Kampf um Sicherheit: Frauenparkplätze in Erding gefordert!
Erding plant Frauenparkplätze zur Sicherheit und Gleichstellung. Diskutiert werden Beleuchtung, Nähe zu Ausgängen und Sichtbarkeit.

Kampf um Sicherheit: Frauenparkplätze in Erding gefordert!
Am 5. Dezember 2025, gegen 17.30 Uhr, stehen vier junge Frauen vor einem Parkautomaten auf dem Parkplatz Am Mühlgraben in Erding und diskutieren ihre Sicherheitsgefühle im Dunkeln. Diese Diskussion spiegelt eine weitverbreitete Besorgnis wider, die viele Frauen in ähnlichen Situationen teilen. Tatsächlich fühlt sich über die Hälfte aller befragten Frauen laut einer Studie des Bundeskriminalamts von 2022 nachts unsicher in der Öffentlichkeit und meidet deshalb häufig bestimmte Orte oder Verkehrsmittel. 61% von ihnen geben sogar an, in ihrer eigenen Wohngegend ohne Begleitung nicht sicher zu sein – im krassen Gegensatz zu den 83% der Männer, die sich dort wohlfühlen
Ein zentraler Aspekt dieser Unsicherheitsgefühle ist die mangelnde Verfügbarkeit von Frauenparkplätzen, wie die SPD-Fraktion im Erdinger Stadtrat fordert. Der Antrag sieht nicht nur die Einrichtung von Frauenparkplätzen am Mühlbach vor, sondern auch gut beleuchtete, barrierearme Plätze in zukünftigen Parkanlagen. Als Teil dieser Initiative strebt die SPD eine Verbesserung der Sichtbarkeit, Nähe zu Ein- und Ausgängen sowie eine klare Beschilderung der Parkplätze an. Christian Wanninger, Pressesprecher der Stadt, bestätigte allerdings, dass Männer auf Frauenparkplätzen parken können, ohne mit einem Bußgeld rechnen zu müssen
Angst im öffentlichen Raum
Das Phänomen der „Angsträume“ hat in der urbanen Planung zunehmend an Bedeutung gewonnen. Oft sind es schlecht beleuchtete, wenig frequentierte Bereiche, in denen Frauen sich besonders unwohl fühlen. So meiden laut urban.policy 57,9% der befragten Frauen gefährliche oder unangenehme Orte, während nur 29% der Männer ähnliche Bedenken äußern. Gerade für Frauen* und Mädchen* ist die Angst vor Belästigung oder körperlicher Gewalt ein ständiger Begleiter im Alltag, der sogar die eigene Bewegungsfreiheit einschränkt. Diese Einschätzung wird durch Erkenntnisse unterstützt, die deutlich zeigen, dass klarere Sichtachsen und bessere Beleuchtung das Sicherheitsgefühl erheblich steigern können
Die Diskussion um Frauenparkplätze steht ebenfalls im Kontext der gendergerechten Stadtentwicklung. Diese Einrichtungen sind in vielen Städten mittlerweile zum Standard geworden, doch rechtlich nicht in der Straßenverkehrsordnung verankert. In Deutschland sind Frauenparkplätze in einigen Bundesländern gar Pflicht – so müssen beispielsweise in Baden-Württemberg mindestens 10% der Stellplätze und in Brandenburg sogar 30% für Frauen reserviert werden. Ein Gerichtsurteil in Eichstätt verdeutlicht zudem, dass die Beschilderung von Frauenparkplätzen klarstellen muss, dass es sich um Empfehlungen handelt und kein Verbot für Männer besteht
Sichtbarkeit und Gleichstellung
Im Sinne der Gleichstellung und sozialen Inklusion sieht Leon Kozica die Einführung von Frauenparkplätzen als wichtigen Schritt. Es zeigt sich, dass Frauen oft spezifische Sicherheitsstrategien entwickeln, wie das Meiden bestimmter Straßen oder die Nutzung teurerer Verkehrsmittel. Darüber hinaus bleiben viele von ihnen skeptisch gegenüber traditionellen Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa der Anwesenheit von männlichem Sicherheitspersonal, da dieses oft nicht als vertrauenswürdig wahrgenommen wird. Das hat einen weitreichenden Einfluss auf das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schaffung von Frauenparkplätzen nicht nur eine gezielte Leserichtung auf Sicherheitsbedenken darstellt, sondern auch eine Antwort auf die angespannte Diskussion um Gendergerechtigkeit in der Stadtplanung. Nach dem Safety Walk im März 2023 hat das Anliegen der SPD im Stadtrat an Fahrt aufgenommen, ohne dass eine Entscheidung getroffen wurde. Fest steht jedoch: Veränderungen in der öffentlichen Wahrnehmung sind notwendig, um die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen, und insbesondere Frauen* auf den Straßen ein besseres Gefühl zu geben.
Für weitere Informationen zu diesem Thema lesen Sie die Artikel von Süddeutsche, urban-policy und Wikipedia.