Im Landkreis Kronach wird ein bedeutendes Projekt zur Verbesserung der pflegerischen Versorgung ins Leben gerufen. Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hof hat die Verantwortung für eine wissenschaftliche Evaluation übernommen, die darauf abzielt, die Bedürfnisse von pflegebedürftigen Menschen, ihren Angehörigen sowie weiteren Betroffenen zu erfassen. Dieses Vorhaben ist nicht nur eine wertvolle Initiative, sondern auch ein wichtiger Schritt in die Zukunft, da es die Grundlage für die Gründung eines Kompetenzcenters Pflege bildet. Interessierte können sich direkt an die Hochschule in Hof unter der Telefonnummer 09281/4098202 wenden, um mehr Informationen zu erhalten.
Die Evaluation wird in mehreren Phasen durchgeführt, wobei die erste Datenerhebung (T0) für das erste Halbjahr 2026 geplant ist. Dabei sollen verschiedene Aspekte der aktuellen Situation im Landkreis Kronach erfasst werden. Dazu zählen unter anderem der Informations- und Orientierungsgrad der pflegebedürftigen Menschen und ihrer Angehörigen, die Nutzung vorhandener Unterstützungsangebote sowie die Hürden, die im Alltag auftreten – sei es in Form von bürokratischen Herausforderungen oder finanziellen Belastungen. Auch die persönliche Zufriedenheit mit der erhaltenen Unterstützung und die Erwartungen an das geplante Kompetenzcenter spielen eine zentrale Rolle. Die Hochschule wird hierfür sowohl Fragebögen als auch persönliche Gespräche einsetzen, um ein umfassendes Bild der Erfahrungen zu zeichnen. Ziel der Evaluation ist es, das Projekt „Gründung eines Kompetenzcenters Pflege“ systematisch zu untersuchen und zu bewerten, um die Entwicklung von Strukturen, Angeboten und Kooperationen im Pflegebereich nachvollziehen zu können. Der Förderantrag für dieses zukunftsweisende Projekt wurde bereits im November 2025 bewilligt, was die Dringlichkeit und Relevanz der Thematik unterstreicht.
Pflegebedarf im Landkreis Kronach
Der Landkreis Kronach ist besonders stark vom demografischen Wandel betroffen, mit einer alarmierenden Quote von 77 Pflegebedürftigen pro 1.000 Einwohnern. Diese Zahl stellt die höchste Anzahl an Pflegebedürftigen sowohl in Bayern als auch in Deutschland dar. Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach hat sich in diesem Zusammenhang für eine flächendeckende pflegerische Versorgung in ländlichen Regionen ausgesprochen. Bei der Bescheidübergabe für die Förderung des „Konzeptionsprojekts Kompetenzcenter Pflege“ lobte sie das Kompetenzcenter als ein Musterbeispiel für die aktive Gestaltung der Pflege vor Ort. Es wird betont, dass es kein vergleichbares, landkreisweit gedachtes Versorgungskonzept zuvor gegeben hat, was die Einzigartigkeit dieses Projekts unterstreicht.
Die wissenschaftliche Begleitung des Kompetenzcenters wird mit rund 170.000 Euro vom Freistaat Bayern gefördert. Dieses Geld soll dazu dienen, ein zentrales Beratungs- und Koordinierungsstelle für Bürgeranfragen zur Pflege zu schaffen. Ein wichtiges Ziel ist es, die Bürger schnell und bedarfsgerecht mit Unterstützungsangeboten zu versorgen. Außerdem soll ein trägerübergreifendes Netzwerk entstehen, das kommunale und pflegerische Akteure zusammenbringt, während dezentrale Pflegelotsen die Struktur in alle Gemeinden ausstrahlen. Themen wie die Digitalisierung der Pflege und die Fachkräftesicherung werden im Kompetenzcenter ebenfalls berücksichtigt, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.
Demografischer Wandel und Pflegebedürftigkeit in Deutschland
Die Situation im Landkreis Kronach spiegelt einen landesweiten Trend wider. In Deutschland sind immer mehr Menschen von Pflegebedürftigkeit betroffen. Die Zahlen sind alarmierend: Im Dezember 1999 waren es noch 2,02 Millionen Pflegebedürftige, während die Zahl im Dezember 2023 bereits auf 5,69 Millionen angestiegen ist. Über 80 % der Pflegebedürftigen werden dabei zu Hause versorgt. Im Jahr 2023 waren es sogar 4,89 Millionen (86 %), die in ihrem eigenen Zuhause Unterstützung erhalten haben. Das Risiko der Pflegebedürftigkeit steigt mit dem Alter erheblich: Bei den 70- bis 74-Jährigen sind etwa 11 % pflegebedürftig, während bei den über 90-Jährigen dieser Anteil auf erschreckende 87 % ansteigt. Prognosen zeigen, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird, was den Versorgungsbedarf weiter steigern wird.
Insgesamt zeigt sich, dass die geplante Evaluation und die Gründung des Kompetenzcenters Pflege im Landkreis Kronach nicht nur eine notwendige Reaktion auf die aktuellen Herausforderungen in der Pflege sind, sondern auch ein richtungsweisendes Modell für andere Regionen darstellen können. Erkenntnisse aus dieser wissenschaftlichen Begleitung werden als Blaupause dienen, um ähnliche Konzepte in anderen Landkreisen umzusetzen und somit die pflegerische Versorgung in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung der LFP.
Zusätzliche Details zur Evaluation können in der Meldung des Landkreises Kronach nachgelesen werden.