Zu den skandalösen Zuständen bei einem Reptilienhalter in Haßberge offenbart die Kontrolle des Veterinäramtes alarmierende Ergebnisse. Wie mainfranken.news berichtet, entdeckten Experten vom Vetamt und dem LGL insgesamt 96 Tiere in einer katastrophalen Haltungsumgebung. Davon waren 32 Geckos bereits tot. Die Umstände der Tierhaltung wurden als unerträglich eingestuft, da die speziellen Bedürfnisse der Reptilien offensichtlich nicht berücksichtigt wurden.

Die Toten wurden offenbar durch Hunger und Durst getötet, während die Ursache für die Todesfälle nun durch pathologische Untersuchungen des LGL ermittelt werden soll. Bei der Kontrolle zeigte sich der Tierhalter äußerst wenig kooperativ und ließ seiner Verärgerung über die anwesenden Polizeibeamten und Behördenmitarbeiter freien Lauf. Neben der Verantwortung für die Tierschutzverletzungen wird er nun auch mit einer Strafe und den Kosten für die Untersuchung sowie die vorläufige Unterbringung der lebenden Tiere rechnen müssen.

Reaktionen und Forderungen

Die Tierschutzorganisation PETA kündigte bereits eine Strafanzeige gegen den Tierhalter an. PETA kritisiert, dass der Handel mit und die Privathaltung von „exotischen“ Tieren in Deutschland weiterhin erlaubt sind, obwohl jährlich Hunderte dieser Tiere entweichen oder ausgesetzt werden. Die Organisation fordert daher ein bundesweites Verbot für solche Tierschäden, da dies einen integralen Bestandteil der Tierhaltungsproblematik darstellt.

Dieser Vorfall wirft ein grelles Licht auf ein systematisches Problem: Jedes Jahr landen viele „exotische“ Tiere in überfüllten Tierheimen, zumeist aufgrund schwerer Haltungsfehler. Eine umfassende Studie zeigt, dass über 51 Prozent der verstorbenen Reptilien in der Obhut des Menschen an Haltungsfehlern litten. Laut einer Untersuchung des BMUV aus dem Jahr 2020 trägt der Handel mit „exotischen“ Wildtieren nicht nur zur Gefährdung verschiedener Arten bei, sondern auch zur Stärkung von Missständen im Tierschutz.

Der Reformbedarf im Tierschutz

Der aktuelle Fall steht im direkten Zusammenhang mit den fortwährenden Diskussionen über den Tierschutz in Deutschland. Der Bundestag hat vor Kurzem über ein neues Tierschutzgesetz debattiert, das nach wie vor als große Enttäuschung wahrgenommen wird. Während die Ampel-Regierung im Koalitionsvertrag eine umfassende Überarbeitung versprochen hatte, bleiben viele brutale Haltungsformen, wie die Anbindehaltung von Rindern und Qualzuchten, bestehen. Diese Defizite werden durch die moderaten Regelungen im neuen Entwurf noch verstärkt.

Experten und Tierschutzorganisationen sind sich einig: Es müssen schnellstmöglich Maßnahmen ergriffen werden, um die tierischen Mitbewohner zu schützen. Vorschläge zur Stärkung des Tierschutzstrafrechts wurden bislang nicht entsprechend genutzt. Die Hoffnung auf bessere Standards und ein Ende der Qualzuchten bleibt im Moment eher vage.

Das Thema, wie lto.de beleuchtet, zeigt, dass viele der bestehenden Probleme an der Wurzel angepackt werden müssen. Nur so kann eine wirksame Veränderung im Tierschutz erzielt werden, die nicht nur den gefangenen Tieren zugutekommt, sondern auch jenen, die unter den Folgen einer nicht-Artgerechten Notunterbringung leiden müssen.