Freising im Dilemma: Leihräder trotz Haushaltsproblemen?
Freising erwägt die Teilnahme am MVV-Leihradsystem 2026 trotz finanzieller Herausforderungen. Entscheidungsfindung läuft.

Freising im Dilemma: Leihräder trotz Haushaltsproblemen?
Freising steht vor einer wegweisenden Entscheidung: Die Stadt erwägt, am MVV-Leihradsystem teilzunehmen, das im Jahr 2026 seinen Betrieb aufnehmen soll. Dieses Projekt, das bereits in vielen Gemeinden im Landkreis München implementiert ist, könnte Freising ein zusätzliches Mobilitätsangebot bieten, steht jedoch aufgrund der angespannten Haushaltslage auf der Kippe. Die jährlichen Betriebskosten belaufen sich auf etwa 45.000 Euro, während einmalige Investitionen in Höhe von 16.800 Euro erforderlich wären, um insgesamt 30 mechanische Räder und 15 Pedelecs an verschiedenen Stationen bereitzustellen. Diese könnten unter anderem an Standorten wie dem Bahnhofsvorplatz, Weihenstephan und in der Innenstadt aufgestellt werden, wie Merkur berichtet.
Die Diskussion über die Teilnahme am Leihradsystem hat bereits einige engagierte Stimmen hervorgerufen. Karl-Heinz Freitag von den Freien Wählern betont die positive Wirkung auf das Stadtimage, während Manfred Drobny von den Grünen klarmacht, dass eine Absage an das Leihradsystem Freising in den Entwicklungsrückstand treiben würde. Dagegen äußert Peter Warlimont von der SPD Bedenken über die Haushaltslage und die relativ geringen Auswirkungen auf Luftqualität und Verkehr. OB Tobias Eschenbacher schlägt vor, diese Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt zu treffen – konkret dann, wenn der Haushaltsentwurf vorliegt. So wurde das Thema mit 8:4 Stimmen vertagt.
Das MVV-Leihradsystem ist nicht nur ein Schritt in Richtung Mobilitätswende, sondern könnte auch das bestehende öffentliche Verkehrsnetz ergänzen. Dominik Fuchs, Mobilitätsmanager der Stadt, sieht hierin eine ideale Ergänzung zu den Bussen, die jedoch aufgrund ihrer Struktur im städtischen Raum nach wie vor konkurrenzfähig bleiben müssen. Auf die Frage, ob solche Leihradsysteme in ländlichen Regionen wie Freising auch pragmatisch reagieren können, lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Mobilitätsstudie „Mobilität in Deutschland 2023“. Diese zeigt, dass der motorisierte Individualverkehr leicht zurückgeht, während der Trend hin zu mehr Fahrrädern und E-Bikes geht. In Deutschland sind mittlerweile rund 81 Millionen Fahrräder im Umlauf, wobei E-Bikes enorm an Beliebtheit gewonnen haben. Diese Trends verdeutlichen, dass gerade auch in städtischen und suburbanen Gebieten wie Freising Potenzial für eine stärkere Integration von Radverkehr besteht, wie Pedelec feststellt.
Der Weg zu einer umfassenden Mobilitätswende ist jedoch nicht einfach. Während in Großstädten bereits viele Menschen auf Radverkehr umsteigen, bleibt der ländliche Raum oft hinter diesen Entwicklungen zurück. Die Herausforderungen sind insbesondere in der Infrastruktur zu suchen. Ein verbesserter Ausbau von Radwegen und eine bessere Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz könnten den Radverkehr auch im ländlichen Raum attraktiver machen.
Zusammengefasst steht Freising an einem Scheideweg: Nimmt die Stadt die Herausforderung an und beteiligt sich am Leihradsystem, könnten die Weichen für eine moderne und nachhaltige Mobilität gestellt werden. Es bleibt abzuwarten, welche Entscheidungen im Hinblick auf den Haushalt und die Mobilität Priorität haben werden. Weitere Informationen zum bestehenden MVG-Rad-System, das bis zum 30. September 2025 in Betrieb ist, finden Interessierte unter MVV.