In Unterfranken sorgt ein schwerer Vorwurf für Aufregung: Ein Trainer einer Jugendfußballmannschaft wird beschuldigt, sein Team heimlich in der Dusche und Umkleide gefilmt zu haben. Die mutmaßlichen Opfer sind Jugendliche, die etwa 15 Jahre alt sind und den Trainer jetzt zur Rede stellen. Diese ernsthaften Vorwürfe haben zu einer Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft Bamberg geführt, die zusammen mit der Polizei die Wohnung des Verdächtigen in den vergangenen Monaten durchsucht hat. Bei dieser Durchsuchung wurden Speichermedien sichergestellt, deren Auswertung die Verdachtsmomente verstärkte. Es wird wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen ermittelt.BR.de berichtet, dass der genaue Ort der mutmaßlichen Aufnahmen im Landkreis Haßberge nicht bekannt gegeben wurde, ebenso bleibt unklar, ob der Trainer zu den Vorwürfen Stellung genommen hat. Bis zu einer möglichen Verurteilung gilt für ihn die Unschuldsvermutung.

Diese Vorfälle sind nicht die Ausnahme, sondern Teil eines besorgniserregenden Trends im deutschen Amateurfußball. Verantwortliche und Trainer sind oft die Täter. Wie eine umfassende Recherche von Correctiv und 11Freunde zeigt, sind Hunderte Kinder und Jugendliche von Gewalt betroffen, unter denen auch sexuelle Übergriffe und schwere Missstände verbrieft sind. Insgesamt wurden seit 2020 mindestens 37 Ermittlungsverfahren wegen Gewaltdelikten gegen Minderjährige im Fußball dokumentiert, betroffen sind mehr als 130 Geschädigte. Die Dunkelziffer ist möglicherweise noch viel höher, denn viele Vorfälle bleiben ungemeldet, wie auch in einer nicht repräsentativen Online-Befragung festgestellt wurde. Hierbei berichteten Teilnehmer nicht nur von sexualisierten Übergriffen, sondern auch von anderen Formen von Gewalt wie Mobbing und Erniedrigung (kicker.de).

Die Gefahren im Amateurfußball

Die Gefahren, die im Fußball lauern, sind vielfältig. In Trainingslagern, auf Fahrten oder einfach im Vereinsleben können zwischen Kindern und Jugendlichen auch unbewusst Übergriffe entstehen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hebt hervor, dass die Wahrnehmung von akzeptablem Verhalten sich über die Jahre verändert hat. Während bestimmte körperliche Kontakte, wie das Trösten eines Kindes, als normal gelten, gibt es auch Verhaltensweisen, die Grenzüberschreitungen darstellen, wie etwa das Duschen mit Spieler*innen oder übermäßige Umarmungen. Eine strukturierte Präventionsarbeit ist deshalb unerlässlich, um Kinder und Jugendliche im Fußball zu schützen und die Integrität von Vereinen zu bewahrendfb.de informiert.

Die Problematik des Missbrauchs im Fußball scheint ein „enormes Dunkelfeld“ zu beinhalten, welches durch eine gesonderte Erfassung von Taten nicht erfasst wird. DFB-Vizepräsidentin Silke Sinning fordert daher, Datenschutz-Hürden abzubauen, damit Vereine vor übergriffigen Trainern gewarnt werden können. Die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat außerdem die Durchführung einer Dunkelfeldstudie verlangt, um das Ausmaß der Situation besser zu verstehen.

Die aktuellen Vorwürfe gegen den Trainer aus Unterfranken stellen somit einmal mehr ein dringendes Problem im deutschen Fußball dar, das nicht nur die betroffenen Kinder betrifft, sondern auch die gesamte Gemeinschaft der Sportvereine aufrüttelt. Der Fußball hat die Verantwortung, nicht nur auf sportlicher Ebene, sondern auch im Schutz von Kindern und Jugendlichen aktiv zu werden. Es liegt an allen Beteiligten, sich dem Thema offen zu widmen und Missstände auszuräumen, damit der Sport für alle eine sichere und positive Erfahrung bleibt.