Im Landkreis Günzburg gibt es eine Familie, die sich in einem besonderen Rahmen engagiert: Die Familie Wehn ist eine Bereitschaftspflegefamilie. Sie stehen bereit, um Kindern in Not ein vorübergehendes Zuhause zu bieten. Oftmals erhalten sie einen Anruf vom Jugendamt, der sie vor eine enorme Herausforderung stellt – sie haben in der Regel nur drei Stunden Zeit, um sich auf die Ankunft eines neuen Pflegekindes vorzubereiten. Während die eine Hälfte der Familie auf den Dachboden geht, um Platz zu schaffen, zieht die andere in den Keller, um dringend benötigte Dinge wie Strampler, Fläschchen, Windeln und Spielsachen zu holen. Schnell wird ein Kinderbettchen aufgebaut, um das Pflegekind herzlich willkommen zu heißen. Diese spontane und liebevolle Vorbereitung ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit von Bereitschaftspflegefamilien und zeigt, wie wichtig es ist, Kindern in schwierigen Situationen schnell ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln [1].

Die Bereitschaftspflege zielt darauf ab, vor allem Kindern unter sechs Jahren, die in Not geraten sind, schnell ein Zuhause zu bieten. Die Voraussetzungen für Pflegeeltern sind dabei äußerst hoch: Neben einem einwandfreien erweiterten polizeilichen Führungszeugnis und einem positiven Gesundheitszeugnis müssen sie über Geduld, hohe Belastbarkeit und ausreichend Platz verfügen. Wichtig ist auch, dass ein Partner berufstätig ist, während der andere sich um die Kinder kümmert. Zudem müssen Pflegeeltern bereit sein, an Weiterbildungen und Seminaren teilzunehmen und regelmäßig Kontakt zum Jugendamt zu halten. Die Herausforderung ist nicht nur die kurzfristige Aufnahme eines Kindes, sondern auch die Fähigkeit, ein Kind eventuell wieder abzugeben [2].

Finanzielle Aspekte der Bereitschaftspflege

Ein zentrales Thema in der Bereitschaftspflege ist das Pflegegeld. Dieses sichert die Grundversorgung der Kinder und umfasst zusätzlich einen Bonus für die Erziehung. Durchschnittlich erhalten Pflegeeltern etwa 1000 Euro pro Monat, was die finanziellen Belastungen für die notwendigen Anschaffungen und den Alltag abdeckt. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass das Jugendamt nur einen Tagessatz für Unterhalt und Sachaufwand zahlt. Sonderausgaben für einmalige Anschaffungen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Die Rechte und Verantwortlichkeiten der Pflegeeltern sind klar geregelt. Sie erhalten eine vorübergehende Betreuungsvollmacht, während das Sorgerecht bei den leiblichen Eltern bleibt. Wichtige Entscheidungen müssen mit diesen oder dem Jugendamt abgestimmt werden. Obwohl die Dauer der Bereitschaftspflege in der Regel auf sechs Monate begrenzt ist, kann sie unter bestimmten Umständen bis zu zwei Jahre andauern. Es besteht zudem die Möglichkeit, einen Verbleibensantrag zu stellen, falls das Kind dauerhaft bleiben soll.

Die Herausforderungen der Pflegeeltern

Die Arbeit als Bereitschaftspflegefamilie bringt nicht nur Freude, sondern auch zahlreiche Herausforderungen mit sich. Pflegeeltern müssen sich ständig auf neue Situationen einstellen und oft innerhalb kürzester Zeit auf die Bedürfnisse eines neuen Kindes reagieren. Dies erfordert nicht nur eine hohe Flexibilität, sondern auch die Fähigkeit, mit den leiblichen Eltern zusammenzuarbeiten und einen regelmäßigen Austausch mit dem Jugendamt zu pflegen. Die Unterstützung durch die Familie und ein starkes soziales Netzwerk sind für viele Pflegefamilien entscheidend, um die emotionalen und praktischen Anforderungen bewältigen zu können.

Insgesamt trägt die Bereitschaftspflege dazu bei, dass Kinder in schwierigen Lebenslagen nicht in Kinderheimen untergebracht werden müssen, sondern die Chance auf ein liebevolles Zuhause, auch wenn es nur für eine vorübergehende Zeit ist, erhalten. In dieser Form der Pflege zeigt sich, wie wichtig es ist, dass die Gesellschaft Verantwortung für die schwächsten Mitglieder übernimmt und ihnen die Unterstützung bietet, die sie benötigen.