Im Landkreis Günzburg sorgen Sticker in verschiedenen Größen, Farben und Formen für ordentlich Aufregung. Die bunten Kleber, die sich auf Licht- und Ampelmasten, Strom- und Postkästen, Parkscheinautomaten, Bushäuschen, Abfallbehältern und Verkehrsschildern niedergelassen haben, breiten sich zusehends aus. Gerhard Bäuerlein von der Straßenmeisterei Günzburg berichtet, dass die Anzahl der Sticker in letzter Zeit merklich zugenommen hat. Ob dieser Anstieg in Zusammenhang mit der bevorstehenden Kommunalwahl, dem Fasching oder dem Fußball zu tun hat, bleibt unklar. Dennoch empfinden viele die Situation als ärgerlich, denn den Aufklebern ist kaum beizukommen, wie Bäuerlein ärgerlich feststellt.
Die Entfernung der Sticker ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch teuer. Bäuerlein weist auf die möglichen finanziellen Konsequenzen für die Steuerzahler hin. In anderen deutschen Städten wie Jena wird das Ausmaß der Stickerproblematik bereits länger erkannt. So lässt sich dort die Entfernung eines einzelnen Stickers in der Regel auf einen Arbeitsaufwand von mindestens einer Stunde schätzen, die mit etwa 50 Euro zu Buche schlägt. Jena gibt pro Jahr zwischen 25.000 und 50.000 Euro aus, um die Aufkleber loszuwerden, was die Bürger vor eine Herausforderung stellt. Auch in Weimar und Erfurt gehört das Entfernen von bis zu zehn Stickern pro Woche zum Alltag der Kommunen.
Sticker: Ästhetik oder Ärgernis?
Die Stickerflut bedeutet nicht nur einen ästhetischen Verlust, sondern birgt auch sicherheitsrelevante Probleme. Wie in Erfurt zu beobachten ist, beeinträchtigen die Kleber die Lesbarkeit von Verkehrsschildern erheblich, was für die Verkehrssicherheit nicht unerheblich ist. In einigen Städten, beispielsweise Erfurt, können für das unerlaubte Bekleben sogar Bußgelder von bis zu 5.000 Euro verhängt werden. Allerdings werden die Verursacher selten dingfest gemacht. Die vielen verschiedenen Sticker, die häufig sportliche Themen, insbesondere aus dem Fußballbereich, umfassen, machen die Sache auch nicht einfacher.
Um der Sticker-Problematik Herr zu werden, setzen einige Kommunen auf technische Lösungen und Aufklärungsarbeit. Jena testete spezielle Reiniger, deren Einsatz jedoch zu kostspielig für den Alltag ist. In Weimar beispielsweise entschloss man sich, viele Schilder mit Anti-Sticker-Folie zu versehen. Auch in Leinefelde wurden Infoflyer an Schulen verteilt, um das Bewusstsein für das Thema bei jungen Menschen zu schärfen. Die Suche nach einem wirksamen und gleichzeitig finanziell tragbaren Mittel zur Bekämpfung der Sticker bleibt aber eine Herausforderung für viele Städte und Gemeinden.
Ein Blick über die Grenzen
Die Erfahrungen aus Thüringen zeigen, dass das Stickerproblem dort bereits seit Jahren hoch im Kurs steht. Städte wie Jena, Gera und Südlitze kämpfen mit den Folgen der immer wiederkehrenden Stickerungswelle. Diese Herausforderungen sind nicht einzigartig für den Landkreis Günzburg und könnten als Hinweis dienen, dass ein gemeinschaftlicher Ansatz und die Vernetzung zwischen den Städten nötig sind, um dieses Phänomen in den Griff zu bekommen.
Das Thema Sticker bleibt damit nicht nur ein Ärgernis, sondern wirft auch Fragen nach den kulturellen, sozialen und finanziellen Aspekten auf, die in Zukunft von den Verantwortlichen ernsthaft angegangen werden sollten. Es wird spannend sein zu beobachten, welche Strategien und Lösungen die Gemeinden entwickeln, um dieser klebrigen Herausforderung zu begegnen.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Berichten von Augsburger Allgemeine, nag-bayern.de und Zeit.de.



