Am 31. März 2026 fand in Kronach die Kommandantentagung der Bürgerwehren statt. Die Veranstaltung startete am Vormittag in der Regimentsstube der imposanten Festung Rosenberg. Hier trafen sich Ehrenmitglieder, Ehrenoffiziere, Kommandanten und Gäste, die zusammen mit ihren Damen das historische Ambiente genossen. Organisiert wurde das Event vom Bund historischer Bürger- und Landwehren in Bayern, der damit die Tradition der Bürgerwehren würdigte.

Die Kronacher Gastgeber hatten es sich nicht nehmen lassen, zahlreiche Gäste aus 92 bayerischen Landkreisen willkommen zu heißen. Ein festlicher Umzug, begleitet von den Marschklängen der Musikkapelle, zog durch das historische Burgtor der Stadt und gab der Veranstaltung einen besonderen Rahmen. Lokalpolitiker betonten in ihren Reden den wichtigen Einsatz der Ehrenamtlichen, die „da liegt was an“ und mit ihrem Engagement zur Erhalt der Geschichte beitragen.

Eine lange Tradition

Die Kronacher Bürgerwehr blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück, die bis ins Mittelalter reicht. Bereits 1444 wurden die Stadtschützen in einer Bürgermeisterrechnung erstmals schriftlich erwähnt. Diese waren nicht nur gut organisiert, sondern auch mit einer Art Zeche und Schießgeld für ihre Dienste entlohnt. Während feierlicher Anlässe, wie dem Fronleichnamsfest, übernahmen die Stadtschützen nicht nur Wachdienste an den Stadttoren, sondern begleiteten den Pfarrer auch beim Festumzug.

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Bürgerwehr viele Wandlungen. Im 17. Jahrhundert fungierten Ausschuss-Kompanien während des Dreißigjährigen Krieges sogar als Landwehr. Die Schützenkompanie wurde ein fester Bestandteil des Kronacher Stadtlebens und veranstaltete regelmäßige Übungsschießen. Wer beim jährlichen Freischießen gewann, der durfte sein Bier steuerfrei brauen — das war ein ganz spezielles Privileg. Ein weiterer Meilenstein war die Bildung einer Bürgerlichen Artillerie-Kompanie während des Siebenjährigen Krieges, die 1803 aus 22 Mitgliedern bestand.

Die Wiederbelebung der Bürgerwehr

Die Bürgerwehr fiel im Jahr 1808 in eine Art Schlummer, als sie durch das Landwehrbataillon ersetzt wurde. Dennoch wurde sie in Kriegszeiten erneut gebildet. Doch erst 1976 erlebte die Bürgerwehr unter Bürgermeister Baptist Hempfling und Kommandant Hans Eichner eine wahre Renaissance. Die heutigen Uniformen orientieren sich an historischen Vorbildern aus dem Jahr 1760, und die Bürgerwehr trifft sich regelmäßig in der Festung Rosenberg, um Vorträge zu historischen Themen zu halten.

Zu den Aktivitäten der Bürgerwehr zählen die Teilnahme an lokalen Festen in Kronach sowie Fahrten zu verschiedenen Veranstaltungen im In- und Ausland. In den Jahren 1994 bis 2007 wurden zwei Kanonen errichtet, die das historische Bild der Bürgerwehr unterstreichen. Die Kompanie setzt sich zusammen aus Schützen, Artillerie, Musikcorps und Marketenderinnen und ist hundertprozentig im Bund historischer Bürger- und Landwehren in Bayern sowie in der Union der Europäischen Wehrhistorischen Gruppen vertreten.

Diese lebendige Tradition wird auch zukünftig durch solche Veranstaltungen weitergetragen, wobei die Kronacher Bürgerwehr sich im Dienst der Geschichte und des Gemeinwohls sieht.