Ein faszinierendes Naturschauspiel hat in den vergangenen Nächten den Landkreis Donau-Ries in seinen Bann gezogen. Polarlichter, ein eher seltenes Phänomen in Mitteleuropa, wurden an verschiedenen Orten beobachtet. Diese Lichterspiele entstehen durch Teilchenströme der Sonne, die, nachdem sie mit der Erdatmosphäre reagieren, zum Leuchten gebracht werden. Der Astronom Wilfried Dumann, der auf mehr als 50 Jahre Erfahrung zurückblicken kann, hat in dieser Zeit nur fünf bis sechs Mal so extrem leuchtende Polarlichter in Deutschland gesehen. „Das ist wahrlich ein Grund zum Staunen“, kommentierte er die Sichtung, die durch einen besonderen Sonnenzyklus begünstigt wurde, in dem der Sonnenwind besonders stark ist.

Hobbyfotograf Nico Schöppel war am 17. Januar ganz in seinem Element. Zwischen 21:20 und 23:45 Uhr beobachtete er das leuchtende Spektakel an den Ofnet-Höhlen. Mit einer Kamera, die einen ISO-Wert von 6400 und Belichtungszeiten von 2,5 bis 6 Sekunden einstellte, gelangen ihm beeindruckende Aufnahmen. Umso bedauerlicher für Dr. Oliver Sachs, Geologe und Vorsitzender der Freunde Rieskratermuseum, der das Spektakel leider verpasste, aber für die kommende Nacht bereits neue Pläne schmiedet, um die Polarlichter selbst zu erleben.

Wie entstehen Polarlichter?

Die Entstehung der Polarlichter ist eng mit dem sogenannten Sonnenwind verbunden. Diesen bezeichnet man als kontinuierlichen Strom von elektrisch geladenen Teilchen, der von der Sonne ausgeht. Wenn die Erde sich in einer Phase hoher Sonnenaktivität befindet, ist der Sonnenwind kräftiger und erreicht die Erde schneller und dichter. Dieser Sonnenwind kann das Erdmagnetfeld verformen, was dazu führt, dass manche Teilchen in die Magnetosphäre eindringen. Hier kollidieren die Sonnenwindteilchen mit Atomen in der Ionosphäre und regen sie zum Leuchten an. Somit entstehen die typischen Farben der Polarlichter, die je nach Gas und Höhe variieren: Grünes Licht entsteht durch Sauerstoff in Höhenlagen von etwa 100 bis 150 Kilometern, während rotes Licht in größeren Höhen, über 200 Kilometern, und Stickstoff die blauen, violetten und rosa Farbtöne erzeugt.

Polarlichter sind vor allem in ländlichen Gebieten besser sichtbar, wo die Lichtverschmutzung geringer ist. Diese speziellen Lichtspiele sind normalerweise in den Polarregionen zu beobachten, können jedoch bei starken Sonnenstürmen auch in Mitteleuropa erscheinen. In den letzten Jahren gab es Berichte, dass Polarlichter in Deutschland bis zu acht Mal jährlich sichtbar sein können, wenn die Bedingungen stimmen.

Ein außergewöhnliches Erlebnis für alle

Das Phänomen der Polarlichter zieht nicht nur Wissenschaftler und Astronomen an; auch die breite Bevölkerung zeigt großes Interesse an diesem spektakulären Schauspiel. Die nächsten Nächte könnten also eine gute Gelegenheit bieten, um die Lichter selbst zu betrachten – ein Erlebnis, das zeigt, wie beeindruckend und spektakulär die Natur sein kann. Während die Polarlichter in der Regel in den polareren Gefilden erscheinen, wie Nordnorwegen oder Alaska, ist es ein Geschenk, sie hier im Allgäu erleben zu dürfen. Halten Sie also Ihre Kameras bereit und seien Sie bereit für ein einzigartiges Naturschauspiel!