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Am Freitagmorgen sorgte eine Störung im Bahnknoten Ulm für erhebliche Probleme im Zugverkehr. Das Stellwerk fiel für rund 90 Minuten aus, was dazu führte, dass der Zugverkehr gegen 0:45 Uhr vollständig zum Erliegen kam. Betroffen war unter anderem der ICE 618 von München nach Hamburg, der in Günzburg einen Zwangshalt einlegen musste und statt wie geplant um 01:02 Uhr erst um 02:18 Uhr weiterfahren konnte. Auch mehrere Güterzüge verzeichneten zusätzliche Verspätungen auf der Hauptstrecke. Die Ursache für diese Störung war ein technischer Defekt an dem veralteten Relais-Stellwerk, welches bereits seit 1967 in Betrieb ist. Laut den Angaben der Deutschen Bahn gab es in der Vergangenheit bereits ähnliche Probleme: So blockierte am Montag ein Oberleitungsschaden den Bahnhof für mehrere Stunden, und am 11. Februar fiel das Stellwerk aus, was zu drei Stunden Stillstand im Feierabendverkehr führte. Die Inbetriebnahme eines neuen elektronischen Stellwerks, die ursprünglich für 2022 geplant war, wurde zuletzt auf Januar 2026 verschoben, und der aktuelle Zeitpunkt bleibt unklar. Mehr Details zu diesem Vorfall finden Sie in dem Artikel der Augsburger Allgemeinen.

Personalmangel als zentrales Problem

Die Unpünktlichkeit der Fernzüge der Deutschen Bahn hat in letzter Zeit stark zugenommen, was auf einen akuten Mangel an Personal für die Stellwerke zurückzuführen ist. Stellwerke sind entscheidend für die Planung von Zugfahrten, die Weichenstellung und die Überwachung von Bahnübergängen. Ein anonym bleibender Fahrdienstleiter berichtet von häufigen Ausfällen, insbesondere in Thüringen und Baden-Württemberg, die zu Streckensperrungen und Umleitungen führen. Deutschlandweit fehlen Hunderte von Fahrdienstleitern, was einige Stellwerke zur Schließung zwingt. Die Deutsche Bahn gibt an, die Situation als Einzelfälle zu betrachten, erkennt jedoch den Personalmangel an, der auch die Sicherheit gefährden könnte. Diese Informationen stammen aus einem Bericht der Tagesschau.

Das vorhandene Personal ist oft überarbeitet und arbeitet wöchentlich bis zu 55 Stunden, häufig ohne freie Wochenenden. Vorgesetzte setzen die Mitarbeiter unter Druck, um die Krankheitsausfälle zu kompensieren, was die Situation weiter verschärft. Die Deutsche Bahn hat zwar eine Ausbildungsinitiative gestartet und bereits 250 Stellen besetzt, doch die vollständige Besetzung der Fahrdienstleiter-Positionen wird erst Ende 2025 erwartet. Neuere Stellwerke benötigen zwar weniger Personal, jedoch muss immer ein Mensch vor Ort sein.

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Investitionen und Modernisierung

Die Deutsche Bahn hat erkannt, dass die überalterte Stellwerkslandschaft ein ernsthaftes Problem darstellt. Aktuell betreibt die DB InfraGO AG rund 2.600 Stellwerke, die auf unterschiedlichen Techniken basieren. Die Bundesnetzagentur hat ein Verwaltungsverfahren gegen die DB InfraGO AG beendet, fordert jedoch weiterhin, dass die Deutsche Bahn Streckenöffnungszeiten sicherstellt und den Personalbedarf meldet. Ein Sanierungsstau und ein marodes Schienennetz tragen zusätzlich zu den Zugausfällen und Verspätungen bei. Im Jahr 2022 gab es 6.938 Zugausfälle aufgrund von Personalmangel, und im ersten Halbjahr 2023 waren es 3.405. Diese Zahlen verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf in der Branche.

Die Deutsche Bahn plant Investitionen in 40 elektronische Stellwerke zur Modernisierung der bestehenden Infrastruktur. Gleichzeitig wurde eine Imagekampagne gestartet, um mehr Menschen für den Beruf des Zugverkehrssteuernden zu interessieren. Der Fachkräftemangel bleibt jedoch eine große Herausforderung, die es zu bewältigen gilt, um die Zuverlässigkeit und Sicherheit des Zugverkehrs in Deutschland langfristig zu gewährleisten. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in einem Artikel des Behördenspiegels.