Am 16. Februar 2026 fand an der Technikerschule Allgäu (TSA) in Kempten die mittlerweile vierte Firmenkontaktmesse statt, die vom Förderverein der Technikerschule organisiert wurde. 21 Mitgliedsunternehmen präsentierten sich an diesem Tag und boten den Studierenden die Möglichkeit, wertvolle Kontakte zu knüpfen. Besonders auffällig war der hohe Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Baubranche, was die Relevanz dieser Veranstaltung unterstreicht. Karin Bäurle von Ferchau Engineering betonte, dass sowohl im Hochbau als auch in der Technischen Gebäudeausrüstung ein großer Bedarf an Bautechnikern und Bautechnikerinnen besteht. Die Unternehmen legen besonderen Wert auf die praxisorientierte Qualifikation der Studierenden, um sie optimal auf die Herausforderungen im Berufsleben vorzubereiten.

Die Bedeutung eines obligatorischen Praxisjahres vor der Technikerweiterbildung kam ebenfalls zur Sprache. Bäurle sprach sich klar gegen eine Abschaffung dieser Regelung aus, da sie als essenziell für die berufliche Entwicklung angesehen wird. Matthias Reis, Geschäftsführer von Ernst Höbel, bestätigte diese Sichtweise und hob hervor, wie wichtig die Verzahnung von Berufspraxis und theoretischen Inhalten für den beruflichen Werdegang ist. Auch positive Rückmeldungen von Ausstellern aus der Maschinenbau- und Elektrobranche zeigten die vielfältigen Möglichkeiten, die den Absolventen offenstehen.

Vielfältige Berufschancen in der Region

Die Firmenkontaktmesse offenbarte nicht nur den Bedarf an Fachkräften, sondern auch die unterschiedlichen Branchen, die auf der Suche nach neuen Mitarbeitern sind. Während Automobilzulieferer derzeit kaum neues Personal benötigen, bieten Verpackungsmaschinenhersteller im Allgäu gute Einstellungsmöglichkeiten. André Mayer von der Firma Albrecht berichtete, dass Maschinenbauer Personal an Verpackungsmittelhersteller ausleihen, um Konjunkturdellen auszugleichen. Dies zeigt die dynamischen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und die Notwendigkeit, flexibel auf Anforderungen zu reagieren.

Die Technikerschule Allgäu selbst hat langjährige Erfahrung in der Ausbildung und bietet eine Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker an. Der Unterricht findet in Vollzeit über zwei Jahre statt und baut auf einer beruflichen Erstausbildung sowie mindestens einjähriger Berufserfahrung auf. Hierbei wird ein umfassendes Grundlagenwissen vermittelt, das durch regelmäßige Projektarbeiten ergänzt wird, um fachübergreifendes Denken und Handeln zu fördern. Die hauseigenen Einrichtungen und Labore sind von hoher Qualität und unterstützen die Studierenden in ihrer praktischen Ausbildung. Der Abschluss „Staatlich geprüfter Techniker/in“ ist im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) in Stufe 6 eingeordnet, was die hohe Relevanz und Wertigkeit dieser Ausbildung unterstreicht.

Aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt

Die Bauwirtschaft in Deutschland zeigt sich in einem ständigen Wandel. Nach einer langen Baurezession zwischen 1995 und 2005 wurde seit 2010 vermehrt Personal eingestellt. Bis 2023 wurden etwa 500.000 Personen eingestellt, was abzüglich der Rentenabgänge ein Plus von 222.000 Personen bedeutet. Allerdings ist die Branche mittlerweile mit Herausforderungen konfrontiert. 2024 wurde erstmals seit 2008 Personal abgebaut, was auf eine Unsicherheit in der Baukonjunktur hinweist. Die Baufirmen benötigen Vertrauen in eine stabile Baukonjunktur, um nachhaltige Kapazitäten aufzubauen und die dringend benötigten Wohnungen zu errichten. Eine verlässliche Förderpolitik sowie eine einheitliche Bundesbauordnung sind notwendig, um die Baukosten zu senken und die Situation zu verbessern.

Die personellen Kapazitäten am deutschen Bauarbeitsmarkt haben sich leicht entspannt, dennoch bleibt der Fachkräftemangel ein Thema, das viele Unternehmen beschäftigt. 59 % der Bauunternehmen sehen den Fachkräftemangel als Risiko für ihre Geschäftstätigkeit. Die Integration von arbeitslosen Baufacharbeitern hat sich zwar verbessert, doch der Rückgang der Ausbildungszahlen und der hohe Anteil vorzeitig gelöster Ausbildungsverträge im Hoch- und Tiefbau sind alarmierende Signale für die Zukunft der Branche.

Insgesamt zeigt sich, dass die Technikerschule Allgäu und die Firmenkontaktmesse wichtige Plattformen für die Verbindung von Ausbildung und Arbeitsmarkt sind. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen ist entscheidend, um den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden und die Fachkräfte von morgen auszubilden. Wer sich für eine Karriere in der Technik oder im Bauwesen interessiert, findet hier zahlreiche Möglichkeiten und Perspektiven.

Für weiterführende Informationen zur Firmenkontaktmesse und zur Technikerschule Allgäu besuchen Sie bitte die Allgäuer Zeitung und die Webseite der Technikerschule Allgäu.

Für mehr Informationen zur Fachkräftesituation in der Bauwirtschaft und den aktuellen Entwicklungen besuchen Sie die Seite der Bauindustrie.