Ingolstadt, bekannt als Heimat des Automobilherstellers Audi, blickt auf eine beeindruckende militärische Vergangenheit zurück. Über 400 Jahre war die Stadt der militärische Mittelpunkt Bayerns und ist heute noch geprägt von den Überresten einer imposanten Festung. Das Neue Schloss beherbergt nicht nur ein mittelalterliches Stadttor, sondern fungiert auch als Bayerisches Armeemuseum, in dem Besucher in die Geschichte der Stadt eintauchen können.
Die Ursprünge der Festungsanlagen liegen in der Stadtmauer, die 1280 errichtet wurde, und die im 15. Jahrhundert durch eine zweite Mauer mit 87 Türmen ergänzt wurde. Ingolstadt wurde oft als die „Stadt der 100 Türme“ bezeichnet. Herzog Wilhelm IV. ließ die Stadt zwischen 1538 und 1545 zur Landesfestung ausbauen, was Ingolstadt an der strategisch wichtigen Nordgrenze Bayerns und an einer bedeutenden Donaubrücke weiter festigte. Im Dreißigjährigen Krieg erwies sich die Festung als äußerst widerstandsfähig, als sie dem schwedischen Heer unter Gustav II. Adolf standhielt. Ein unglückliches Ereignis während dieser Belagerung war der Tod des Pferdes des schwedischen Königs, dessen Überreste heute im Stadtmuseum zu sehen sind.
Die Entwicklung der Festung
Die Bemühungen um den Ausbau der Festungsanlagen nahmen im Jahr 1631 zu, als bedeutende Verstärkungen in Angriff genommen wurden. Ein neuer befestigter Brückenkopf, bestehend aus einem Hornwerk und einer Schanze, wurde errichtet. Das Katastrophenjahr 1632 brachte die Schlacht bei Rain am Lech, die verloren ging, und den Tod des verwundeten Generals Tilly in Ingolstadt. Obwohl König Gustav Adolf von Schweden keinen direkten Angriff auf die Stadt plante, wollte er die Brücke zerstören, um die bayerische Armee zu isolieren. Am 29. April 1632 begann der erste Angriff der Schweden auf den Brückenkopf, der jedoch nicht eingenommen werden konnte. Ein weiterer Angriff am 1. Mai blieb ebenfalls erfolglos, und nach einem Rückschlag am 3. Mai zog Gustav Adolf seine Truppen ab. Ingolstadt blieb während des gesamten Dreißigjährigen Krieges unbesetzt und war der einzige bedeutende Ort im Kurfürstentum Bayern, der nicht eingenommen wurde.
Nach dem Krieg investierte Kurfürst Ferdinand Maria ab 1651 in den Wiederaufbau und die Verstärkung der Festung. Zwischen 1651 und 1653 wurden rund 20.000 Gulden für Reparaturen ausgegeben, und zwischen 1654 und 1662 flossen etwa 260.000 Gulden in umfassende Verstärkungen. Dies führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und der Beschäftigung von bis zu 2000 Arbeitern in der Stadt.
Die Spuren der Militärgeschichte
Ingolstadt war in den letzten fünf Jahrhunderten der am stärksten befestigte Ort in Bayern. Obwohl viele Festungsanlagen nach 1800 und 1945 großflächig abgetragen wurden, sind einige beeindruckende Bauten erhalten geblieben. Die Stadt hat ihren Namen „Schanz“ und die Bewohner „Schanzer“ von ihrer militärischen Vergangenheit. Besonders bemerkenswert sind die erhaltenen Bastionen wie die Ziegelbastei, Harderbastei und Kugelbastei. Ab 1828 wurde ein neuer Verteidigungsring mit zirkularen Festungsbauten begonnen, entworfen von Ingenieuroffizieren wie Michael von Streiter und Peter von Becker sowie Hofarchitekt Leo von Klenze. Die Altstadt wird heute von einer breiten Esplanade umgeben, die als Grüngürtel dient und die Reste der ehemaligen Festung integriert.
Trotz der Aufhebung des Festungsstatus 1937 und der Zerstörungen nach dem Zweiten Weltkrieg bleibt die Stadt von ihrer militärischen Vergangenheit geprägt. Ingolstadt hat sich seitdem durch den Ausbau zum Eisenbahnknotenpunkt und die Ansiedlung von Rüstungsbetrieben zur führenden Industriestadt in Bayern entwickelt. Auch heute ist ein Rundgang um die alten Bastionen ausgeschildert und führt interessierte Besucher zu verschiedenen historischen Punkten in Ingolstadt. Die Stadt hat damit nicht nur ihre Geschichte bewahrt, sondern auch einen lebendigen Zugang zu ihrer Vergangenheit geschaffen.