In Zeiten, in denen die Gemeinschaft und das Miteinander oftmals in den Hintergrund gedrängt werden, sorgt die Nikolausschule dafür, dass auch die Tradition des Nikolaus mit Leben gefüllt wird. Sie gibt nicht nur den Teilnehmern ein neues Verständnis für ihre Rolle, sondern bringt auch die Werte der Nächstenliebe und der Freude an den Feiertagen zurück in unsere Herzen.



