Die Ankündigung einer umfassenden Führerscheinreform durch das Verkehrsministerium sorgt für Aufregung unter den Fahrschulen im Landkreis Freising. Ziel dieser Reform ist es, die Kosten für den Führerscheinerwerb zu senken und den Prozess zu vereinfachen. Doch viele Fahrschulen berichten bereits von einem Rückgang der Neuanmeldungen. Der Inhaber der Fahrschule Jam in Neufahrn, Cem Iyibas, spricht von einem Rückgang von 20 bis 40 Prozent, während Elke Zieger-Turan von „Ellis Fahrschule“ sogar einen Rückgang von 70 Prozent vermeldet. Die Fahrschüler warten gespannt auf die Umsetzung der Reform und hoffen auf sinkende Preise.
Diese Situation wirft Fragen zur Zukunft der Fahrschulen auf. Bayram Kepcen, der Inhaber der Fahrschule „Easy Drive“ in Moosburg, hat bis zum Sommer genügend Arbeit, sieht jedoch auch mögliche Preissteigerungen auf die Fahrschüler zukommen. Die Unsicherheit ist groß, insbesondere da viele Schüler selbst für die Höhe der Kosten verantwortlich sind, da sie häufig mehrere Fahrstunden benötigen. Zudem äußern Fahrschulbetreiber Bedenken hinsichtlich der geplanten Änderungen, wie etwa der Möglichkeit, dass ein Teil der Fahrpraxis in Begleitung von Eltern absolviert werden soll. Zieger-Turan kritisiert diese Pläne und auch die Verwendung von Fahrsimulatoren in der Ausbildung, während Iyibas die Reduzierung der Fahrpraxis als bedenklich für die Sicherheit auf den Straßen erachtet.
Die Reform im Detail
Die angekündigte Reform zielt darauf ab, die durchschnittlichen Kosten für einen Pkw-Führerschein der Klasse B, die derzeit bei etwa 3.400 Euro liegen, zu senken. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat bereits erste Eckpunkte für die Reform vorgestellt, die in Zusammenarbeit mit den Bundesländern erarbeitet werden. Zentral sind Vorschläge zur Kostensenkung und Bürokratieabbau in der Fahrschulausbildung. Dabei soll die Qualität der Ausbildung beibehalten werden, um die Verkehrssicherheit nicht zu gefährden.
Einige der wichtigsten Vorschläge beinhalten die Einführung von digitalen Lernformaten, die vollständige Möglichkeit zur theoretischen Ausbildung online sowie die Reduzierung der Prüfungsfragen um etwa 30 Prozent. Für die praktische Ausbildung ist vorgesehen, die Anzahl der Sonderfahrten zu minimieren und Schulungen mit Schaltwagen von zehn auf sieben Fahrstunden zu reduzieren. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass mehr Prüfungen pro Tag durchgeführt werden können und somit die Wartezeiten für die Fahrschüler verkürzt werden.
Transparenz und Wettbewerb
Ein weiterer Aspekt der Reform ist die Schaffung von mehr Preistransparenz im Fahrschulmarkt. Die Preise der Fahrschulen sollen online zugänglich gemacht werden, und die Fahrschulen sind verpflichtet, vierteljährlich ihre Preise sowie die Erfolgsquoten anzugeben. Dies soll nicht nur den Wettbewerb fördern, sondern auch den Fahrschülern helfen, die besten Angebote zu finden. ADAC-Umfragen zeigen, dass hohe Kosten oft der Hauptgrund sind, warum junge Erwachsene auf einen Führerschein verzichten, und genau hier setzt die Reform an, um diese Hürde zu beseitigen.
Die Umsetzung der Reform könnte bis 2027 abgeschlossen sein, wobei die ersten Ergebnisse bereits im März 2026 auf der Verkehrsministerkonferenz präsentiert werden sollen. Verkehrsminister Patrick Schnieder hat betont, dass die Reform in enger Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe der Länder entwickelt wird, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Die Maßnahmen, die unter anderem auch eine zeitlich befristete Laienausbildung zur Erhöhung der Fahrpraxis umfassen, sollen in einem fünfjährigen Modell getestet werden.
Ob diese Reform den gewünschten Effekt haben wird und die Fahrschulen im Landkreis Freising tatsächlich entlasten kann, bleibt abzuwarten. Die Unsicherheiten und Bedenken, die von den Fahrschulinhabern geäußert werden, zeigen jedoch, dass der Weg zur Kostensenkung und zur Verbesserung der Fahrausbildung noch einige Herausforderungen mit sich bringt. Dennoch ist die Aussicht auf niedrigere Preise und eine flexiblere Ausbildung ein Schritt in die richtige Richtung.
Für weitere Informationen zur Reform können Sie die Artikel auf Merkur, BMVI und ADAC lesen.