In Unterfranken sorgt ein aktueller Fall für Aufsehen, der die dunkle Seite des Amateurfußballs beleuchtet. Ein Trainer einer Jugendfußballmannschaft steht im Verdacht, sein Team heimlich in der Dusche und Umkleide gefilmt zu haben. Die mutmaßlichen Opfer sind etwa 15 Jahre alt. Diese schweren Vorwürfe wurden von den betroffenen Jugendlichen erhoben und haben eine umfassende Ermittlung ausgelöst. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Bamberg durchsuchte die Polizei die Wohnung des Verdächtigen im Januar und Februar. Dabei wurden Speichermedien sichergestellt, deren Auswertung den Verdacht erhärtete. Der genaue Ort im Landkreis Haßberge, an dem die Aufnahmen gemacht wurden, wurde nicht bekannt gegeben, und es wird wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen ermittelt. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Die Schwere der Vorwürfe wirft jedoch eine größere Frage auf: Wie ist es um den Schutz von Kindern und Jugendlichen im deutschen Amateurfußball bestellt? Eine Untersuchung von Correctiv und 11Freunde zeigt, dass Hunderte Kinder und Jugendliche im deutschen Amateurfußball von Gewalt betroffen sind. Die Täter sind häufig Trainer und andere Funktionsträger. Laut den Recherchen ist von „gravierenden Missbrauchsproblemen“ im Amateurfußball die Rede, und es wird ein „enormes Dunkelfeld“ an nicht erfassten Fällen vermutet. Seit 2020 wurden mindestens 37 Ermittlungsverfahren wegen Gewaltdelikten gegen Minderjährige im Fußball dokumentiert, betroffen sind mindestens 130 Geschädigte, die in über tausend einzelnen Taten verzeichnet sind.

Ein alarmierendes Dunkelfeld

Die Fakten sind alarmierend: Die Auswertung der Strafverfahren zeigt, dass die tatsächliche Anzahl der Fälle sogar höher sein könnte, da es keine gesonderte Erfassung solcher Taten gibt. Die Palette der sexualisierten Taten reicht von geheimen Filmaufnahmen über unsittliche Berührungen bis hin zu schwerwiegenden Übergriffen. Diese Vorfälle fanden nicht nur in Umkleideräumen statt, sondern auch auf Vereinsgeländen, in Privaträumen und während Fußballcamps. Auch wenn die Ermittlungen im Fall des Trainers in Unterfranken noch laufen, wird deutlich, dass es ein strukturelles Problem im gesamten deutschen Fußball gibt.

Die DFB-Vizepräsidentin Silke Sinning fordert, dass weniger Datenschutz-Hürden geschaffen werden, um Vereine vor übergriffigen Trainern zu warnen. Eine nicht repräsentative Online-Befragung ergab, dass viele Vorfälle nicht bei den Ermittlungsbehörden gemeldet wurden. Die Gewaltformen, die in dieser Umfrage erwähnt wurden, umfassen sexuelle Übergriffe, rassistische und homofeindliche Äußerungen sowie körperliche Gewalt und Mobbing.

Die Notwendigkeit von Präventionsarbeit

Das Thema interpersonelle Gewalt im Fußball ist komplex und umfasst nicht nur die offensichtlich strafbaren Handlungen, sondern auch unangemessene Verhaltensweisen, die in der Vergangenheit oft als „normal“ galten. Dazu zählen beispielsweise das Duschen mit Spieler*innen oder übermäßige Umarmungen, die Grenzen verletzen können. Die Wahrnehmung von akzeptablem Verhalten hat sich über die Jahre geändert, und es ist wichtig, dass Vereine und Verbände sich mit diesen Themen auseinandersetzen.

Eine strukturierte Präventionsarbeit, basierend auf einem Schutzkonzept, ist unerlässlich, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Dies ist nicht nur wichtig für die Sicherheit der jungen Sportler, sondern auch für die Existenz von Verbänden und Vereinen. Ein offener Umgang mit dem Thema Gewalt im Sport ist ein Zeichen für verantwortliche Vereinsarbeit und sollte nicht aus Angst vor negativer Publicity vermieden werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vorwürfe gegen den Trainer aus Unterfranken ein Symptom eines tiefer liegenden Problems im deutschen Fußball darstellen. Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten, um die Sicherheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen im Sport zu gewährleisten. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Interessierte auf der Webseite des DFB.