Bauernkonferenz im Unterallgäu: Ein neuer 13. Artikel gefordert!

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Am 15.06.2025 forderten bayerische Landwirtschaftsverbände auf einer Konferenz in Memmingen den Schutz der heimischen Landwirtschaft.

Am 15.06.2025 forderten bayerische Landwirtschaftsverbände auf einer Konferenz in Memmingen den Schutz der heimischen Landwirtschaft.
Am 15.06.2025 forderten bayerische Landwirtschaftsverbände auf einer Konferenz in Memmingen den Schutz der heimischen Landwirtschaft.

Bauernkonferenz im Unterallgäu: Ein neuer 13. Artikel gefordert!

In einem besonderen Ereignis feierten die bayerischen Landwirte kürzlich 500 Jahre nach den legendären Zwölf Artikeln eine bedeutende Bauernkonferenz im Unterallgäu. Diese fand am 15. Juni 2025 statt und wurde vom Kreisverband Unterallgäu des Bayerischen Bauernverbands (BBV) sowie mehreren anderen Organisationen, darunter „Landwirtschaft verbindet Bayern“ (LsV) und die Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM), organisiert worden. Rund 50 Landwirte aus der Region nahmen mit ihren Schleppern an einer Sternfahrt von Memmingen nach Sontheim teil, um auf die bedeutenden Anliegen der heimischen Landwirtschaft aufmerksam zu machen.

Die Konferenz hatte ein klares Ziel: Die Aufnahme der Ernährungssouveränität ins Grundgesetz. Romuald Schaber, Ehrenvorsitzender des BDM, beleuchtete die historische Relevanz der Zwölf Artikel, die während des Deutschen Bauernkriegs 1525 in Memmingen formuliert wurden. Diese Forderungen gelten als eine der ersten schriftlichen Äußerungen von Menschen- und Freiheitsrechten in Europa und wurden durch die Erfindung des Buchdrucks rasch verbreitet. Schaber betonte die Notwendigkeit der Anliegen wie der Abschaffung der Leibeigenschaft und der freien Wahl des Pfarrers, die auch heute noch hohe Bedeutung haben.

Ein Blick in die Geschichte

Die Zwölf Artikel wurden am 15. und 20. März 1525 verabschiedet und spiegelten die drängenden Bedürfnisse der Bauern wider: vom Recht auf die Wahl ihres Pfarrers bis zur Abschaffung des kleinen Zehnten und der rechtlichen Gleichstellung der Bauern. Die Ursprünge dieser Artikel sind umstritten, häufig werden sie Sebastian Lotzer zugeschrieben. Auch Martin Luther der, kritisch über die Aufstände schrieb, stellte fest, dass die Anliegen der Bauern zwar berechtigt, jedoch durch gewaltsame Mittel verfolgt werden, eine Meinung, die die damalige Situation stark widerspiegelte. Die Artikel wurden im Laufe der Jahrhunderte als Grundlage für viele soziale und politische Bewegungen herangezogen, wobei viele ihrer Forderungen erst mit der Revolution von 1848 verwirklicht wurden.

Auf der jüngsten Konferenz erläuterte auch Anthony Lee, ein ehemaliger Fallschirmjäger und Polizist, die unfaire Wahrnehmung von Landwirten und die Schwierigkeiten, mit denen sie heutzutage konfrontiert sind. Lee wies dabei auf die wichtige Rolle der Weidehaltung für die CO₂-Speicherung hin und warnte vor den Herausforderungen, die durch die Wölfe in Niedersachsen entstehen. Günther Felßner, der Präsident des BBV, stellte zudem die Erzeugung regenerativer Energien in der Landwirtschaft in den Fokus und forderte den Ersatz umweltschädlicher Kunststoffe durch abbaubare Pflanzen.

Blick nach vorn

Felßner forderte nicht nur die Verankerung der Ernährungssouveränität im Grundgesetz, sondern äußerte auch, dass dies durch seinen vorzeitigen Verzicht auf das Landwirtschaftsministerium nicht mehr umsetzbar sei. Dies hat die Bauernverbände jedoch nicht davon abgehalten, ihre Initiative für einen „13. Artikel“ weiterzuverfolgen, der die heimische Landwirtschaft stärker schützen soll. Diese Ansprüche und Einstellungen der heutigen Landwirte stellen einen direkten Bezug zu den historischen Forderungen der Zwölf Artikel dar und zeigen, dass die Themen auch heute längst nicht vom Tisch sind.

Die Entwicklungen in der Landwirtschaft haben sich seither drastisch verändert. Von den ersten bäuerlichen Siedlungen im Frühmittelalter über die Agrarrevolution im 19. Jahrhundert bis hin zu den heutigen Herausforderungen mit Wetterabhängigkeit und modernen ökologischen Richtlinien – der Weg der Landwirtschaft ist eine facettenreiche Geschichte. Noch heute leben etwa 2% der Bevölkerung in Deutschland von der Landwirtschaft, die sich durch konventionelle Methoden auszeichnet, während der ökologische Landbau eine zunehmend bedeutende Rolle einnimmt. Die Anstrengungen, die eigene Landwirtschaft zu fördern und weiterzuentwickeln, sind auch im Kontext der historischen Zwölf Artikel ein unverzichtbares Ziel, auf das zukünftige Generationen schauen können.