In der Marktgemeinde Rohr im Landkreis Kelheim ist die Diskussion um das geplante Amazon-Logistikzentrum in vollem Gange. Der Marktgemeinderat hat seit Montag mit einer Vielzahl von Einwänden und Stellungnahmen zu kämpfen, die an drei Abenden bearbeitet werden müssen. Die zentrale Frage, die alle auf den Nägeln brennt, lautet: Nimmt das Projekt die nächste Hürde? Hierbei handelt es sich um ein Vorhaben, das in der Region für viel Gesprächsstoff sorgt und die Meinung der Bürger polarisiert. Laut Donaukurier, gingen über 400 Einwände ein, unter anderem Bedenken aus der Bevölkerung über den Verlust eines Naherholungsraums und die Gefahren durch den steigenden Verkehr.
Der Gemeinderat hat mit großer Mehrheit für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan gestimmt. Lediglich zwei Gemeinderäte sahen das Vorhaben kritisch und stimmten dagegen, wie BR berichtet. Durch die Ansiedlung könnte das Logistikzentrum bis zu 1.500 Arbeitsplätze schaffen und Gewerbesteuereinnahmen generieren, die möglicherweise in die örtliche Kinderbetreuung und Straßeninfrastruktur fließen. Dies sei besonders wichtig in Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Lage, betonte ein Gemeinderat in der Sitzung.
Nicht nur Vorteile
Trotz dieser positiven Aspekte gibt es auch kritische Stimmen. Ein Gemeinderatsmitglied äußerte Bedenken hinsichtlich des Flächenverbrauchs des Projekts, während die Fläche an der Autobahn als ökologisch weniger wertvoll eingeschätzt wird. Der Bau des Logistikzentrums wird voraussichtlich mehrere zehntausend Quadratmeter beanspruchen und könnte landwirtschaftlich genutzte Flächen sowie Grünflächen ersetzen, was die lokale Biodiversität gefährden könnte, wie eine Analyse von antwort.net zeigt.
Die Verkehrssituation stellt ein weiteres großes Thema dar. Prognosen des Verkehrsgutachtens sprechen von bis zu 6.500 An- und Abfahrten pro Tag, was für die umliegenden Ortschaften, wie Offenstetten, erhebliche Verkehrsbelastungen mit sich bringen könnte. Kritiker fürchten, dass diese Entwicklung die Luftqualität und die Lebensqualität in der Region beeinträchtigen könnte.
Widerstand und Zukunftsaussichten
Trotz der Genehmigung des Bebauungsplans ist der Widerstand der Bürgerinitiative nicht gebrochen. Diese haben angekündigt, gegen das Logistikzentrum weiter zu kämpfen. Besonders die Befürchtung, dass der dörfliche Charakter der umliegenden Orte verloren geht, bereitet vielen Menschen Sorgen. Zudem gibt es Bedenken über die zu erwartende Zunahme des Verkehrsaufkommens, welches die Sicherheit der Bewohner und insbesondere von Haustieren gefährden könnte.
Die Feuerwehr der Gemeinden Bachl und Rohr sieht unterdessen keine weiteren Erfordernisse für die Einsatzmittel in Zusammenhang mit dem Logistikzentrum. Auch die Sorgen bezüglich einer Überlastung des Wohnungsmarktes und des Zuzugs von neuen Mitarbeitern wurden als unbegründet abgetan. Der Großteil der künftigen Mitarbeiter soll maximal 30 Minuten Anfahrtszeit haben, was für die kommunalen Planer und die Ansiedlung von Amazon ein wesentliches Argument darstellt.
Abschließend bleibt zu sagen, dass das Projekt Amazon-Logistikzentrum ein zweischneidiges Schwert ist. Während die wirtschaftlichen Chancen verlockend sind, mahnen die Bedenken um Umwelt und Verkehr zur Vorsicht. Die bevorstehende öffentliche Auslegung der Planungsunterlagen wird wohl entscheidend dafür sein, wie die weitere Entwicklung in der Marktgemeinde Rohr gestaltet wird.



