Kaufbeuren in der Wohnungsnot: 800 neue Einheiten dringend gesucht!
Kaufbeuren steht vor einem Wohnungsengpass: Bis 2028 fehlen jährlich 230 Neubauten, während der Leerstand steigt.

Kaufbeuren in der Wohnungsnot: 800 neue Einheiten dringend gesucht!
In Kaufbeuren steht der Wohnungsbau vor großen Herausforderungen. Ein aktueller Bericht des Pestel-Instituts macht auf die drängenden Bedürfnisse im Immobiliensektor aufmerksam. Laut diesem Bericht fehlen in der Stadt rund 800 Wohnungen, was die Situation für zukünftige Generationen zusätzlich belastet. Die Analyse zeigt deutlich, dass Kaufbeuren bis 2028 jährlich etwa 230 neue Wohnungen benötigt, um der stetig wachsenden Bevölkerungszahl gerecht zu werden. Aktuell sind in Kaufbeuren etwa 190 Wohnungen nicht verfügbar, was die Dringlichkeit sich ziemlich klar vor Augen führt. Die Stadt ist also gut beraten, ihre Bemühungen im Wohnungsbau zu intensivieren.
Seit dem Jahr 2020 wurden insgesamt 970 Wohneinheiten genehmigt, wovon über 700 tatsächlich in die Realität umgesetzt wurden. Besondere Fortschritte gibt es derzeit an der Füssener Straße, wo 218 Wohnungen kurz vor der Fertigstellung stehen, sowie in der Marktoberdorfer Straße, wo 60 neue Einheiten in den Startlöchern sind. Konkrete Maßnahmen haben bereits dazu geführt, dass Wohnraum für über 2.000 Personen geschaffen wurde, oft durch Nachverdichtungen. Jede 25. Wohnung ist in den letzten sechs Jahren neu entstanden, was eine beachtliche Leistung ist. Von den 39 genehmigten Wohnungen im ersten Halbjahr 2025 stehen jedoch 45 weitere noch zur Genehmigung an, was den scheuen Schwung auf dem Markt verdeutlicht.
Die Problematik des Wohnungsleerstands
Trotz dieser Fortschritte bleibt ein gewisser Wohnungsleerstand ein Thema. Rund 930 Wohnungen in Kaufbeuren stehen derzeit leer, was 4 Prozent des gesamten Wohnungsbestands entspricht. Besonders besorgniserregend ist, dass etwa 420 dieser leerstehenden Wohnungen seit über einem Jahr ungenutzt sind. Dies bedeutet, dass 45 Prozent des Leerstands dringend renoviert werden müssten, um diese Einheiten wieder bewohnbar zu machen. Hauseigentümer zögern oft mit nötigen Sanierungen, plagen sie sich doch mit Unsicherheiten bezüglich der Bauvorschriften und der politischen Verlässlichkeit. Auch Erbstreitigkeiten und Vorbehalte gegenüber Mietern drücken auf den Markt.
Baureferent Helge Carl unterstützt aktuelle Bestrebungen, die Bauvorschriften zu vereinfachen und die Baustandards zu senken. Die Rückhaltung am Wohnungsmarkt wird nicht nur durch hohe Standards und Kosten, sondern auch durch Zinssätze zusätzlich erschwert. Das Pestel-Institut, das diesen Bericht auf Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel erstellte, warnt vor einer möglichen „Absturz-Spirale“ im Wohnungsneubau. Die BDB-Präsidentin Katharina Metzger fordert eine Abkehr von überzogenen Förderkriterien, die den Neubau behindern, und warnt eindringlich vor den sozialen Spannungen, die durch den Wohnungsmangel entstehen können.
Geplante neue Projekte – ein Lichtblick?
Die Stadt ist jedoch nicht untätig. Geplante Projekte wie das Postareal in der Heinzelmannstraße, Blasius-Blick und Märzenpark sollen insgesamt über 200 neue Wohnungen schaffen. Dennoch bleibt ein „Planungsvorrat“ an genehmigten, aber bisher nicht realisierten Wohnungen, der in einer dreistelligen Anzahl schwer zu beziffern ist. Die Hoffnung auf eine positive Wende im Wohnungsbau bleibt präsent, doch wird es entscheidend sein, die Politik auf die Notwendigkeit der Schaffung weiteren Wohnraums aufmerksam zu machen.
In Anbetracht der hohen Anforderungen an den Wohnungsbau und des Bestands an ungenutzten Wohnungen steht Kaufbeuren also an einem kritischen Wendepunkt. Es bedarf dringend kreativem Handeln und einer zielgerichteten Politik, um dem künftigen Wohnraummangel entgegenzuwirken und die Lebensqualität in der Stadt zu sichern.