Eine beeindruckende Schenkung erreicht das Stadtarchiv Weiden: Postkarten des ehemaligen Sozialdemokraten Josef Tröger, die aus dem Konzentrationslager Dachau stammen, werden dem Archiv übergeben. Diese historischen Dokumente, die zwischen 1933 und 1934 verfasst wurden, geben Einblicke in die Schicksale von Menschen während der NS-Zeit und die persönlichen Notlagen, mit denen sie konfrontiert waren. Dr. Sebastian Schott, der Leiter des Stadtarchivs, hat die Postkarten bereits für die kommende Ausgabe der „Oberpfälzer Heimat“ ausgewertet, wie das Oberpfalz Echo berichtet.
Josef Tröger, geboren im Jahr 1895 in Hutzelmühle, Klobenreuth, war gelernter Maler und stark verankert im Gewerkschaftswesen des Reichsbahn-Ausbesserungswerks in Weiden. Seine politische Karriere begann Ende der 1920er Jahre mit seinem Einzug in den Stadtrat. Der politische Druck führte zu seiner Inhaftierung im Juli 1933, und sein Schicksal war eng mit dem Verbot der SPD verbunden, welches zur Verhaftung vieler sozialdemokratischer Stadträte führte. Tröger verbrachte sieben Monate im KZ Dachau, wo er in dieser Zeit zwölf Postkarten an seine Familie schrieb. Diese Karten sind nicht nur ein persönlicher, sondern auch ein historischer Schatz.
Ein Blick hinter die Gefängnismauern
Die Umstände, unter denen die Postkarten verfasst wurden, waren alles andere als einfach: Gefangene waren verpflichtet, Standardtexte einzufügen, und viele unterlagen schweren körperlichen Misshandlungen. Tröger selbst kam nach seiner Ankunft so schwer verletzt an, dass er zwei Wochen in der Krankenbaracke verbringen musste. In einer seiner Postkarten äußerte er die bittersüße Ungewissheit, ob er zu Weihnachten bei seiner kleinen Tochter Charlotte, die zu diesem Zeitpunkt erst drei Jahre alt war, sein könnte.
Nach seiner Entlassung im Januar 1934 zog sich Tröger aus der aktiven Politik zurück, da die Weidener SPD stark zerschlagen war. Dennoch setzte er sich für andere Opfer des NS-Regimes ein, insbesondere für jüdische Menschen, die 1942 deportiert wurden. Man könnte sagen, er hatte ein gutes Händchen dafür, anderen in schwierigen Zeiten zu helfen. Später eröffnete er sein eigenes Malergeschäft und eine Kohlehandlung, wo er Kriegsgefangene gut behandelte, was ihm teils negative Aufmerksamkeit einbrachte.
Ein Schicksal voller Entbehrungen
Im August 1944 wurde Tröger erneut im Rahmen der „Aktion Gewitter“ ins KZ Flossenbürg gebracht. Seine Entlassung aus dieser Hölle erlebte er im Oktober 1944. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er unter dem Oberbürgermeister Franz-Joseph Pfleger zum zweiten Bürgermeister von Weiden gewählt und kämpfte unter anderem dafür, dass der jüdische Kaufmann Lothar Friedmann sein Geschäft zurückerhielt. Für Dr. Schott ist Tröger eine interessante Persönlichkeit und ein großartiger Mensch, dessen Geschichte nicht in Vergessenheit geraten sollte.
Die Sammlung von Trögers Postkarten wird zudem in „Oberpfälzer Heimat Band 70“ veröffentlicht und ist in der Geschäftsstelle des Heimatkundlichen Arbeitskreises sowie im Buchhandel erhältlich. Wer mehr über diese bewegende Geschichte erfahren möchte, sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen und einen Blick in die vielschichtige Geschichte unserer Region werfen.