In einem spektakulären Fall von Schwarzarbeit im Landkreis Günzburg wurde ein Dachdeckerunternehmer in Untersuchungshaft genommen. Der Mann steht im Verdacht, über Jahre hinweg zahlreiche Schwarzarbeiter beschäftigt zu haben, was zu einem Gesamtschaden von 2,8 Millionen Euro führte. Der Zoll in Ulm, der die Ermittlungen führte, berichtet, dass der Unternehmer bereits seit Jahren im Fokus der Ermittler stand und mehrere Scheinfirmen gegründet haben soll. Diese Firmen wurden unter den Namen von Strohleuten aus seiner eigenen Familie geführt und waren an verschiedenen Orten in Bayern und Baden-Württemberg aktiv. Der Unternehmer trat vor allem im Raum Göppingen und im Landkreis Günzburg als Dachdecker auf.
Die genauen Umstände und die Zahl der gegründeten Firmen sind unklar, doch die Ermittler gehen davon aus, dass der Beschuldigte den Geschäftsbetrieb selbst leitete und bis zu 35 Arbeitnehmer beschäftigt haben könnte. Überdies wurden Sozialversicherungsbeiträge veruntreut und vorenthalten, was den Fall zu einem klassischen Beispiel für Schwarzarbeit macht, wie ein Zollsprecher deutlich machte. Die Dachdeckerinnung Schwaben hat bislang keine Informationen über den Unternehmer, Obermeister Michael Voigt äußerte jedoch den Wunsch, mehr über den betroffenen Betrieb zu erfahren, um andere warnen zu können. Weitere Details zu dem Fall sind im Artikel der Augsburger Allgemeinen nachzulesen.

Ermittlungen und Festnahme

Am vergangenen Dienstag wurde der Unternehmer in den frühen Morgenstunden im Raum Ulm festgenommen. Bevor die Behörden eingreifen konnten, hatte der Beschuldigte bereits seine Scheinfirmen vom Markt genommen. Die Ermittler gehen davon aus, dass er die Geschäfte hinter den Kulissen steuerte und dabei systematisch gegen die Gesetze zur Sozialversicherung und zur Beschäftigung von Arbeitnehmern verstieß. Die Dimension des Schadens ist beachtlich, und der Zoll spricht von einem klaren Fall von organisierter Schwarzarbeit, der nicht nur den betroffenen Arbeitnehmern schadet, sondern auch dem gesamten Baugewerbe in der Region. Laut einem Bericht von BR.de gibt es bereits seit längerem Hinweise auf illegale Praktiken in diesem Bereich.

Schwarzarbeit im Bauwesen

Die Baubranche sieht sich immer häufiger mit organisierter Kriminalität konfrontiert. Der Gesamtschaden durch Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung wird in der Jahresbilanz 2024 des Zolls auf 766 Millionen Euro geschätzt. Diese alarmierenden Zahlen verdeutlichen, wie wichtig eine konsequente Bekämpfung von Schwarzarbeit ist. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil kündigte an, dass gegen Steuerbetrug und Schwarzarbeit schärfer vorgegangen werden soll. Ein neues Gesetz zur Stärkung der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) wurde beschlossen, um die Aufklärung von Verstößen gegen faire Arbeits- und Wettbewerbsbedingungen zu verbessern. Wie aus einem Bericht auf Haufe.de hervorgeht, soll der Datenabgleich automatisiert werden, um große Datenmengen auf Risiken von Schwarzarbeit auszuwerten. Zudem werden Prüfungen in identifizierten Risikobereichen intensiver und umfassender durchgeführt.

Die aktuellen Ereignisse im Landkreis Günzburg sind ein eindringlicher Hinweis auf die Notwendigkeit, die Kontrolle über die Bauwirtschaft zu verstärken und die Rechte der Arbeitnehmer zu schützen. Die Bekämpfung von Schwarzarbeit ist nicht nur ein rechtliches, sondern auch ein gesellschaftliches Anliegen, das alle betrifft.