Es ist ein frostiger Morgen in Retzstadt, Landkreis Main-Spessart, und die Familie Pfister startet in die erste Eiswein-Lese seit dem Jahr 2016. Mit Temperaturen um die minus zehn Grad Celsius sind die Bedingungen nahezu perfekt, um die gefrorenen Trauben zu ernten. Winzer Uwe Pfister zeigt sich begeistert: „Die Bedingungen sind wirklich klasse“, wie er es beschreibt. Die reguläre Weinernte in Franken liegt bereits zwei Monate zurück, doch Eiswein verlangt Geduld und einen gewissen Wagemut, denn die Trauben müssen oft monatelang an den Reben bleiben, bis die Kälte kommt, die für die Ernte notwendig ist.
Für die Pfisters stehen etwa 300 bis 400 Kilo Silvaner-Trauben auf dem Spiel, was rund 50 Liter des edlen Eisweins ergibt. Dieser wird dann für ungefähr 50 Euro oder mehr pro Flasche verkauft. Nach deutschem Weingesetz darf Eiswein nur aus gefrorenen Trauben hergestellt werden. Dabei gilt die EU-Vorgabe, dass die Trauben bei mindestens minus sieben Grad Celsius geerntet werden müssen. Es handelt sich dabei um ein Luxusprodukt, das oft als Dessertwein serviert wird.
Die Herausforderungen der Eisweinproduktion
Die Eisweinproduktion ist jedoch nicht ohne Risiko. Milde Winter können die Ernte gefährden und auch Tiere, Regen oder Schimmel können bei der Qualität der Trauben problematisch werden. Hinzu kommt, dass der Klimawandel die Situation zunehmend erschwert. Immer öfter bleiben die kalten Tage aus, und die Trauben sind während der Wintermonate mehr Gefahr ausgesetzt, zum Beispiel durch Schadpilze, was ihre Qualität beeinträchtigt. Dieser Umstand wird durch die Tatsache verstärkt, dass laut Klimaforschern in ungefähr 50 Jahren die kalten Temperaturen, die für die Eisweinproduktion erforderlich sind, möglicherweise nicht mehr erreicht werden können. ZDF berichtet.
Um den Herausforderungen zu begegnen, forscht die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) seit über zehn Jahren an Alternativen zur traditionellen Eisweinproduktion. Eine Möglichkeit, die vielversprechend aussieht, ist die Herstellung von „Wein aus eingetrockneten Trauben“, eine Methode, die auch in Südeuropa Anwendung findet. Dabei handelt es sich um eine rechtlich geschützte Kategorie, die erlaubt, Weißweine mit hohem Zuckergehalt aus kontrolliert getrockneten Trauben herzustellen. Die Rebsorte Silvaner eignet sich besonders gut, da ihre dicke Beerenhaut vor Schimmel schützt.
Ein Blick in die Zukunft
Die Trocknung der Trauben findet entweder auf Matten in der Sonne oder in gut belüfteten Räumen statt. Das Ergebnis ist ein fruchtiger Süßwein namens „Aurum“, lateinisch für „Gold“. Die LWG bietet den Winzern dabei Unterstützung und hilft, neue Wege zu finden, um trotz des Klimawandels die Qualität ihrer Weine zu bewahren. In Zeiten, in denen die reguläre Weinlese immer weiter nach voren verschoben werden muss, ist es wichtig, die Anpassung der Sorten und Anbaumethoden voranzutreiben.
Zusätzlich zeigen Statistiken des Statistischen Bundesamts, dass von 2012 bis 2022 eine starke Zunahme bei wärmeliebenden Rebsorten wie Sauvignon blanc und Chardonnay zu verzeichnen ist. Pilzresistente Sorten, auch Piwi-Rebsorten genannt, werden ebenfalls gezüchtet, um den steigenden Herausforderungen durch den Klimawandel zu begegnen. Zudem ermöglicht die VitiVoltaic-Anlage, die über den Reben installiert wird, eine schnellere Ernte und die Nutzung von Sonnenenergie für Frostschutzmaßnahmen.
Das Weinjahr 2024 war durch Frost und Pilzbefall herausfordernd, doch die Winzer bleiben optimistisch. Der Weg in die Zukunft des bayerischen Weinbaus ist ungewiss, aber mit Innovation, Engagement und einem guten Händchen hoffen die Winzer, die Tradition des Eisweins auch in den kommenden Jahren fortführen zu können.