Im Rahmen des Gedenkjahrs „Schule braucht Erinnerung“ haben Schülerinnen und Schüler des BG/BRG Lichtenfels außergewöhnliche Biografien jüdischer Vorgänger erforscht. Diese Schüler gehörten in den 1940er Jahren zu den Betroffenen am Lichtenfelsgymnasium, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft vom Unterricht ausgeschlossen wurden, mit der Ausnahme von Otmar Silberstein, der die Matura erfolgreich ablegte. Unter der Leitung von Lehrer Klaus Schinnerl und Thomas Stoppacher vom Verein für Gedenkkultur machten sich die sechsten Klassen auf die spannende, jedoch auch emotionale Reise, um mehr über die Lebensgeschichten von Walter Berger, Herbert Kandel, Fritz Kraus, Fritz und Georg Kreisel, Ernst Rosner und Otmar Silberstein zu erfahren.

Die Ergebnisse ihrer Recherchen sind berührend. Walter Berger etwa floh nach England und nahm an der D-Day-Invasion teil, bevor er in Australien starb. Herbert Kandel entkam über Belgien nach Frankreich und kämpfte in der Résistance, um später als Polizist in Wien tätig zu sein. Tragisch endete das Schicksal von Fritz Kraus, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Für Georg und Fritz Kreisel war der Kindertransport nach England der Weg in ein neues Leben; Georg studierte in Cambridge und lehrte in Stanford. Auch Otmar Silberstein und Ernst Rosner hatten abenteuerliche Lebenswege: nach Flüchtlingsaufenthalten in unterschiedlichen Ländern fanden sie letztlich neue Heimat in England und den USA.

Lebendige Erinnerungskultur

Die Schüler zeigten nicht nur großes Engagement bei der Recherche, sondern auch beim Entziffern von Kurrentschrift und Fraktur. So wurde ihre Dokumentation über die Rettung jüdischer Kinder Teil des Projekts und zusätzlich mit deutschen Untertiteln versehen. Durch emotionale Rückmeldungen der Schüler und Berichte von Angehörigen der jüdischen Schüler, die anwesend waren oder zugeschaltet wurden, wurde deutlich, wie wichtig es ist, die Schicksale dieser Kinder lebendig zu halten. Die Verlegung von Stolpersteinen vor dem Schulgebäude soll an die Brüche in den Lebensgeschichten dieser Schüler erinnern und die Öffentlichkeit für die Bedeutung der Erinnerungskultur sensibilisieren.

Stolpersteine sind jedoch nicht nur in Lichtenfels ein wichtiges Erinnerungswerkzeug. In Berlin etwa wurde eine Zeremonie zum Gedenken an die Urgroßeltern von Dominique Linchet aus Birmingham organisiert, wo Stolpersteine für ihre Familie verlegt wurden. Diese kleinen Messingtafeln stehen als permanentes Mahnmal für die Opfer des Holocaust und sind mittlerweile in vielen Städten Teil des Gedenkens.

Ein wachsendes Netzwerk der Erinnerung

Wie die Stolpersteininitiative in Berlin zeigt, sind diese Erinnerungsprojekte nicht nur lokal, sondern auch international vernetzt. Gunter Demnig, der Schöpfer der Stolpersteine, begann 1995 in Köln und mittlerweile gibt es weltweit über 80.000 dieser Steine, mit etwa 10.000 allein in Berlin. Doch nicht alle Städte stehen dem Konzept positiv gegenüber. In München gibt es kontroverse Diskussionen über die Pietät und den Umgang mit den Stolpersteinen, die teilweise abgelehnt werden.

Dennoch bleibt das Gedenken an die jüdischen Opfer des Holocaust eine wichtige Aufgabe. Die Verlegungen werden oft von persönlichen Geschichten begleitet, und die teilnehmenden Schüler reflektieren die Geschichte ihrer Heimat und die Verantwortung für die Vergangenheit. Initiativen wie die in Lichtenfels zeigen, wie wichtig es ist, die Erinnerungen wachzuhalten, damit die Schicksale nicht in Vergessenheit geraten.

Eine emotionale Aufarbeitung, die sich durch Workshops und Zeremonien verstärkt, ist eine wertvolle Möglichkeit, um nicht nur das individuelle Schicksal der Betroffenen zu würdigen, sondern auch um einen Beitrag zur Erinnerungskultur zu leisten. Das Engagement der Schüler und Lehrer in Lichtenfels ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie aus der Geschichte etwas Zukünftiges wächst.

Für weitere Informationen zu den Stolpersteinen und dem Gedenken an die jüdischen Opfer, besuchen Sie die folgende Links: Kleine Zeitung, Tagesspiegel, Deutschlandfunk.